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	<title>kanadische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend. Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-phantom-trapper-of-labrador">The Phantom Trapper of Labrador – Die Legende von Old Smoker</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">The Phantom Trapper of Labrador ist eine bekannte kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geistergeschichte</a>. Da der Phantom Trapper nur auftauchen soll, wenn es schneit, habe ich mich entschieden, damit die diesjährigen Winter-/<a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtsgeschichten</a> einzuleiten. Aber keine Sorge: Der nächste Beitrag handelt von einer tatsächlichen Weihnachtslegende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Dein Ernst, Olivia?“, fragte mein Bruder. Er sah mich entgeistert an. „Du hast noch nie von The Phantom Trapper of Labrador gehört?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. „Wieso? Muss ich den etwa kennen?“, fragte ich kleinlaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja!“, platzte mein Bruder hervor. „Du kannst nicht in Labrador leben, ohne je von Ol&#8216; Smoker gehört zu haben. Er ist hier fast so berühmt wie der Weihnachtsmann!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rutschte nervös auf der Bettkante hin und her. Ich hasste Geistergeschichten, doch in dem Moment kam mir die Aussage von meinem Bruder schlüssig vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ich nicht widersprach, setzte mein Bruder ein Grinsen auf. „Ol&#8216; Smoker, oder Esau Gillingham, wie er eigentlich hieß, war einst ein berüchtigter Verbrecher. Er war ein Trunkenbold, schlug Frauen und auch Kinder, wie dich. Aber er war auch ein begabter Fallensteller und Fellhändler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer, wenn er auf seinem Hundeschlitten in die Städte und Dörfer kam, wandten die Polizisten ihre Blicke ab. Sie taten so, als würden sie ihn nicht erkennen, weil er die feinsten und schönsten Felle mitbrachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, wenn er all seine Felle verkauft hatte, begann er, das verdiente Geld in der nächsten Taverne zu versaufen und in seinem betrunkenen Zustand Frauen zu belästigen. Dann vertrieb man ihn mitsamt seinem Hundeschlitten wieder aus der Gemeinde, bis er irgendwann mit seinen schönen Fellen zurückkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ging das die ganze Zeit. Einige Leute sagen auch, er braute nebenbei seinen eigenen Alkohol. Ein billiges Gesöff namens Smoke, das er an die Leute verkaufte. Daher soll auch sein Spitzname Ol&#8216; Smoker kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Alkohol war allerdings so schlecht hergestellt, dass er die Menschen vergiften konnte. Einige sollen sogar blind geworden sein. Der Fallensteller war also ein richtiges Ekel. Er kümmerte sich nur um sich selbst. Die anderen waren ihm völlig egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während die Leute bei seinen bisherigen Verbrechen beide Augen zudrückten, um nicht auf seine edlen Felle verzichten zu müssen, ging er mit seinem Alkohol zu weit. Sie mochten es nicht, dass er ihre Nachbarn vergiftete. Und so folgten sie ihm eines Tages zu seiner Destille im Wald, wo er seinen Smoke braute. Sie zerstörten sie und nahmen Ol&#8216; Smoker gefangen. Er landete ein ganzes Jahr im Gefängnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber selbst im Kittchen blieb Ol&#8216; Smoker nicht untätig. Er schmiedete einen neuen Plan, machte sich Gedanken über seine Zukunft. Und so wusste er genau, was er zu tun hatte, als er wieder auf freiem Fuß war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst besorgte er sich weiße Huskys. Acht treue Hunde mit schneeweißem Fell. Keine Ahnung, ob er sie gestohlen, mit seinem angesparten Geld gekauft oder sie erbettelt hat. Danach baute er seine Destille wieder auf. Wieder begann er, seinen giftigen Smoke herzustellen, um ihn unter die Leute zu bringen. Diesmal malte er die Destille jedoch weiß an, damit sie im Schnee nahezu unsichtbar war – zumindest während sie nicht in Betrieb war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dasselbe tat er mit seinem Schlitten. Und sogar seine Felle, aus denen seine Kleidung bestand, tauschte er Stück für Stück gegen weiße Felle aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn er jetzt auf seinem Schlitten durch den Schnee raste, war er fast perfekt getarnt. Wann immer man versuchte, ihn zu verfolgen, verloren die Leute ihn und seine weißen Hunde schnell aus den Augen. Und so soll er noch viele Leute mit seinem Alkohol vergiftet haben, während er ihnen das letzte Geld aus den Taschen zog.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder machte eine dramatische Pause. Ich sah ihn erleichtert an. Ließ meine baumelnden Füße vor und zurück schwingen. Fast war ich erleichtert. Bisher fand ich die Geschichte nicht wirklich gruselig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch grinste mein Bruder mich wieder breit an. „Das ist aber noch nicht alles“, fuhr er fort. „Ich hab dir noch gar nicht erzählt, wie Ol&#8216; Smoker zum Phantom Trapper von Labrador wurde. Denn das geschah erst nach seinem Tod.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemand weiß genau, wie der alte Fallensteller gestorben ist. Ob die Bewohner ihn doch irgendwann erwischt haben, er mit seinen Hunden im Schnee erfroren ist oder sich an seinem eigenen Smoke vergiftet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig ist nur, dass seine verdorbene Seele auch nach seinem Tod die Erde nicht verlassen hat. Es heißt, dass du manchmal im Wind das Bellen von Hunden hören kannst, das Knallen seiner Peitsche. Kurz darauf setzt ein schlimmer Schneesturm ein. Wenn du mich fragst, bringt Ol&#8216; Smoker den Sturm. Er will, dass du dich im Schnee verirrst, damit er dich packen und auf seinen Schlitten ziehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du also jemals draußen unterwegs bist und das Bellen seiner Hunde hörst, solltest du rennen. Denn wenn du die weißen Huskys siehst und seinen weißen Schlitten, kann es bereits zu spät sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt baumelten meine Beine nicht mehr. Meine Erleichterung war zu einem verkrampften Magen geworden. Ich schluckte schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich jedoch nicht wusste, war, dass mein Bruder einige wichtige Details weggelassen hatte. Er hatte mir nicht die ganze Geschichte erzählt, nicht die ganze Wahrheit hinter dem Phantom Trapper of Labrador.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich vergessen konnte ich die Geschichte nie. Ich hatte fast eine Woche lang Albträume von Ol&#8216; Smoker gehabt, wie er mich auf seinem weißen Schlitten holen wollte. Das war aber auch kein Wunder. Immerhin war ich damals erst sechs Jahre alt gewesen. Seitdem hatte ich die Legende aber, so gut es ging, verdrängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum sie mir jetzt, über neun Jahre, nachdem mein Bruder sie mir erzählt hatte, wieder in den Sinn kam? Ganz einfach: weil ich in der Ferne das Gebell von Hunden hören konnte. Der Wind trug die Geräusche zu mir rüber. Dann knallte eine Peitsche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wusste ich, dass es nicht der berüchtigte Fallensteller war. Er konnte es nicht sein. Es gab keine Geister. Ich glaubte schon seit Jahren nicht mehr daran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem vergrub ich mein Kinn tiefer in meinem Schal und beschleunigte meine Schritte. Es wurde allmählich spät. Egal ob Geist oder nicht, ich sollte aus dem Wald raus sein, ehe es zu dunkel wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder knallte die Peitsche. Wer auch immer da draußen auf seinem Hundeschlitten saß, schien es mindestens genauso eilig zu haben. Und das aus gutem Grund. Ein kräftiger Windstoß schlug mir ins Gesicht. Schneewehen wirbelten über den Weg vor mir. Sie hüllten alles in einen schwachen weißen Schleier. Es sah ganz danach aus, als wäre ein Schneesturm im Anmarsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er bringt den Sturm“, murmelte ich. Es war ein alberner Gedanke, aber war es nicht das, was mein Bruder damals gesagt hatte? Dass ein Schneesturm aufkommt, nachdem man Ol&#8216; Smoker in der Ferne gehört hat?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lachte ich nervös. „Jetzt beruhig dich mal, Olivia“, murmelte ich mir zu. „Du bist doch kein Kind mehr.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem beschleunigte ich meine Schritte noch weiter. Ich rannte jetzt durch den knirschenden Schnee. Aber das lag natürlich nur an dem aufkommenden Sturm. Nicht etwa an irgendeiner Geistergeschichte, vor der sich nur Kinder gruselten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich wurde ich langsamer. Ich näherte mich einer Weggabelung. Normalerweise wäre das kein Problem für mich. Ich spielte, seit ich laufen kann, in diesem Wald. Sonst hätte ich wahrscheinlich nur anhand der umstehenden Bäume erkannt, wo genau im Wald ich jetzt war. Die Schneewehen waren allerdings inzwischen so stark geworden, dass ich die Stämme nur noch als schemenhafte Umrisse im Weiß erkannte. Auch musste ich die Augen zusammenkneifen, da der eisige Wind inzwischen schmerzhaft in ihnen stach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Scheiße! Okay. Ruhig bleiben. Wo konnte ich sein? Mir fielen zwei Weggabelungen auf dem Weg nach Hause ein. Bei der ersten führte der linke Weg einige Kilometer tiefer in den Wald, ehe er bei einer verlassenen Sägemühle endete, und der rechte führte nach Hause. Wenn ich an besagter Gabelung allerdings schon vorbei war, würde der Weg links nach Hause führen, und der rechts lediglich zu einem Rundgang durch den Wald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich biss mir auf die Unterlippe. Denk nach, Olivia. Denk nach!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam jedoch nicht dazu, weiter darüber nachzudenken. Wieder ertönte das Bellen von Hunden. Waren sie nähergekommen? Aus welcher Richtung kamen sie? Ich hatte sie erst wieder gehört, als der Wind gedreht hatte, also kamen sie … Schnell wirbelte ich herum. Das Geräusch kam vom Weg hinter mir!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder knallte die Peitsche. Diesmal war das Geräusch so laut, so nahe, dass es mir einen Schauer über den Rücken trieb. Und das lag nicht nur an der untergehenden Sonne und der zunehmenden Kälte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem zwang ich mich, stehenzubleiben. Ich schluckte den Drang hinunter, wegzulaufen. Wenn das Geräusch aus dem Wald kam, musste der Hundeschlitten dem Weg folgen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er mich erreichte. Bestimmt konnte mir der Schlittenführer den richtigen Weg zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wartete ich. Ich schlang die Arme um meinen zitternden Körper, wippte auf den Füßen vor und zurück, um mich warm zu halten. Die Geräusche kamen näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem konnte ich außer dem Schneegestöber kaum etwas erkennen. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, Bewegungen in der Ferne zu sehen, aber dort war alles weiß. Es zeichnete sich keine dunkle Silhouette, kein Schlitten darin ab. Die Hunde klangen hingegen, als hätte der Schlitten mich fast erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann sah ich sie. Sie hatten helles Fell. Weiß auf Weiß. Kein Wunder, dass ich sie nicht erkannt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst war ich wie zu Eis gefroren. Dann jedoch löste ich mich aus meiner Starre und begann mit beiden Armen zu winken. Anfangs zögerlich, dann stärker. „Hallo!“, rief ich. „Der Sturm … Ich hab mich verirrt. Können Sie mir sagen, in welche Richtung es ins Dorf geht?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie ein Mann den Hunden einen Befehl zurief. Sofort wurden sie langsamer. Trotzdem ging ich einige Schritte beiseite, um ihnen nicht im Weg zu stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatten sie mich fast erreicht. Ungläubig sah ich mit an, wie acht weiße Huskys neben mir zum Stehen kamen. Ihr Gespann, das Holz, die Felle und sogar die Seile waren weiß. Oder waren sie nur von Schnee und reif bedeckt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem Schlitten. Es war einer dieser großen Hundeschlitten für den Transport, auf denen man nicht die ganze Zeit stehen musste. Auch er war weiß gestrichen. Das war jedoch nicht mein Hauptaugenmerk. Nein. Das galt dem Mann, der auf dem Schlitten saß. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Er hielt eine weiße Peitsche in der Hand. Und sogar die Felle, die ihn von Kopf bis Fuß umhüllten, waren reinweiß … Genau wie bei Ol&#8216; Smoker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schluckte, versuchte, ruhig zu bleiben. Als der Mann jedoch von seinem Schlitten stieg, sich zu seiner vollen Größe aufrichtete, gingen meine Nerven mit mir durch. Ich wirbelte herum und rannte ins Dickicht zwischen den Bäumen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier war der Schnee deutlich tiefer. Fast sofort sackte ich ein. Nun steckte ich bis über die Knie im Schnee. Eisige Kälte fraß sich durch meine Hose. Aber das ließ mich nicht innehalten. Langsam und unbeholfen arbeitete ich mich voran. Ich schob den Schnee mehr, als dass ich hindurch stapfte. Jeder Schritt war unglaublich anstrengend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch einen Blick über die Schulter warf, krampfte sich mein Magen zusammen. Es fühlte sich an, als habe mir jemand in den Bauch geboxt. Der Mann, der weiß gekleidete Schlittenführer, hatte ebenfalls den Weg verlassen. Er stapfte mir mit großen Schritten nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als in mir vollends die Panik ausbrach. Ich schrie um Hilfe, kreischte, während ich versuchte, schneller voranzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tiefer und tiefer kämpfte ich mich in den Wald vor. Allmählich verlor ich das Gefühl in den Beinen. Der Wind wurde unterdessen immer stärker. Selbst meine dicke Jacke konnte mich nicht mehr gegen seine beißende Kälte schützen. Was ich dafür getan hätte, mich nur einen Augenblick hinzusetzen, mich auszuruhen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe ich jedoch ernsthaft darüber nachdenken konnte, nahmen meine Beine mir die Entscheidung ab. Sie waren inzwischen so kalt, dass sie sich steif und ungelenkig anfühlten. Ich verlor das Gleichgewicht, merkte, wie mein Oberkörper nach vorne kippte. Aber ich schaffte es dank des Schnees nicht, ein Bein vorzureißen, um den Sturz zu verhindern. Mit ausgestreckten Armen kippte ich in die Kälte. Ich spürte, wie sich Schnee zwischen Handschuhen und Jacke in meine Ärmel schob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt war ich umgeben von Eis und Kälte. Mein Kopf war unter der Oberfläche. Mein Gesicht brannte vor Schmerz. Ich weiß nicht, ob ich jemals so gefroren hatte. Selbst bei einer kalten Dusche hatte ich mich noch nie so unterkühlt gefühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schaffte ich es nicht, mich aufzurappeln. Es war, als wäre sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Vielleicht sollte ich einfach aufgeben. Ich könnte hier liegenbleiben. Nur für eine Minute …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich spürte den kräftigen Arm kaum, der mich aus dem Schnee hob, sah nur verschwommen, wie die Welt um mich herum sich bewegte, nahm nur am Rande meines Bewusstseins wahr, wie Ol&#8216; Smoker mich zurück zu seinem Schlitten trug. Er warf mich in einen Haufen aus weißen Fellen. Der Befehl, den er seinen Hunden zurief, kam mir weit entfernt vor. Dann setzte der Schlitten sich in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb erschöpft zwischen den Fellen liegen. Fast schämte ich mich dafür, wie geborgen ich mich fühlte. Langsam kehrte die Wärme zurück. Ich spürte sogar meine Beine wieder, auch wenn sie nur aus Schmerz zu bestehen schienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so gemütlich es auch war, ich konnte hier nicht bleiben. Das wusste ich. Also rappelte ich mich vorsichtig auf. Es war alles andere als einfach auf dem weichen Untergrund, während der Schlitten unregelmäßig hin und her schaukelte, meine Beine noch immer zitterten. Aber ich schaffte es. Gerade, als ich mich aus dem Schlitten in den Schnee stürzen wollte, packte mich jedoch eine Hand am Oberarm. Ich hatte unterschätzt, wie nahe Ol&#8216; Smoker mir tatsächlich saß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bleib sitzen“, brummte er mit tiefer Stimme, während er mich in die Felle zurückdrückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat ich. Ich fühlte mich völlig hilflos, war mir nicht einmal sicher, ob meine zittrigen Beine es ein zweites Mal geschafft hätten, aufzustehen. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. Wahrscheinlich waren sie der Grund, warum ich die bunten Lichter nicht gleich erkannte, denen wir uns jetzt schnell näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mir die Tränen aus den Augen gewischt hatte, bemerkte ich, dass es Weihnachtsdekoration war. Sie hing an den Häusern, über der Straße und an einem großen Weihnachtsbaum, den ich deutlich in der Ferne erkennen konnte. Das war unser Dorf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig sah ich mit an, wie wir ihm näher und näher kamen. Erst, als wir es fast erreicht hatten, rief der Schlittenführer wieder einen Befehl und die Hunde wurden langsamer. Wir blieben neben Miss Walshs Gemischtwarenladen stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell versuchte ich wieder, mich aufzurappeln. Aber der Fremde gab bloß ein Brummen von sich, stieg aus dem Schlitten und hob mich auf seine Arme. Mit schweren Schritten stapfte er Richtung Laden. Er drückte die Tür mit seiner Schulter auf und trat mit mir ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na das muss ja dringend sein, wenn Sie sich bei dem Wetter nach draußen wagen!“, hörte ich Miss Walshs Stimme. In ihr schwang ein Hauch Belustigung mit. „Also, was kann ich für Sie …“ Sie brach ab. Wahrscheinlich hatte sie mich bemerkt. „Du meine Güte! Olivia!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kümmern Sie sich um sie“, brummte der Fremde. Er trug mich zu einem Stuhl, der eigentlich zum Verkauf stand, und setzte mich auf das dünne Polster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Halbherzig lächelte ich Miss Walsh an. „Hey“, grüßte ich sie schwach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie reagierte gar nicht. Sie starrte bloß mit offenem Mund den Fremden an. Oder besser gesagt den Ort, wo der Fremde hätte sein müssen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, war er verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig richtete ich mich auf, um besser sehen zu können, doch bis auf Walsh und mich war der Gemischtwarenladen menschenleer. Auf dem Boden waren nicht einmal nasse Fußabdrücke.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch meine Verwirrung sicher vorstellen. Miss Walsh erklärte sogar, dass der Mann sich einfach in Luft aufgelöst habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie war das möglich? War er tatsächlich Ol&#8216; Smoker gewesen? Der Geist, der zu Lebzeiten so bösartig gewesen war? Aber warum hatte er mich dann ins Dorf zurückgebracht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück hatte Miss Walsh dafür eine Erklärung. Denn wie ich schon sagte, hatte mein Bruder mir nicht die ganze Geschichte vom Phantom Trapper of Labrador erzählt. Nach seinem Tod, so erklärte Miss Walsh, soll Ol&#8216; Smoker nämlich der Zutritt zum Jenseits verwehrt geblieben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem wandelt seine ruhelose Seele auf unserer Erde, um die Schuld, die er im Leben auf sich geladen hatte, wieder gutzumachen. Er warnt die Menschen vor schlimmen Schneestürmen und bringt sie sogar manchmal zurück in Sicherheit. Ich konnte also von Glück reden, dass der Geist des Verbrechers mich gefunden hatte, sonst wäre ich in jener Nacht wahrscheinlich erfroren.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Phantom Trapper of Labrador (englisch für „Der Phantom-Fallensteller von Labrador“), manchmal auch The Trapper’s Ghost („Der Geist des Fallenstellers“) genannt, ist eine kanadische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> über einen phantomhaften Fallensteller auf einem Hundeschlitten. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Geistergeschichte der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geist ist auch unter den Namen „Smoker“ („Raucher“) und „Ol&#8216; Smoker“ (Kurzform für „Old Smoker“, „alter Raucher“) bekannt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Phantom Trapper of Labrador soll wie ein gewöhnlicher Mensch aussehen. Abgesehen von seiner etwas eigenartigen Kleidung, die ausschließlich aus weißen Fellen bestehen soll, sieht man ihm also nicht an, dass es sich bei ihm um einen Geist handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er auf einem weißen Komatik – dem traditionellen Hundeschlitten der Inuit, der in Kanada auch heute noch oft genutzt wird – sitzen, der von mehreren schneeweißen Huskys gezogen wird. Die Anzahl der Huskys kann je nach Geschichte variieren, es ist jedoch meist von einer geraden Zahl zwischen 8 und 14 die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rein weiße Erscheinung des Fallenstellers soll im Schnee nur schwierig zu erkennen sein – besonders, wenn es dunkel ist und/oder es einen Schneesturm gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem heißt es, dass weder seine Hunde noch er oder sein Schlitten Spuren im Schnee hinterlassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptsächlich wird der Phantom Trapper of Labrador nur akustisch wahrgenommen. So hört man das Knallen einer Peitsche oder das Bellen von Hunden im Wind. Meist soll dies geschehen, kurz bevor ein Schneesturm aufkommt. Die Erscheinung des Fallenstellers warnt also die Bewohner vor einem bevorstehenden Sturm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener kommt es vor, dass man den weißen Fallensteller auf seinem Schlitten sehen soll. Oft verlieren die Augenzeugen die im Schnee gut getarnte Gestalt aber schnell wieder aus den Augen. Auch hier soll kurz darauf ein heftiger Schneesturm aufkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist jedoch nicht das Einzige, was der Phantom Trapper of Labrador tut. Er warnt die Leute nicht nur, es gibt auch Erzählungen, in denen er Menschen vor einem Tod im Schnee gerettet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So soll es bereits vorgekommen sein, dass der Fallensteller verirrte Hundeschlittenführer zurück in die Zivilisation geführt hat. In den meisten Fällen sieht hierbei ein Bewohner den Hundeschlitten ankommen. Der Geisterschlitten, dem der Schlittenführer angeblich gefolgt sei, wurde von dem Bewohner hingegen nicht gesehen, obwohl er direkt an ihm vorbeigefahren sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Version der Legende besagt, dass eine Person – Geschlecht und Alter kann dabei variieren – sich in einem Schneesturm verlaufen hat. Geschwächt und völlig unterkühlt wird sie von einem in weiße Fälle gekleideten Mann auf einem weißen Hundeschlitten aufgelesen und in den nächsten Ort gebracht. Dort habe das Phantom ihn oder sie in ein Wirtshaus o. Ä. getragen und bei dem Kamin auf einen Stuhl gesetzt. Nachdem es den Wirt darum gebeten habe, sich um die Person zu kümmern, soll es sich in Luft aufgelöst haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">The Phantom Trapper of Labrador soll fast ausschließlich in der Provinz Neufundland und Labrador in Kanada gesichtet werden, von wo die Legende stammt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den genauen Ursprung der Legende ist nicht viel bekannt. Es gibt aber einige Theorien darüber, wer der geisterhafte Fallensteller zu Lebzeiten gewesen sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wohl verbreitetste Version besagt, dass er einst ein krimineller Fallensteller mit dem Namen Esau Gillingham gewesen sei. Über Esau Gillinghams Leben gibt es wiederum verschiedene Versionen. Die zwei bekanntesten möchte ich euch hier kurz vorstellen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der unsympathische Fallensteller:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Version zufolge war Gillingham ein talentierter Fallensteller, der bei seinen Besuchen in den Städten und Dörfern die schönsten Felle mitbrachte, um sie den Bewohnern zu verkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war auch der einzige Grund, warum er in den Orten geduldet wurde. Gillingham soll nämlich ein ziemliches Arschloch gewesen sein. U. A. soll er hitzköpfig gewesen sein, keine Manieren gehabt und Frauen schlecht behandelt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er seine Felle verkauft und sein Geld in den Tavernen versoffen hat, wurde er deshalb kurz darauf wieder aus den Dörfern vertrieben.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Der erfolglose Fellhändler:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in dieser Version soll Gillingham sein Geld mit dem Verkauf von Fellen verdient haben. Er war dabei jedoch bei Weitem nicht so erfolgreich, weshalb er in Armut lebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages soll er jedoch genug Geld angespart haben, um sich davon eine eigene Destille kaufen zu können. Von dort an – so heißt es – habe er seinen eigenen Alkohol destilliert: Ein scheußliches Gebräu aus Kiefernzapfen, Zucker und Hefe, das unter dem Namen „Smoke“ bekannt geworden sei. Daher stamme auch sein Spitzname „Smoker“ bzw. „Ol&#8216; Smoker“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gillingham soll das billige Gesöff illegal an die Bewohner verkauft und so deutlich mehr Geld als mit seinen Fellen verdient haben. Dass der selbstgebraute Alkohol verdammt ungesund war und sogar bei einigen Leuten zu Wahnsinn oder Blindheit geführt haben soll, war Gillingham und seinen Kunden anscheinend egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann wurde Gillinghams Destille jedoch im Wald gefunden und – entweder von den Behörden oder einigen wütenden Anwohnern – zerstört. Gillingham landete daraufhin ein Jahr lang im Gefängnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Jahr im Knast hat Gillingham aber keinesfalls zu einem besseren Menschen gemacht. Als er wieder frei ist, besorgt er sich weiße Huskys, streicht seinen Schlitten weiß an und kleidet sich fortan nur noch in weiße Felle, um sich im Schnee zu tarnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch soll er seine Destille weiß gefärbt und ein weißes Fass voller Smoke an seinem Schlitten befestigt haben, um es unter die Leute zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Das Ende des Fallenstellers:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die genaue Todesursache von Gillingham ist unbekannt. Es gibt aber auch hier verschiedene Theorien, was geschehen sein könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal heißt es, der Ehemann einer der schlecht behandelten Frauen habe ihn erschossen. Manchmal sei er in einem Schneesturm umgekommen oder auf andere Weise ermordet worden. Und wieder andere Male sei er an seinem eigenen Alkohol verendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe auch davon gelesen, dass er in der Wildnis gestürzt sein soll, wobei er sich den Rücken brach und qualvoll gestorben sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie er auch gestorben ist, nach seinem Tod wurde ihm der Zugang zu Himmel und Hölle verwehrt. Er soll als Geist auf der Erde bleiben, um von nun an seine schlechten Taten wiedergutzumachen, indem er verirrten Menschen hilft und sie vor Schneestürmen warnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Alternativer Ursprung:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber auch Leute, die behaupten, die Legende von Ol&#8216; Smoker sei bereits vor Esau Gillinghams Tod entstanden. Zwar habe ich keine Hinweise auf einen tatsächlichen Verbrecher mit dem Namen finden können, der im 19. oder 20. Jahrhundert in Kanada gelebt haben soll, ihnen zufolge sei die Geistergeschichte aber erst nach Gillinghams Tod mit ihm in Verbindung gebracht worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte an dieser Stelle jedoch gestehen, dass mir gerade die Zeit für eine wirklich tiefgreifende Recherche zu diesen Behauptungen fehlt (zumal ich fast nichts dazu finden konnte). Sollte ich den Beitrag in Zukunft überarbeiten, werde ich aber versuchen, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Phantom Trapper of Labrador in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es zu Ol&#8216; Smoker viele Legenden gibt und er in Neufundland und Labrador sehr bekannt sein soll, habe ich nur wenige Auftritte des Geistes in der Popkultur gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es den Roman „White Eskimo: A Novel Of Labrador“ (Englisch für „Weißer Eskimo: Ein Roman über Labrador“, 1972), der zwar nicht von dem Geist direkt, dafür aber von einer fiktiven Version von Esau Gillingham handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es das Lied „The Labrador Trapper’s Ghost“ („Der Geist des Fallenstellers aus Labrador“) von der Singer Songwriterin Emily Stewart (<a href="https://mondaymorning3ammusicclub.bandcamp.com/track/the-labrador-trappers-ghost" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier der Link zum Lied</a> auf bandcamp.com), das die Legende nacherzählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von The Phantom Trapper of Labrador? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hättet ihr an Olivias Stelle reagiert? Hättet ihr versucht, zu fliehen oder den Fremden um Hilfe gebeten? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Mahaha – Er kitzelt dich zu Tode!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Feb 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ich bin von der Polizei. Bitte bleiben Sie stehen!“, rief ich. Die Waffe hielt ich stur zum Boden gerichtet, um die Person nicht zu verschrecken. „Ich habe einige Fragen an Sie!“<br />
Die Silhouette reagierte mit einem erneuten Lachen. Im nächsten Moment setzte sie zu einem Sprint an. Sie raste auf mich zu. Ihre Bewegungen wirkten dabei unnatürlich, fast wie die eines Tieres …</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/e8f8d69e4923441fab9b9b8ce407d739" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha ist die erste Legende der Inuit-Folklore, die ich auf meinem Blog behandle. Es handelt sich um ein menschenähnliches <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das seine Opfer angeblich zu Tode kitzeln soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr mehr Inuit-Legenden auf meinem Blog lesen wollt, könnt ihr mir gerne einen Kommentar schreiben. Es stehen auf jeden Fall noch einige auf meiner Liste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Blut</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hasse den Winter“, murmelte ich, während ich mich zurück ins Auto setzte. Ich pfefferte den Scheibenkratzer nach hinten in den Fußraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki, der auf dem Beifahrersitz saß, schmunzelte. „Soweit ich mich richtig erinnere, hast <em>du</em> um die Versetzung nach Nord-Kanada gebeten, Randy.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, schon“, erwiderte ich. Ich startete den Motor. „Aber eigentlich, um einen Mörder zu fangen. Nicht um zweimal am Tag mein Auto kratzen zu müssen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enokis Grinsen wurde breiter. Er war ein Inuit, oder ein Inuk, wie die Einzahl richtig lautet. Für ihn waren die Wetterbedingungen hier in seiner Heimatstadt völlig normal. „Ach was. Die letzten Tage war es doch gar nicht so kalt. Und mit der Zeit gewöhnst du dich daran“, versuchte er, mich aufzumuntern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte mich aber gar nicht daran gewöhnen. Ich seufzte schwer. Eigentlich sollte das hier ein schneller Einsatz werden. Ich sollte nach Nunavut kommen, der Polizei bei den Ermittlungen helfen und sofort wieder nach Hause fahren, sobald der Mörder geschnappt war. Das war jetzt etwas über einen Monat her. Und wir tappten noch immer völlig im Dunkeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fuck!“ Ich schlug auf das Lenkrad. „Wir haben schon fünf Tote und bei drei Tatorten hab ich selbst ermittelt. Ich war fast zehn Jahre bei der Spurensicherung, verdammt nochmal! Aber alles, was wir an Beweisen sicherstellen konnten, waren die Kratzspuren in den Opfern und ein paar Fotos von vermeintlich nackten Fußabdrücken!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fall war einer der seltsamsten und außergewöhnlichsten Fälle, in denen ich je ermitteln durfte. Die Opfer hatten scheinbar keine Gemeinsamkeiten. Es gab kein Muster, nach dem der oder die Täter sie auswählten. Wir wussten nur, dass sie alle am äußersten Stadtrand, in den unbewohntesten Gegenden gefunden wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch bei der Todesursache standen wir vor einem Rätsel. Zwar wiesen alle Opfer zerfetzte Oberteile mit blutigen Kratzern in ihren Bäuchen und ihren Seiten auf, aber daran waren sie nicht gestorben. Zwei von ihnen erlagen einem Herzinfarkt, während die anderen drei wohl erstickt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Seltsamste waren jedoch die Gesichter der Toten. Ich hatte es selbst gesehen. Ihre Münder waren allesamt zu einem schmerzerfüllten Grinsen verzerrt, was bei den Gerichtsmedizinern wiederum zu noch mehr Ratlosigkeit geführt hatte. Einer von ihnen hatte sogar die Theorie aufgestellt, dass es sich um Muskelkrämpfe aufgrund der Kälte handeln könne. Ungläubig schüttelte ich den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Randy?“, riss mich Enoki aus meinen Gedanken. Er räusperte sich. „Ich weiß, wie du darüber denkst, aber … meinst du nicht, dass an der Mahaha-Theorie doch etwas dran sein könnte?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich unterdrückte ein Augenrollen. Der Mahaha war ein Monster der Inuit-Mythologie. Der Legende nach kitzelte er seine Opfer zu Tode, was zumindest die Gesichter erklären würde. Und zugegeben: Auch die Wunden ließen sich mit seinen langen Fingernägeln begründen. Aber bei dem Mahaha handelte es sich um ein menschenähnliches Monster, das seit Jahrhunderten durch die eisige Kälte ziehen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch, ehe ich antwortete. „Ich möchte dir auf keinen Fall zu nahetreten. Aber denkst du nicht, dass, wenn es so etwas wie Geister oder Monster wirklich gäbe, egal in welcher Kultur, man dafür inzwischen irgendwo auf der Welt einen Beweis hätte finden müssen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine Zeugin gewesen, eine alte Frau namens Simone Nanuq, die Enoki auf das Vorgehen des Mahaha hingewiesen hatte. Seitdem hatte Enoki sich daran festgebissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Andererseits“, fuhr ich fort, „halte ich es weiterhin für denkbar, dass ein Mensch die Vorgehensweise des Mahaha nachahmt. Kennst du wirklich keinen Inuk oder jemand anderen, der sich mit eurer Kultur gut auskennt, der ein auch noch so kleines Motiv dafür hätte? Irgendwelche noch so kleinen Auffälligkeiten?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Enoki schüttelte entschieden den Kopf. „Randy, bei uns gibt es keine Serienmörder. Sowas gibt es vielleicht bei euch in Toronto. Wahnsinnige, die ihre kranken Fantasien ausleben. Aber das hier ist eine Kleinstadt. Das Spannendste, was hier passiert, ist für gewöhnlich ein Nachbarschaftsstreit oder vielleicht mal ein Einbruch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch die letzten Male, als ich es angesprochen hatte, traf ich auf eine Mauer. Enoki war felsenfest davon überzeugt, dass, wenn es nicht der mythische Mahaha war, der die Morde beging, es jemand von außerhalb sein musste – eine Einstellung, die das restliche Präsidium mit ihm teilte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise hätte ich jetzt zu einer Diskussion angesetzt, ihm erneut erklärt, dass man es den meisten Tätern im Alltag nicht ansah, dass sie Mörder waren, erklärt wie gering die Wahrscheinlichkeit war, dass ein Tourist in einer fremden Stadt eine Mordserie über vier ganze Wochen hinweg beging. Aber zum Glück musste ich das heute nicht. Wir hatten Enokis Haus erreicht. Ich hielt den Wagen an der Straße vor seinem Grundstück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki schnallte sich ab. Er wartete, bis das Auto stand, ehe er nach dem Türöffner griff. „Danke für’s Fahren“, sagte er. „Komm gut nach Hause.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kein Ding. Ich will aber noch schnell zum letzten Tatort. Vielleicht kann ich ja doch noch was finden, was wir bisher übersehen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki hielt mitten beim Aussteigen inne. „Jetzt? Aber es wird gleich dunkel. Soll ich mitkommen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte. „Ach was. Deine Frau wartet auf dich. Außerdem ist es noch hell und ich bin bewaffnet. Sollte ich irgendetwas finden, sag ich dir natürlich sofort Bescheid!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enoki wirkte nicht sehr glücklich mit meiner Antwort, gab aber keine Widerworte. „Na gut. Aber meld dich bitte, wenn du zuhause bist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, Mama“, sagte ich grinsend. Ich zwinkerte ihm zu, ehe er die Autotür schloss. Anschließend fuhr ich los. Im Rückspiegel sah ich ihn noch winken, bis er aus meinem Sichtfeld verschwunden war. Dann war ich wieder allein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, welche Art von Menschen ihr seid, aber für einen Stadtmenschen wie mich war die Stille bedrückend. Abgesehen von meinem Motor hörte ich jetzt kein einziges Geräusch mehr, während ich durch die verlassenen Straßen fuhr. In Toronto war immer irgendetwas los gewesen. Ich vermisste den Stadtlärm, der mir zeigte, dass ich nicht völlig allein war in dieser gottverdammten Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war auch das der Grund, warum ich angeboten hatte, Enoki nach Hause zu fahren. Nicht nur, dass ich meinen neuen Polizeipartner so besser kennenlernen konnte, ich hatte außerdem noch ein paar Minuten mehr, in denen ich nicht allein sein musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaltete das Radio ein, drehte es ein kleines Stück lauter als gewöhnlich, während ich dem letzten bisschen Sonne entgegenfuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald hatte ich das letzte Haus passiert, das noch zur Stadt gehörte. Aber zum Glück musste ich nicht mehr allzu weit über die stetig schlechter werdenden Straßen fahren. Noch ehe ich das Lied zu Ende gehört hatte, bog ich nach links auf einen zugeschneiten Parkplatz ab, auf dem noch immer das Absperrband der Polizei flatterte. Direkt davor hielt ich an.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wenigen Bäume um mich herum warfen lange Schatten über den Boden. Mit einem leisen Fluchen warf ich einen Blick zur Sonne, von der ich nur noch einen letzten Streifen am Horizont sehen konnte. Sobald sie untergegangen war, würde es rasch dunkel werden. Ich musste mich also beeilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eilig stapfte ich durch den knirschenden Schnee. Ich bückte mich unter dem Absperrband hindurch und ging an die Stelle, wo noch bis vor kurzem das Auto unseres letzten Opfers gestanden hatte. Knapp davor hatten wir seine Leiche gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Gedanken ging ich den Tathergang noch einmal durch: Das Opfer – ich vermied es generell, Mordopfer beim Namen zu nennen – war genau wie ich von der Straße auf den Parkplatz abgebogen. Vielleicht wollte er eine Pause machen, vielleicht musste er auch nur austreten. Wir hatten seine Fußabdrücke jedenfalls zu einem der nahestehenden Bäume verfolgen können. Dort hatten wir auch Spuren von Urin im Schnee gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Erleichtern musste ihn der Täter jedoch unterbrochen haben. Das Opfer war noch mit geöffnetem Gürtel zurück zum Auto gerannt. Auf halber Strecke hatte ihn der Täter erreicht, der den Abdrücken zu Folge Barfuß von der Seite angerannt gekommen war. Es gab einen kurzen Kampf, wie der aufgewühlte Schnee gezeigt hatte. Dabei musste der Täter die Jacke und den Pullover des Opfers zerschnitten haben, was auch zu den blutigen Kratzern im Bauch geführt hatte. Kurz darauf war das Opfer erstickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist hier nur passiert?“, murmelte ich zu mir selbst. Mir fehlten die Zusammenhänge. Ich konnte mir einfach keinen Reim darauf machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann waren da noch die Fußabdrücke des Täters. Sie führten direkt in die Wildnis, weg von der Straße. Das war auch der Grund, warum wir sie nicht sonderlich weit verfolgen konnten. Irgendwo am Ufer des inzwischen wieder vollständig gefrorenen Flusses hatten wir die Spur verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ den Blick über den Parkplatz schweifen, folgte dann den imaginären Spuren des Täters mit meinen Augen bis zum Fluss. Warum war er nicht von der Straße gekommen? Hatte er sein Auto weiter weg geparkt? Oder hatte er vielleicht ein anderes Fortbewegungsmittel? Ein Schneemobil zum Beispiel? Das würde zumindest den Kreis der Täter einschränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich den Gedanken weiterspinnen wollte, erregte jedoch ein kurzes Geräusch in der Ferne meine Aufmerksamkeit. Es war eine Art Lachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich drehte den Kopf, um es wieder einzufangen, schob sogar die Mütze von meinen Ohren, aber nichts. Jetzt hörte ich nur noch den Wind, der über den Parkplatz säuselte. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich mich wieder dem Tatort widmen wollte, erklang das Lachen erneut. Es war aber kein helles Lachen. Vielmehr klang es wahnsinnig, völlig ohne Freude darin. Jetzt hörte es gar nicht mehr auf. Und es kam eindeutig näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort musste ich an den Mahaha denken. Wie war das noch? Hatte Enoki nicht gesagt, dass man ihn oft an seinem Gelächter erkennt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Instinktiv wanderte meine Hand zu meiner Waffe. Ich löste die Schnalle, die sie im Holster hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann erkannte ich neben dem wahnsinnigen Lachen noch ein weiteres Geräusch im Wind: das Rattern eines Schneemobils. Ein freudloses Lächeln umspielte meine Lippen. Dachte ich es mir doch. Wenn das da draußen tatsächlich der Täter war, ahmte er den Mahaha bloß nach. Wahrscheinlich waren auch die Fußabdrücke nichts weiter als speziell angefertigte Schuhe gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit gezogener Waffe schlich ich in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Im Halbdunkel erkannte ich eine Bewegung. Sie war jedoch viel näher, als ich erwartet hatte. Eine Gestalt stand vielleicht dreißig Meter vom Parkplatz entfernt. Sie war dünn, hatte helle Haut und strähnige Haare, durch die mich fast weiße Augen anblitzten. Von dem Schneemobil hingegen, das ich immer noch hören konnte, fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin von der Polizei. Bitte bleiben Sie stehen!“, rief ich. Die Waffe hielt ich stur zum Boden gerichtet, um die Person nicht zu verschrecken. „Ich habe einige Fragen an Sie!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Silhouette reagierte mit einem erneuten Lachen. Im nächsten Moment setzte sie zu einem Sprint an. Sie raste auf mich zu. Ihre Bewegungen wirkten dabei unnatürlich, fast wie die eines Tieres.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Anblick jagte einen Schauer durch meinen Körper. Aber zum Glück war ich für solche Situationen trainiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort riss ich meine Waffe hoch. Der erste Schuss ging in den Boden, sollte zur Abschreckung dienen. Ohne Gehörschutz war der Knall so laut, dass meine Ohren klingelten. Aber das Wesen zögerte nicht einmal in seiner Bewegung. Also feuerte ich den zweiten Schuss auf seine Brust ab. Das Wesen zeigte sich jedoch völlig unbeeindruckt. Er zuckte nicht einmal. Hatte ich verfehlt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hatte ich keine Möglichkeit mehr, es noch einmal zu versuchen. Das Ding hatte mich erreicht. Ehe ich den Abzug erneut betätigen konnte, wurde ich bereits zu Boden gerissen. Schmerzhaft prallte ich in den Schnee, spürte, wie mir die Waffe aus der Hand glitt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha – denn ich war mir jetzt sicher, dass er es tatsächlich war – stand über mir. Er trug nichts außer einer zerschlissenen Hose aus Fell. Seine Haut hatte einen blassblauen Ton. Sein Körper wirkte abgemagert, aber gleichzeitig unglaublich kräftig und muskulös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am furchteinflößendsten war hingegen sein Gesicht. Sein Mund war zu einem schadenfrohen Grinsen verzerrt, das spitzzulaufende Zähne entblößte. Außerdem waren da seine weißen Augen, die in der Dämmerung fast zu leuchten schienen. Es war, als bohrte sein Blick sich direkt in mein Fleisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich stieß er ein erneutes Gelächter aus. Es war so schrill, dass ich mir am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Dazu hatte ich jedoch keine Möglichkeit mehr. Der Mahaha stürzte sich bereits auf mich, während er weiter lachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er schlug meine schützenden Arme mit solcher Leichtigkeit zur Seite, als wäre ich ein Kind. Im nächsten Moment schlitzte er mit seinen erstaunlich scharfen Fingernägeln bereits meine Daunenjacke auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Panisch versuchte ich, seine Handgelenke zu packen, ihn festzuhalten, aber es kümmerte ihn gar nicht. Er war so viel stärker als ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begann er auch schon, nach meinem freigelegten Bauch zu greifen. Sein Grinsen hing direkt über mir, während er anfing, mich zu kitzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit aller Kraft versuchte ich, mich dagegen zu wehren. Aber seine eiskalten Finger tanzten mit solch einem Geschick über meine Haut, dass ich schnell merkte, wie mein Körper zu beben begann. Ich konnte nichts dagegen tun. Mit angespannten Bauchmuskeln brach ein freudloses Lachen aus meiner Kehle hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wand und wälzte mich, versuchte, ihm zu entkommen, doch der Mahaha hatte mich fest im Griff. Ich kam mir vor wie ein Spielzeug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig spürte ich immer wieder, wie seine Klauen mir ins Fleisch schnitten. Aber ich konnte nichts tun als Lachen. Ich bekam keine Luft mehr, hatte keinerlei Kraft in den Armen, um mich zu wehren. Und die ganze Zeit sah ich dabei nur dieses schrecklich grinsende Gesicht über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen stiegen mir in die Augen. Mein ganzer Körper schrie nach Sauerstoff, doch während des Lachens hatte ich keine Möglichkeit, einzuatmen. Das war es also, was den anderen Opfern widerfahren war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich wurde mir die Kälte des Schnees unter mir schmerzlich bewusst. Ich lag ganz allein hier draußen, fernab jeglicher Zivilisation. Ich würde einsam sterben, mit keiner Begleitung außer dieses noch immer lachenden Monsters über mir. Das letzte, was ich sehen würde, war sein widerwärtiges Grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aus dem Nichts ertönte in genau dem Moment ein Donnern. Der Mahaha ließ von mir ab, wurde zur Seite gerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rang nach Luft, während ich mich schnell aufrichtete, um mich nach dem Mahaha umzusehen. Er hockte keinen halben Meter neben mir im Schnee. Sein Lachen war zu einem leisen Kichern geworden. Es klang irgendwie wehmütig. Auch konnte ich jetzt rote Flecken auf seiner blauen Haut erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schnell. Steigen Sie auf!“, rief eine Stimme hinter mir. Simone Nanuq saß auf einem Schneemobil, dessen ratterndes Geräusch ich erst jetzt bemerkte. Im Anschlag hatte sie eine Schrotflinte, die sie noch immer auf den Mahaha gerichtet hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Nanuq!“, rief ich überrascht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, ich bin es, Officer Johnson. Enoki hat mich angerufen“, erwiderte sie hastig. „Und jetzt steigen Sie endlich auf! Ich hatte nur einen Schuss!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ließ ich mir kein drittes Mal sagen. So schnell ich konnte, rappelte ich mich auf. Mein blutender Bauch schmerzte bei jeder Bewegung, aber mein Adrenalin und die Angst trieben mich voran. Ich rannte zu Frau Nanuq und schwang mich hinter ihr aufs Schneemobil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wiederum schien dem Mahaha zu missfallen. Ich sah bereits, wie er wieder auf die Beine kam, um die Verfolgung aufzunehmen. Die Schussverletzung schien ihn nicht sonderlich zu behindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment stürmte er auch schon auf uns zu. Diesmal auf allen vieren. Zum Glück reagierte Frau Nanuq mindestens genauso schnell. Ich konnte mich gerade noch an der viel zu niedrigen Rückenlehne meines Sitzes festhalten, da jaulte der Motor des Schneemobils auch schon auf. Rasch setzten wir uns in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Nanuq steuerte aber nicht die Straße an. Sie fuhr nicht zurück in die Stadt, wie ich gedacht hätte. Stattdessen bewegten wir uns direkt auf den zugefrorenen Fluss zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machen Sie denn?“, brüllte ich. „Das Eis ist niemals dick genug, um das Schneemobil zu tragen! Es war die letzten Tage viel zu warm!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinnerte mich noch gut daran, dass der Fluss nicht einmal vollständig gefroren war, als das Opfer entdeckt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Frau Nanuq konnte mich entweder nicht hören oder sie ignorierte mich. Ein Blick nach hinten verriet mir jedoch, dass es so oder so egal gewesen wäre. Der Mahaha war näher, als ich befürchtet hatte. Wenn wir jetzt abbogen, würde er uns wahrscheinlich einholen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Panik in mir kochte über. Mein Herz schlug mir bis in die Brust. Ich musste mich mit aller Kraft davon abhalten, meinen Instinkten zu folgen und einfach vom Schneemobil zu springen. Dann hatten wir den Fluss erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Meter glitten wir noch problemlos über das Eis. Hier am Rand war es definitiv dick genug. Dann ertönte jedoch ein lautes Knacken, das ich sogar über den Motor hinweg hören konnte. Eisiges Wasser spritzte auf, wurde von der Raupe des Schneemobils hochgewirbelt. Schmerz zuckte durch meinen Bauch, als die Spritzer meine Wunden trafen, aber ich traute mich nicht, die Rückenlehne loszulassen, um den Arm vor die freie Haut zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach ging alles sehr schnell. Es kam mir vor, als würde mein Herz stehenbleiben, während ich darauf wartete, dass das Schneemobil unterging. Doch das tat es nicht. Das Eis brach und splitterte, aber die Kufe des Fahrzeugs schafften es irgendwie, uns auf der Oberfläche zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein nächster Blick galt dem Mahaha. Er war noch immer hinter uns, musste einen Umweg um das gebrochene Eis herum nehmen. Dann plötzlich sackte sein Bein weg. Das dünne Eis brach unter ihm, riss ihn in die Tiefe. Ich sah, wie er panisch versuchte, sich an dem Eis festzuhalten, sich aus dem Wasser zu ziehen. Aber er brach wieder ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er langte um sich, versuchte, neuen Halt zu finden, aber die Strömung unter der Eisoberfläche musste unglaublich stark sein. In einem Moment war er noch da, unsere Blicke trafen sich, sein Grinsen wirkte jetzt voller Verzweiflung, dann wurde sein Kopf Unterwasser gerissen und das Monster war verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatten wir wieder festes Eis unter dem Schneemobil. Frau Nanuq fuhr aber noch weiter, bis wir das andere Ufer erreichten. Erst dann blieben wir stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam betrachteten wir den Fluss. Im Halbdunkel wirkte die Landschaft jetzt wieder völlig friedlich. Lediglich das Loch im Eis wies darauf hin, dass hier überhaupt etwas geschehen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mistvieh!“, stieß Frau Nanuq neben mir plötzlich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musterte sie einen Moment. Diese kleine Frau mit den langen grauen Haaren, die ich bis vorhin noch für eine Verrückte gehalten hatte, hatte mir das Leben gerettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Nanuq. Ich … Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht geglaubt habe. Wie kann ich das je wieder gutmachen?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie winkte ab. „Bitte. Nenn mich Simone“, sagte sie. Sie lächelte mich aufmunternd an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Randy“, stellte auch ich meinen Vornamen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Randy, was hast du jetzt vor?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah noch einmal zum Fluss. Dann fasste ich mir an den inzwischen blutverschmierten Bauch. „Zuerst muss ich meine Wunden versorgen. Und danach muss ich mich bei Enoki entschuldigen. Es tut mir wirklich leid, dass ich euch beiden nicht geglaubt habe.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha ist ein Monster der Inuit-Mythologie. Er ist dafür bekannt, seine Opfer im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode zu kitzeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Legenden der Inuit zufolge hat der Mahaha ein menschenähnliches Äußeres mit blasser bis bläulicher Hautfarbe. Sein Körper ist sehr dünn und sehnig, unter seiner Haut sollen sich aber kräftige Muskeln spannen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll er lange scharfe Fingernägel an seinen langen knochigen Fingern haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Augen werden oft als weiß oder blau beschrieben. In einigen Quellen habe ich gelesen, dass er keine Iris habe, in anderen war lediglich von stechenden bis leuchtenden Augen die Rede, die durch sein langes Haar scheinen, das ihm strähnig ins Gesicht hängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was seine Kleidung angeht, sind die Beschreibungen eher schwammig, was aber vor allem daran liegen könnte, dass er nur wenig bis gar keine Kleidung tragen soll. Auf den Bildern hingegen wird er meist mit einer kurzen oder an den Oberschenkeln abgerissenen Hose dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am markantesten dürfte hingegen sein durchgehendes boshaftes Grinsen mit seinen vielen spitzen Zähnen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mahaha wird oft als eine Art arktischer Dämon beschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er lauert nachts in der Dunkelheit, meist in der Wildnis knapp außerhalb von Gemeinschaften, und gibt sich nur durch sein durchgehendes Kichern und Lachen zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trifft er auf einen Menschen, der in der Wildnis unterwegs ist, greift er ihn an und kitzelt ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode. Dafür zerreißt er ihre Kleidung mit seinen scharfen Fingernägeln. Auch soll er ihm beim Kitzeln blutige Schrammen zufügen. Die Leichen bleiben daraufhin mit einem zu einem schmerzerfüllten Lachen verzerrten Gesicht zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem wird ihm nachgesagt, dass er übernatürlich stark sei und sehr schnell laufen könne. Dem Buch „Mahahaa“ (2023) zufolge läuft er dabei manchmal auf allen vieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt jedoch auch Möglichkeiten, wie man einen Mahaha austricksen kann. So habe ich diverse Geschichten gelesen, in denen die Protagonisten den Mahaha dazu gebracht haben, sich über ein Wasserloch im Eis zu beugen. Z. B. haben sie ihn dazu gebracht, etwas von dem Wasser trinken zu wollen, woraufhin sie ihn in das Loch gestoßen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Geschichten haben sie ihn auf dünnes Eis gelockt oder mit Gewalt zu dem Loch befördert. Fast alle Geschichten endeten damit, dass der Mahaha von der starken Strömung fortgerissen wurde und ertrunken ist oder zumindest in dem Gewässer eingesperrt wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da es sich um eine Legende der Inuit handelt, kommt der Mahaha hauptsächlich in der nordkanadischen Arktis vor. Dort soll er sich in den Randgebieten um die Gemeinden der Inuit, bzw. in moderneren Erzählungen auch um die Gemeinden der nicht-Inuit herum, aufhalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Ursprung des Mahaha ist nicht bekannt, da seine Geschichten über viele Generationen hinweg ausschließlich mündlich weitergegeben wurden. Man weiß nur, dass die Legende von den Inuit stammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe aber gelesen, dass es bei Leichen von Leuten, die erfroren sind, manchmal zu einer Art Grinsen oder Lächeln kommen kann, das aufgrund der Kontraktion der Gesichtsmuskeln bei extremer Kälte entsteht. Ob diese Behauptung stimmt, konnte ich zwar nicht herausfinden, aber es gibt die Theorie, dass einige Inuit erfrorene Leichen mit diesem verzerrten „Grinsen“ gefunden haben und daraus die <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> entstanden sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem dient die Legende als Kinderschreck, damit die Kinder sich nicht zu spät und vor allem nicht allein außerhalb der Gemeinden herumtreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mahaha in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt ein Buch über den Mahaha, das denselben Namen trägt: „Mahahaa“ (2023) von Jeela Palluq-Cloutier und Neil Christopher ist ein zweisprachiger Roman (Englisch und Inuktitut), der das Monster behandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann das Buch jedoch nur Folklore/Mythologie-Nerds und Leuten, die Interesse haben, Inuktitut zu lernen, empfehlen, da es für den wenigen Inhalt (40 Seiten mit sehr wenig Text, dafür aber vielen Illustrationen) leider doch recht teuer ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von dem Mahaha? Kanntet ihr die Legende bereits? Oder kennt ihr vielleicht andere Inuit-Legenden? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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