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	<title>britische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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	<title>britische Legende Archive - Geister und Legenden</title>
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		<title>The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/the-hairy-hands-of-dartmoor">The Hairy Hands of Dartmoor – Sie sind in deinem Auto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor ist eine Legende aus England. Sie handelt von einem Phänomen, das bereits zu diversen Auto- und Motorradunfällen auf der B3212 geführt haben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als wir durch Dartmoor fuhren. Mein Mann Samuel war früher oft hier gewesen. Er hatte in der Nähe in einer Autowerkstatt gearbeitet. Für mich hingegen war es mein erster Besuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beifahrerfenster war halb heruntergelassen. Ich hielt mein Gesicht in den Fahrtwind. Gleichzeitig beobachtete ich einige Schafe, die auf den grünen Wiesen herumtollten, sich in die Schatten der wenigen Bäume drängten oder genüsslich am Grasen waren. Es war ein wirklich schöner Sommertag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war aber nicht der Grund, warum wir hier waren. Zumindest war es nicht der Grund, warum Samuel hier war. Er wollte mir oder vielleicht auch sich selbst etwas beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor er damals aus der Gegend weggezogen war, hatte er einen Autounfall gehabt. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen – ihm war nichts passiert und die Versicherung sprang für den größten Schaden ein –, hätte es sich nicht um das Auto eines Kunden gehandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie eine Autowerkstatt darauf reagiert, wenn ein Angestellter bei einer Testfahrt ein Kundenauto zu Schrott fährt. Und wenn besagter Angestellter dann auch noch behauptet, es sei ein paranormales Phänomen gewesen, das ihn von der Straße gedrängt habe …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Läuft die Kamera, Katie?“, fragte Samuel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Dann drehte ich mich zum Rücksitz, um die Kamera einzuschalten. Wir hatten sie so angebracht, dass sowohl mein Mann als auch das Lenkrad gut auf dem Bild zu sehen waren. Gerade das Lenkrad war Samuel sehr wichtig gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kamera läuft“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was darauf folgte, waren die wohl langweiligsten Stunden meines Lebens. Am Anfang genoss ich es noch, beobachtete weiter die Felder, sah dem Himmel dabei zu, wie er sich langsam rot färbte und dann allmählich dunkel wurde. Aber wenn man mehrere Stunden dieselben 4 Meilen auf der B3212 zwischen Postbridge und Two Bridges hin und her und hin und her und hin und her fuhr, wurde selbst die schönste Natur irgendwann langweilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch unser Gesprächsstoff war uns schon lange ausgegangen, weshalb wir nur noch schweigend nebeneinandersaßen und um die Wette gähnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sollten wir langsam in den Gasthof fahren“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Samuel blieb stur. „Bitte, Katie, nur noch ein paar Mal. Irgendwann müssen diese verdammten Hände doch auftauchen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oh. Stimmt. Das hatte ich ja noch gar nicht erzählt. Der Grund, warum mein Mann hier war. Es geht um die sogenannten Hairy Hands of Dartmoor. Sie sollen auf der B3212, auf der wir nun schon seit Stunden auf und abfuhren, ihr Unwesen treiben. Dabei handelt es sich um zwei geisterhafte Hände, die angeblich plötzlich an den Lenkrädern von Autos oder den Lenkstangen von Motorrädern auftauchen, die die B3212 entlangfuhren. Sie kämpften mit den Fahrzeugführenden um die Kontrolle über den Lenker, bis das Fahrzeug in den meisten Fällen verunglückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch das Gesicht von Samuels Chef also sicher vorstellen, als er das als „Ausrede“ für seinen Unfall nannte. Und auch mein Gesicht war wohl nicht besser gewesen. Aber Samuel beharrte seit dem Vorfall darauf, dass er die Wahrheit gesagt habe.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schafe waren inzwischen in ihre Nachtruhe übergegangen. Sie schreckten nicht einmal auf, wenn wir mit dem Auto direkt an ihnen vorbeifuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss schon sagen, dass die Straße sehr eng war. Und auch die zahlreichen Hügel, wie der, den wir gerade hinauffuhren, schränkten deutlich die Sicht ein. Bis man an der Spitze war, hatte man keinerlei Einblicke auf eventuelle Hindernisse oder den Gegenverkehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders hinterlistig war die Stelle, der wir uns jetzt näherten. Direkt hinter dem Hügel war eine scharfe Linkskurve, die auf eine einspurige Brücke führte. Wenn man hier nicht aufpasste, konnte das sicher schnell zu einem Unfall führen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn man die Gegend kannte, aufmerksam blieb und sich an die 40 Meilen pro Stunde – etwa 64 km/h –, hielt, war die Strecke eigentlich unbedenklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Moment achtete ich aber gar nicht mehr auf die Straße. Ich hatte meinen Kopf an die Scheibe gelehnt und betrachtete gelangweilt den Sternenhimmel, den ich vorhin noch als atemberaubend bezeichnet hatte. Aber auch ihm wurde ich inzwischen überdrüssig. Gerade würde ich auf jeden Fall nichts lieber tun, als mir die Beine zu vertreten, ehe ich mich mit einer Tasse Tee oder vielleicht einem kalten Bier in irgendein gemütliches Etablissement setzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum passiert denn nichts?“, schimpfte Samuel leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das</em> fragte ich mich allerdings auch. Wieso gab er es nicht endlich auf?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann plötzlich schnallte Samuel sich bei voller Fahrt ab. Er rollte das Fenster runter. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände!“, schrie er in die Dunkelheit. „Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu allem Überdruss trat er auch noch das Gaspedal voll durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wurde nach hinten in den Sitz gedrückt. „Samuel! Fahr langsamer!“, schrie ich ihn an, während ich mich mit der linken Hand an der Autotür und der rechten im Sitz festkrallte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber mein Mann dachte gar nicht daran. Er donnerte mit über 150 Sachen über den Asphalt. Bei einigen Hügeln kam es mir sogar so vor, als würden die Reifen den Boden verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte Todesangst. Und auch ein Auto, das uns entgegenkam, fuhr fast in den Graben. Es war wie wild am Hupen, während wir daran vorbeirasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei jedem Hügel und jeder kleinsten Kurve sah ich mein Leben an mir vorbeiziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück dauern 4 Meilen mit 150 km/h nicht sonderlich lange. Nach etwa zwei Minuten purem Adrenalinrausch wurde Samuel endlich langsamer. An der gewohnten Stelle setzte er zum Wenden an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Halt an!“, kreischte ich jetzt. „Halt sofort den Wagen an!“ Ich klammerte mich noch immer im Auto fest. Mein Herz raste. Meine Atmung ging so stoßweise, dass ich Angst hatte, nicht genug Sauerstoff zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück hörte Samuel diesmal auf mich. Noch bevor er den Wagen ganz gehalten hatte, schnallte ich mich ab, öffnete die Autotür und stieg mit zittrigen Knien aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machst du?“, fragte Samuel laut. „Katie, wo willst du hin?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich geh zurück zum Hotel!“, schrie ich ihn an. „Aber zuerst brauch ich ein kaltes Bier, um meine Nerven zu beruhigen!“ Mit noch immer zittrigen Beinen stapfte ich am Wegesrand entlang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samuel holte mich ein. Er fuhr in Schrittgeschwindigkeit neben mir her. „Katie, es tut mir leid“, entschuldigte er sich. „Bitte. Steig wieder ein. Wir fahren zusammen zurück zum Hotel. In einer normalen Geschwindigkeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur zögerlich stieg ich zurück in sein Auto. Aber tatsächlich hielt er sich daran. Es dauerte nicht lange, bis wir mit je einem kühlen Bier im Barbereich unseres Hotels saßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was hast du dir dabei eigentlich erhofft?“, fragte ich. „Wie ein Wahnsinniger über die Straße zu brettern. Selbst, wenn wir mal annehmen, dass die Hände echt wären …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie sind echt!“, unterbrach er mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut. Selbst, wenn die Hände echt sind, was hättest du dann getan, wenn sie dir ins Lenkrad gegriffen hätten? Den Unfall hätten wir beide nicht überlebt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin wurde Samuel sehr still. „Tut mir leid“, sagte er leise. „Ich hab nicht nachgedacht.“ Er nahm einen großen Schluck von seinem Bier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber während unsere Stimmung am Anfang noch angespannt war, wurden wir mit steigendem Alkoholpegel immer lockerer. Wir waren nicht wirklich betrunken, aber das Bier half uns, zumindest etwas besser drauf zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hättest damals dabei sein müssen!“, erklärte er. „Ich hab mega Schiss gehabt, als da plötzlich diese Hände an dem Lenkrad waren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste allerdings noch immer nicht, ob ich ihm glauben sollte. Normalerweise schwieg ich darüber, aber heute machte mich das Bier etwas leichtsinniger. „Und das hatte sicher nichts damit zu tun, dass du eine Testfahrt in einem Sportwagen machen solltest und etwas schnell gefahren bist?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was willst du damit sagen?“ Samuel sah fast wütend aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na ja … wäre es nicht vielleicht … ganz eventuell … theoretisch möglich, dass du dich geirrt hast?“, fragte ich. „Vielleicht war es auch ein Sekundenschlaf. Kann man dabei träumen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Samuel wollte davon nichts hören. „Sag mal, spinnst du jetzt?“, fuhr er mich an. „Bisher konnte ich mich wenigstens immer auf dich verlassen. Auf meine eigene Frau. Wieso fällst du mir jetzt in den Rücken?“ Wütend sprang er auf und ging Richtung Ausgang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Baby! So war das nicht gemein!“, rief ich ihm nach. „Warte doch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber er wurde nicht einmal langsamer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch kramte ich einige Scheine aus meinem Portemonnaie und drückte sie dem verdutzten Mann an der Bar in die Hand. Dass ich dabei ein etwas zu großzügiges Trinkgeld gab, war mir im Moment egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rannte ich Samuel nach. Er war aber nicht auf dem Weg in unser Zimmer, wie ich erst gedacht hatte, sondern ging nach draußen zu den Parkplätzen. Er wird doch nicht …?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprintete ihm hinterher nach draußen. Tatsache: Samuel saß wieder am Steuer seines Autos. Der Motor lief bereits.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Samuel, Stopp!“, schrie ich ihn an. „Du bist betrunken! So darfst du nicht fahren!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut. Betrunken war vielleicht das falsche Wort. Aber er war auf alle Fälle angetrunken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch entweder hörte mein Mann mich nicht, oder er wollte mich nicht hören. Er warf mir bloß einen fast schon genervten Blick zu, ehe er mit quietschenden Reifen zurück Richtung B3212 losraste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass ich Samuel lebend gesehen hatte. Wir waren in einem Streit auseinandergegangen. Innerhalb der nächsten Minuten baute er einen tödlichen Unfall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht, woran es lag. Daran, dass er aufgebracht Auto fuhr, oder am Alkohol. Vielleicht sogar eine Mischung aus beidem. Ich gab mir die Schuld. Und es sollte noch viele Jahre dauern, bis ich mir verzeihen konnte. Warum hatte ich damals nicht einfach die Klappe gehalten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war zumindest, bis ich mir die Aufnahmen von jenem Abend noch einmal ansah. Es war ein sentimentaler Moment. Ich wollte meinen Ehemann wiedersehen. Also sichtete ich diverse Stunden Filmmaterial und unzählige SD-Karten, die ich je während der Fahrt ausgetauscht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tränen rannen mir über die Wangen, als ich den Moment noch einmal erleben musste, als Samuel die Beherrschung verlor. „Nun zeigt euch endlich, ihr scheiß Hände! Damals habt ihr eure dreckigen Griffel doch auch nicht von meinem Lenkrad lassen können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ließ die folgenden Minuten im Schnelldurchlauf über den Monitor laufen, wollte nicht noch einmal sehen, wie wir uns stritten, ehe er uns zur Kneipe fuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich gerade dachte, die Aufnahme sei zu Ende, folgte völlig unerwartet ein weiteres Bild. Es zeigte Samuel, der die Kamera einschaltete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammtes Drecksding, geh an!“, grummelte er. Er klang angetrunken. „Geht doch.“ Dann wandte er sich wieder der Straße zu. Ohne sich anzuschnallen – diesmal hatte er es wahrscheinlich wirklich vergessen – fuhr er los. Es folgte die vertraute Strecke, die ich heute bereits unzählige Male gesehen hatte. Obwohl … Bei der Dunkelheit sah ich die Straße kaum. Es gab dort keine Straßenlaternen, weshalb das einzige Licht Samuels Scheinwerfer waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Auto fuhr viel zu schnell. Irgendwann geriet Samuel von der Straße ab. Kurz darauf überschlug sich das Auto mehrere Male. Die Kamera löste sich aus der Halterung und die Aufnahme brach ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte jetzt jedoch mit gerunzelter Stirn auf den Bildschirm, hatte nicht einmal weggesehen, als mein Mann den tödlichen Unfall baute. War da gerade …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell spulte ich zurück bis kurz vor dem Unfall. Ich drückte auf Play. Diesmal pausierte ich aber, kurz bevor Samuel von der Straße abkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungläubig starrte ich das Standbild an. Dort, direkt neben Samuels eigener, befand sich eine zweite linke Hand am Lenkrad. Sie hatte keinen Arm, an dem sie befestigt war. Außerdem war sie unglaublich haarig.</p>


<p><b>Bleibt auf dem neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor (Englisch für „Die Haarigen Hände von Dartmoor“), manchmal auch „The Hairy Hands of Devon“ oder nur „Hairy Hands“ genannt, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legende</a> aus Dartmoor, einem Nationalpark in Devon, England.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende zufolge soll, besonders im 20. Jahrhundert, ein Paar haarige körperlose Hände zu mehreren Auto- und Motorradunfällen in der Gegend geführt haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt zwei Arten von Begegnungen mit den Hairy Hands of Dartmoor. Bei der einen sind die Hände unsichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind die Hairy Hands hingegen sichtbar, so soll es sich laut Augenzeugen um eine oder zwei große haarige Hände handeln, die körperlos an dem Lenker, Lenkrad oder der Scheibe erscheinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Normalfall werden sie als menschlich oder menschenähnlich beschrieben, ich habe aber auch einen Augenzeugenbericht gelesen, in dem es hieß, dass sich zwei haarige Pfoten um den Lenker gelegt hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Hairy Hands of Dartmoor entstanden sein sollen, unterscheidet sich je nach Version der Legende. Bei meiner Recherche habe ich drei Versionen gefunden, die wohl sehr geläufig sein sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Version sollen die Hairy Hands selbst der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> eines Verunglückten sein, der auf derselben Straße, wo sie erscheinen, gestorben sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der zweiten Version handele es sich bei ihnen um den Geist eines (meist geisteskranken) Häftlings, der im nahegelegenen His Majesty’s Prison Dartmoor gestorben sein soll. Das HMP Dartmoor war eine der ältesten Haftanstalten Englands, ehe es im Jahr 2024 geschlossen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dritte Version der Legende bezieht sich hingegen auf eine Pulverfabrik, von denen es einige in Dartmoor gab. Angeblich sei es darin eines Tages zu einer Explosion gekommen, bei der einer der Arbeiter gestorben sei. Es seien nur seine großen haarigen Hände übriggeblieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hairy Hands of Dartmoor tauchen fast ausschließlich während der Fahrt in einem Auto oder auf einem Motorrad auf. Es gibt aber auch zwei Berichte, bei denen sie bei einem stehenden Fahrzeug gesehen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie während der Fahrt auftauchen, sollen sie jedenfalls dem Fahrenden ins Lenkrad bzw. den Lenker greifen und versuchen, ihn von der Straße abzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei gab es verschiedene Berichte von unsichtbaren Händen, die am Lenker gezerrt haben, aber auch von sichtbaren haarigen Händen, die plötzlich am Lenkrad oder über den Händen der Fahrenden aufgetaucht sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald man es schafft, das Fahrzeug anzuhalten, oder einen Unfall baut, sollen die Hände wieder spurlos verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem soll es vorkommen können, dass das Fahrzeug beim Erscheinen der Hände plötzlich beschleunigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt gibt es darüber hinaus mindestens zwei Berichte, in denen die Hände bei einem stehenden Fahrzeug aufgetaucht sind. Mehr dazu erfahrt ihr unter Ursprung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">The Hairy Hands of Dartmoor sollen ausschließlich im Nationalpark Dartmoor auftauchen. Fast alle Berichte erzählen davon, dass sich die Vorfälle auf der B3212 zugetragen haben sollen, besonders im Abschnitt zwischen Postbridge und Two Bridges.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte Begegnung mit den Hairy Hands of Dartmoor passierte im Juni 1921. Damals fuhr Dr. Ernest Hasler Helby, ein Doktor im nahegelegenen Gefängnis HMP Dartmoor, am Abend mit seinem Motorrad die B3212 entlang, als er plötzlich von der Straße abgekommen ist. Im Beiwagen des Motorrads saßen seine beiden jungen Töchter. Seinen Töchtern zufolge habe er auf einmal angefangen, über die Kontrolle mit dem Lenker zu kämpfen, woraufhin er sie anschrie, dass sie abspringen sollen. Dr. Helby hat den Unfall nicht überlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im selben Jahr gab es zwei weitere unerklärliche Unfälle. Bei einem hat ein Busfahrer die Kontrolle über seinen Bus verloren – angeblich habe es sich so angefühlt, als würde jemand den Lenker beiseite reißen –, bei dem anderen soll ein Motorradfahrer die Kontrolle verloren haben. Die Person auf dem Soziussitz (dem „Rücksitz“ eines Motorrads) berichtete, dass sie eine große haarige Hand am Lenker gesehen habe, während der Fahrer um die Kontrolle kämpfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend sollen mehrere Zeitungsartikel über die Vorfälle veröffentlicht worden sein. Es soll sogar einen Artikel in einer Londoner Zeitung gegeben haben. So haben die Hairy Hands of Dartmoor schließlich nationale Bekanntheit erreicht. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es weitere angebliche Vorfälle gab. Die meisten von ihnen liefen ähnlich ab, wie die bisherigen Unfälle. Auch heutzutage soll es noch zu solchen Vorfällen kommen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Zwei Fälle bei stehenden Autos:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Ereignisse stechen jedoch hervor: 1924 soll ein campendes Ehepaar in der Gegend eine Begegnung mit den Hairy Hands gehabt haben, jedoch nicht während der Fahrt. Die Ehefrau ist nachts wach geworden, soll eine haarige Hand am Wohnwagenfenster gesehen haben, die laut ihrer Aussage, ihr und ihrem Mann etwas Böses antun wollte. Sie machte ein Kreuzzeichen mit den Fingern und die Hand sei verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ähnlicher Fall trug sich 1962 zu, als eine Frau auf der Straße anhielt, um auf die Karte zu sehen. Als sie von der Karte aufsah, habe sie zwei haarige Hände gesehen, die sich von außen an ihre Windschutzscheibe gepresst hätten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Erklärungsversuche:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es auch viele nicht-übernatürliche Erklärungsversuche, wieso es zu den zahlreichen Unfällen auf der B3212 gekommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen hat die Straße zwei scharfe Kurven, die gerade Touristen und ortsfremde Personen häufig unterschätzen (es ist sogar möglich, dass es früher noch mehr Kurven gab, bis die Straße irgendwann ausgebessert wurde). Sie fahren zu schnell auf der engen, nicht beleuchteten Straße, weshalb es zu den zahlreichen Unfällen käme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Erklärungsversuch hat mit dem Zustand der Straße zu tun, der nicht an allen Stellen optimal sei. Straßenschäden, Hubbel und Absenkungen im Asphalt sollen auf der B3212 keine Seltenheit gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschwerend kommt zu diesen beiden Erklärungen hinzu, dass es aufgrund der Landschaft in Dartmoor oft Nebel gibt, der die Sicht auf die Straße beeinträchtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Hinweis, dass einer oder wahrscheinlich eine Kombination dieser Faktoren tatsächlich Schuld an den vermehrten Unfällen sein dürfte, ist, dass die Unfälle nach einigen Reparaturen und Ausbesserungen der Straße deutlich abgenommen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings erklärt natürlich nichts hiervon die optische Erscheinung der haarigen Hände, von denen viele Verunglückte berichtet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">The Hairy Hands of Dartmoor in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einen 12-minütigen Kurzfilm namens „The Hairy Hands“ (2010), geschrieben und produziert von Ashley Thorpe, der von der Legende handelt. Ich würde ihn allerdings fast schon als Kunstfilm einordnen, aufgrund der Art, wie er gedreht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus gibt es die „Audio Experience“ Hairy Hands FM, die ihr selbst mit eurem Smartphone und einem Paar Kopfhörer erleben könnt. Ich würde jedoch nicht unbedingt sagen, dass ich sie empfehlen kann, da sie meiner Meinung nach weder sonderlich gut gemacht noch in irgendeiner Weise akkurat in Bezug auf die tatsächliche Legende ist. Falls ihr trotzdem etwa 20 Minuten eurer Zeit dafür opfern wollt, findet ihr sie <a href="https://chronicinsanity.itch.io/hairy-hands-fm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem gibt es diverse YouTube-Videos und Podcasts, die sich mit der Legende beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Auftritte der Hairy Hands of Dartmoor in Filmen, Serien oder Videospielen sind mir jedoch nicht bekannt. Solltest du irgendetwas in die Richtung kennen, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Hairy Hands of Dartmoor? Glaubt ihr, an der Legende könnte etwas dran sein? Oder sind eher die Straßenlage und Fehler von den Fahrzeugführenden schuld? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Selkies – Sie wollen zurück ins Meer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Sep 2025 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich betrachtete die Narben, die zwischen meinen Fingern hervorblitzten. Laut meinen Eltern stammen sie von einem Gendefekt. Ich hätte eine Mutation gehabt, die meine Hände entstellt habe. Aber für mich sah das anders aus. Die Narben waren zu gleichmäßig. Sie waren an der Innenseite all meiner Finger und sogar meiner Zehen. Es sah eher danach aus, als hätte ich bei meiner Geburt Schwimmhäute gehabt, die mir wegoperiert wurden …</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Selkies sind zur Abwechslung mal <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>, die überhaupt nicht gruselig sind. Trotzdem finde ich diese schottischen Meereswesen unglaublich faszinierend. Ich hoffe, sie gefallen euch ebenfalls!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Lesen!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Mobbing<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tag begann wie jeder andere. Nichts deutete darauf hin, dass ich an diesem Tag einen Menschen verlieren sollte, der mir so unglaublich viel bedeutete …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß in meiner Klasse. Unsere Englischlehrerin war noch nicht da, weshalb die anderen Schüler um mich herum noch schrien, lachten und rumalberten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie zwei Schülerinnen eine Federtasche hin und herwarfen. Wem sie gehörte, wusste ich nicht. Aber das war mir eigentlich auch egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen starrte ich auf meine Hände. Ich betrachtete die Narben, die zwischen meinen Fingern hervorblitzten. Laut meinen Eltern stammen sie von einem Gendefekt. Ich hätte eine Mutation gehabt, die meine Hände entstellt habe. Aber für mich sah das anders aus. Die Narben waren zu gleichmäßig. Sie waren an der Innenseite all meiner Finger und sogar meiner Zehen. Es sah eher danach aus, als hätte ich bei meiner Geburt Schwimmhäute gehabt, die mir wegoperiert wurden …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das war nicht das Einzige, das mich mit dem Ozean verband. Ich war der Sohn eines Fischers. Seit mein Dad klein war, hatte er meinen Opa auf seinem Fischerboot begleitet, bis er irgendwann in seine Fußstapfen getreten war und den alten Kutter von ihm übernommen hatte. Er hatte schon immer eine enge Beziehung zum Meer gehabt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jedoch nichts im Vergleich zu meiner Mum. Sie fuhr nicht mit Dad auf seinem Boot raus. Sie badete sogar nur selten im Ozean. Aber ihr müsstet sie mal sehen, wenn sie draußen auf der Veranda steht und aufs Meer hinausblickt. Die Sehnsucht in ihren Augen, die Überwindung, die es sie kostet, um ihre Augen von dem tiefen Blau abzuwenden. Es war, als wäre sie von der See besessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gab eine Erklärung dafür. Für ihr Verhalten und sogar für meine Schwimmhäute. Es war ein Verdacht, den ich noch nie laut ausgesprochen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, Fischfresse!“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken. „Sitzt du ganz allein hier? Hat dein einziger Freund jetzt auch endlich erkannt, was du für ein Versager bist?“ Im nächsten Moment traf mich ein unsanfter Schlag am Hinterkopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte dabei weiter angespannt auf meine Hände und versuchte, Angus zu ignorieren. Er war der größte Bully aus unserer Klasse. Und das meine ich wörtlich. Er überragte die meisten anderen Schüler, mich eingeschlossen, um mindestens einen Kopf. Und zu meinem Pech hatte er mich auf dem Kieker, seit ich angeblich seine Beziehung ruiniert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hatte damit angefangen, dass wir in die weiterführende Schule gekommen waren. Damals war Angus mit Ellie zusammen gewesen, einem Mädchen aus unserer Klasse. In den ersten Wochen wurde mir jedoch klar, dass Ellie heimlich ein Auge auf mich geworfen hatte. Eins hatte zum anderen geführt, bis Angus schließlich voller Eifersucht mit ihr Schluss gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei war das nicht meine Schuld gewesen. Oder zumindest nicht meine Absicht. Ich hatte keinerlei Annäherungsversuche gegenüber Ellie unternommen, ihr sogar gesagt, dass ich kein Interesse an ihr hatte. Aber es hatte nichts gebracht. Und so folgten bisher drei Jahre voller Terror, in denen ich nichts anderes tun konnte, als Angus‘ Schikanen auszusitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey! Callum! Hat dir deine Mommy nicht beigebracht, dass du antworten sollst, wenn jemand mit dir spricht?“, fuhr Angus mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte ein Zusammenzucken nicht unterdrücken. Er stand noch immer hinter mir. Der erwartete Schlag, der erneute Schmerz an meinem Hinterkopf blieb jedoch aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn du dich mit jemandem anlegen willst“, hörte ich eine andere Stimme, „such dir jemanden in deiner Größe.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Da stand Liam und hielt Angus‘ zum Schlag ausgeholte Hand fest. Er zwinkerte mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment befreite Angus seine Hand mit einem Ruck. Er funkelte mich an. „Nächstes Mal, Fischfresse“, sagte er nur, ehe er weiter zu seinem Platz ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liam kam einen Schritt näher. Er legte seine Hand auf meine Schulter. „Mach dir nichts draus, Callum. Angus ist ein Arsch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich widerstand dem Drang, nach seiner Hand zu greifen. Nicht hier. Die anderen durften nichts von uns wissen. Stattdessen lächelte ich ihn schief an „Danke. Aber das wusste ich schon vorher.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Moment zog er seinen Stuhl zurück und setzte sich neben mich. „Wie sieht es eigentlich mit unseren Wochenendplänen aus? Steht das Zelten noch?“, fragte er neugierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast sofort spürte ich, wie mein Lächeln wärmer wurde. „Meine Eltern sind einverstanden“, erklärte ich. „Ich muss nur unser altes Zelt wiederfinden. Aber das bekomm ich schon hin.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ganzes Wochenende. Nur Liam und ich. Zwei Tage, an denen wir nicht aufpassen mussten, ob uns jemand sieht, wenn wir Händchen hielten. Wir mussten uns keine Gedanken machen, wenn wir abends zusammen im Gras lagen und den Sternenhimmel beobachteten. Uns nicht vorher umsehen, wenn wir einander einen flüchtigen Kuss geben wollten.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der restliche Schultag verlief ruhig. Zwar sah ich einige Male, wie Angus mir verächtliche Blicke zuwarf, aber da Liam mir nicht mehr von der Seite wich, ließ er mich in Ruhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Glocke schließlich das Ende der letzten Stunde ankündigte, beeilte ich mich, meine Sachen zu packen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sehen uns morgen“, sagte ich zu Liam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schreib mir, wenn was dazwischenkommt oder du das Zelt nicht findest“, erwiderte er. „Ansonsten hol ich dich um Punkt 10 ab.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste. „Ich schreib dir auch, wenn mir nichts dazwischenkommt“, erklärte ich. Danach berührte ich ihn sanft an der Schulter – die intimste Berührung, die ich mir in der Schule erlaubte –, ehe ich zum Bus rennen musste.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer ruhigen Busfahrt, bei der ich hauptsächlich Musik gehört hatte, und etwa drei Minuten Fußweg näherte ich mich unserem Haus. Es stand in Küstennähe und ich konnte von der Straße aus bereits das Rauschen der Wellen hören. Ein schwacher Geruch nach Meerwasser stieg mir in die Nase und ich spürte, wie mich ein wohliger Schauer überkam. Ich liebte den Strand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf sah ich, dass auch Mum wieder auf der Veranda stand und auf das Meer hinaus starrte. Sie tat das häufig. Eigentlich fast täglich, wenn das Wetter gut war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Mum“, begrüßte ich sie. „Bin wieder da.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Mum reagierte nicht. Es wirkte nicht so, als hätte sie mich bemerkt, obwohl ich laut genug gesprochen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das meinte ich. Es war, als wäre sie in ihrer eigenen kleinen Welt gefangen. In diesen Momenten gab es nur sie und das Meer. Natürlich könnte das eine Form von Autismus sein oder irgendetwas Ähnliches, aber ich hatte etwas anderes im Verdacht. Etwas anderes, das noch so viel mehr erklären würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier in Schottland gibt es alte Legenden von den sogenannten Selkies – Schottisch für „Robben“. Und genau das waren sie auch. Bei den Selkies soll es sich um große Robben handeln, die manchmal ihr Fell abstreifen, um als Menschen an Land zu wandeln. Wenn sie nun ihr Fell verloren oder es gestohlen wurde, waren sie dazu verdammt, auf ewig Menschen zu bleiben. Es heißt aber, dass sie die tiefe Sehnsucht nach der See, ihrem wahren Zuhause, nie verlieren sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, ich weiß, wie das klingt. Mit 15 sollte man nicht mehr an solche Märchen glauben. Am Anfang war es auch bloß eine alberne Idee gewesen, die ich selbst für bescheuert gehalten hatte. Je mehr ich über die Selkies gelesen hatte, desto mehr erinnerten mich die Erzählungen jedoch an Mum. Als ich dann auch noch erfuhr, dass die Kinder von Selkies oft Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen haben … Seit jenem Tag betrachte ich meine Theorie jedenfalls als reelle Möglichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ertappte mich dabei, wie ich wieder meine Narben musterte. Also ließ ich die Hände wieder sinken. Mum hatte mich noch immer nicht bemerkt und ich wollte sie nicht aus ihren Gedanken reißen, also ging ich weiter ins Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin wieder da!“, rief ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf steckte Dad seinen Kopf aus dem Wohnzimmer. „Hi Callum“, grüßte er durch seinen vollen Bart. „Wie war die Schule?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So wie immer“, antwortete ich vage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und Liam?“, fragte er weiter. „Wie geht es ihm? Freust du dich schon auf morgen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem Gedanken an meinen Freund musste ich sofort lächeln. „Ihm gehts gut. Und ja. Das tu ich. Apropos … Weißt du zufällig, wo unser Zelt ist? In der Garage konnte ich es gestern nicht finden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dad überlegte einen Moment. „Puh. Es ist schon ewig her, dass wir das benutzt haben. Vielleicht liegt es auf dem Dachboden? Ich kann aber nicht versprechen, dass es nicht inzwischen völlig von Motten zerfressen ist.“ Er lächelte verspielt und zwinkerte mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Gesichtsausdruck musste daraufhin so entsetzt gewesen sein, dass Dad lachen musste. Er kam zu mir und wuschelte mir durch die Haare. „Keine Sorge. Wenn das Zelt wirklich kaputt ist, fahre ich persönlich morgen früh in die Stadt und hol dir ein neues. Oder wenn du es nicht finden kannst. Ihr könnt euren kleinen Abenteuerurlaub auf jeden Fall machen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt strahlte ich. „Danke Dad“, sagte ich und gab ihm eine flüchtige Umarmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In zwei Stunden gibt es Essen!“, rief er mir nach, während ich auf den Dachboden rannte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Dachboden roch es nach Staub. Nein, es roch nicht nur danach. Im schwachen Licht, das durch ein einzelnes Fenster fiel, sah ich die Staubpartikel durch die Luft tanzen. Und auch die Möbel, Kisten und anderen Dinge hier oben waren alle von einer dicken Staubschicht bedeckt. Ich war ewig nicht hier oben gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig sah ich mich um. Mein Blick fiel auf einen in sich zusammengesackten Fußball, auf dem das ausgeblichene Gesicht einer Cartoonkatze war. Auch er war von Staub bedeckt. Trotzdem weckte er bei mir sofort Erinnerungen. Meine Eltern hatten ihn mir geschenkt, als ich noch nicht einmal in der Schule war. Wie viele Nachmittage wir ihn hin und her gekickt hatten. Mein Dad hatte extra schlecht gespielt, damit ich überhaupt ein Tor schießen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder merkte ich, dass ich lächelte, während ich meinen Blick weiterwandern ließ. Hier oben waren so viel Dinge – mir bekannte und unbekannte. Einige mussten von meinen Großeltern stammen. Alte schwarz-weiß Fotos auf einem uralt aussehenden Tisch. Andere von Dad oder von mir. Nur von Mum schien hier nicht wirklich etwas zu liegen. Auch ihre Eltern oder andere Familienmitglieder hatte ich nie kennengelernt. Es gab nicht einmal Fotos von ihnen. Wieder musste ich an meine Selkie-Theorie denken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schüttelte den Kopf. Deswegen war ich nicht hier. Wenn ich vor dem Essen noch irgendetwas erreichen wollte, musste ich mich an die Arbeit machen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich grob alles überflogen hatte, ohne dabei etwas zu finden, dass nach einem Zelt aussah, nahm ich mir die Kisten vor. In vielen von ihnen war Ramsch – altes Geschirr, Zeitschriften, aussortierte Wäsche. Ich ignorierte sie. Bei anderen hingegen fiel es mir weniger leicht, sie beiseitezuschieben. In ihnen lagen hauptsächlich alte Dinge von mir. An einer Kiste mit alten Spielsachen und Kuscheltieren verschwendete ich bestimmt eine Viertelstunde, obwohl von vornerein klar war, dass das Zelt nicht darin liegen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch fand ich Dads alte Angelausrüstung. Sie lag auf einer unbeschrifteten Kiste. Auch hier schwelgte ich in Erinnerungen. Es war Jahre her, dass Dad und ich angeln waren. Warum auch? Fische fangen war immerhin sein Beruf. Da wollte er in seiner Freizeit sicherlich etwas anderes machen. Ich erinnerte mich an ein Lagerfeuer, über dem wir einen viel zu kleinen Fisch gebraten hatten – den einzigen Fisch, den ich an jenem Tag selbst gefangen hatte. Dad hatte mir geholfen, die Gräten zu entfernen, damit ich ihn essen konnte, ehe wir … zurück ins Zelt gegangen waren! Der Angelausflug war ein Campingtrip gewesen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hastig räumte ich die Angelausrüstung beiseite, um an die Kiste zu kommen. Vielleicht war ich dabei etwas unvorsichtig – die Ausrüstung fiel mir mit lautem Gepolter aus der Hand –, aber das war mir gerade egal. Sobald die Kiste frei war, klappte ich die obere Pappe beiseite. Darin lag … etwas Graues, Flauschiges. Unsicher griff ich danach. Es war eine Art dichter, weicher Stoff. Ich holte es aus der Kiste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf lag die Robbenhaut ausgebreitet vor mir auf dem Boden. Sie war grau, mit dunklen Flecken und einem auffälligen hellen Muster in der Mitte – etwa dort, wo der Rücken der Robbe gewesen sein musste. Außerdem war es ungewöhnlich groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Selkies können ihr Robbenfell abstreifen, um als Menschen an Land zu wandeln“, murmelte ich. Konnte es sein? War das Mums Fell?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken kreisten. Sie wirbelten umher und überschlugen sich. Nehmen wir an, dass Mum tatsächlich eine Selkie ist. Warum lag ihr Fell dann auf dem Dachboden? Soweit ich mich erinnerte, hieß es, dass Selkies immer nach kurzer Zeit ins Wasser zurückgekehrt sind. Außer sie haben ihr Fell verloren. Oder es wurde gestohlen. Aber warum lag es dann hier oben. Dad würde doch nie …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzerhand packte ich das schwere Fell und ging damit zurück ins Wohnzimmer. Meine Schritte stapften laut über die Holztreppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dad? Dad, was ist das?“, stellte ich ihn zur Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst sah er neugierig auf. Dann weiteten sich jedoch seine Augen und er sah flüchtig zum Fenster. „Pack das weg“, flüsterte er leise. „Mum darf es nicht sehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also war es wahr? „Warum nicht?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist … Es ist ein Geschenk“, sagte er. Ich erkannte die Lüge sofort. Dad war noch nie ein guter Lügner gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist Mum eine Selkie?“, fragte ich also direkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin klappte Dads Mund auf. Es kam aber kein Ton heraus. Er schloss und öffnete ihn wieder. Er sah aus wie ein Fisch, den man an Land geholt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das reichte mir als Antwort. Also rannte ich weiter Richtung Haustür. Wenn das Mums Fell war, musste sie wissen, dass es im Haus lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Callum! Warte!“, rief Dad, während er mir nachstürzt. Aber er war zu langsam. Ich war bereits nach draußen auf die Veranda getreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort stand Mum. Sie wandte die Augen vom Ozean ab – wahrscheinlich um zu sehen, was der Tumult sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie mich sah, erstarrte sie. Oder besser gesagt als sie das Fell in meinen Händen sah. Ihre weit aufgerissenen Augen waren starr darauf gerichtet. Ungläubig tat sie einen Schritt auf mich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich kenne dein Geheimnis, Mum“, sagte ich leise, während ich das Robbenfell hochhielt. Ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte auch Dad die Tür erreicht. „Selene, ich … Ich kann es erklären!“, sagte er schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Mum beachtete ihn gar nicht. Sie trat weiter auf mich zu, streckte die Hand nach dem Fell aus, zögerte dann jedoch. Ihre Hand griff stattdessen nach meiner Wange. Ihre dunklen Augen sahen tief in meine. „Und ich kenne dein Geheimnis“, sagte sie ruhig. „Dad und ich sehen doch, wie Liam und du einander anseht. Wir wissen es. Und wir freuen uns für euch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt lächelte sie. Ich stand bloß da, spürte, wie mir heiß und kalt gleichzeitig wurde. „Ich … Wir …“, stammelte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mum streichelte meine Wange. „Es ist in Ordnung“, sagte sie sanft. Jetzt sah sie auch zu Dad. Auch ihn lächelte sie an. „Ich liebe euch.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann griff sie nach dem Fell, warf es sich über die Schultern und rannte den kleinen Abhang zum Strand hinunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dad stürzte ihr sofort nach. „Selene! Selene!“, brüllte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb auf der Veranda stehen, sah dabei zu, wie Mum in die Wellen rannte und elegant wie eine Robbe darin verschwand. Nein. Nicht <em>wie</em> eine Robbe. <em>Als</em> Robbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dad versuchte noch eine Weile, sie einzuholen, ehe er aufgab und völlig durchnässt aus dem Wasser stapfte. Er sackte am Strand in sich zusammen und weinte. Auch ich weinte jetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war das letzte Mal, dass ich Mum gesehen habe. Zumindest in ihrer menschlichen Gestalt. Aber oft, wenn ich mit Liam am Strand bin, oder mit Dad auf seinem Kutter, kann ich unweit im Wasser eine Robbe entdecken. Eine Robbe mit einem auffällig hellen Muster auf ihrem Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr mich fragt, ob ich bereue, Mum ihr Fell wiedergegeben zu haben, so kann ich nur sagen, dass es das Richtige war. Klar, ich vermisse sie, aber sie ist ein Wesen des Meeres. Niemand sollte sie an Land gefangen halten. Auch nicht aus Liebe. Und ich denke, das hat auch Dad inzwischen eingesehen.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Selkies (Schottisch für „Robben“), auch Silkies, Sylkies oder Selchies geschrieben, sind Wesen der keltischen Mythologie. Es handelt sich bei ihnen um Robben, die ihre Haut ablegen und sich so in Menschen verwandeln können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft werden sie als keltische Version der Meerjungfrauen-Legende bezeichnet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Geschichten sind sie weiblich, es gibt aber auch <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">Legenden</a> über männliche Selkies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bereits erwähnt sind sie Gestaltwandler. In ihrer Robbenform sehen sie wie normale Robben aus. Es handelt sich dabei aber normalerweise um größere Arten als z. B. die in Deutschland heimische Kegelrobbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Menschengestalt hingegen werden sie als besonders schön und anmutig beschrieben. Man sagt, dass sich Menschen aufgrund ihres Aussehens sehr schnell in Selkies verlieben können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft heißt es auch, dass sie dunkle Haare und/oder dunkle Augen hätten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit sollen die Selkies in ihrer Robbengestalt im Meer verbringen. Es kommt jedoch vor, dass sie ihre Robbenhaut ablegen und sich so in einen Menschen verwandeln. In diesem Zustand müssen sie jedoch gut auf ihre Robbenhaut achtgeben. Wenn sie sie verlieren oder sie gestohlen wird, können sie sich nicht mehr in eine Robbe zurückverwandeln, bis sie ihre Haut wiederhaben. In diesem Zustand sollen sie sich intensiv nach dem Meer sehnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie oft bzw. wann sie ihr Robbenfell ablegen können, um sich zu verwandeln, kann je nach Version variieren. So heißt es manchmal, sie können sich nach Belieben verwandeln, andere Male heißt es hingegen, es ginge nur jede siebte oder neunte Nacht, nur bei Vollmond, nur einmal im Jahr (z. B. zur Sommersonnenwende) oder gar nur alle sieben Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Geschichten, die von weiblichen Selkies handeln, stiehlt ein Mann das Fell der Selkie, um sie dazu zu zwingen, an Land zu bleiben. Entweder wird die Selkie dadurch an den Mann gebunden oder sie weiß nicht, dass er das Fell besitzt. So oder so gehen die beiden daraufhin oft eine Beziehung ein. In den meisten Fällen heiraten sie und bekommen sogar Kinder. Irgendwann findet die Selkie das Robbenfell, woraufhin sie es überstreift und als Robbe ins Meer zurückkehrt. Im Normalfall kommt sie nie wieder zu ihrem Mann zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinder von Selkies haben oft Schwimmhäute zwischen den Fingern und Zehen. Auch sollen sie häufig weitere Eigenschaften wie z. B. die Schönheit oder eine Sehnsucht nach dem Meer von ihrem Selkie-Elternteil erben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen eher seltenen Legenden habe ich auch davon gelesen, dass Selkies das Wetter kontrollieren und somit Stürme heraufbeschwören können.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Männliche Selkies:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Eigenschaften der männlichen Selkies sind an sich identisch mit denen der weiblichen, jedoch unterscheiden sich ihre Legenden häufig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sind männliche Selkies eher dafür bekannt, einsame oder unglücklich verheiratete Frauen zu verführen. Es heißt z. B., dass ein Selkie auftauchen soll, wenn eine Frau sieben Tränen ins Meer weint. In den Legenden verbringen die beiden daraufhin oft die Nacht zusammen, ehe der Selkie ins Meer zurückkehrt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hauptsächlich stammen die Legenden über Selkies aus Schottland, besonders von den Orkney- und Shetlandinseln. Aber auch in anderen Küstenregionen Schottlands und an den Küsten Irlands sollen Selkies den Legenden nach anzutreffen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar einige Selkie-Legenden, die es bis nach Island und auf die Färöer geschafft haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die ältesten Erwähnungen von Selkies, die ich finden konnte, stammen aus dem 13. Jahrhundert. Abgesehen davon, dass die Legenden aus Schottland stammen, ist über den Ursprung der Selkies jedoch nicht viel bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber einige Theorien dazu:</p>



<p class="wp-block-paragraph">So vermuten manche Folkloristen, dass es ein Erklärungsversuch für einige Krankheiten gewesen sein könnte, die zu gewissen Verformungen des Körpers von Kindern geführt haben. Als Beispiel wird hierbei Syndaktylie genannt, eine Krankheit, die in einigen Fällen für schwimmhautähnliche Verformungen zwischen zwei Fingern führen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch besteht die Möglichkeit, dass sie metaphorisch gemeint sein und Frauen beschrieben haben könnte, die sich nicht in die damalige Gesellschaft eingefügt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am interessantesten finde ich hingegen eine Theorie, die erst im 19. oder 20. Jahrhundert entstanden ist. Darin wird die Vermutung aufgestellt, dass in früherer Zeit, als die Schotten bereits Kontakt zu den Finnen und/oder Samen gehabt hatten, sie einige der Skandinavier in ihren aus Tierhäuten bestehenden Booten gesehen haben könnten. Besagte Boote schwammen nur so lange gut, wie die Tierhäute noch nicht völlig durchnässt waren. Sie mussten also gelegentlich an Land gehen, um ihre Boote und wahrscheinlich auch ihre (häufig aus Robbenpelz) bestehende Kleidung zu trocknen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein Finne oder Same also an Land gegangen ist, wo er sein Robbenfell abgelegt hat, hätte es durchaus so aussehen können, als habe er sich gerade von einer Robbe in einen Menschen verwandelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Selkies in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund ihrer internationalen Bekanntheit gibt es zahlreiche Auftritte von Selkies in der modernen Popkultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem irischen Fantasy-Abenteuerfilm „Das Geheimnis des kleinen Seehundes“ (1994), der auf dem Roman „Secret of the Ron Mor Skerry“ (Englisch für „Das Geheimnis von Ron Mor Skerry“, 1957) von Rosalie K. Fry basiert, spielen Selkies eine zentrale Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere bekannte Selkie-Filme sind u. a. der irische Animationsfilm „Die Melodie des Meeres“ (2014), der australische Kinder-Abenteuerfilm „Selkie &#8211; Der Seehundmensch“ (2000) oder der irische Dramafilm „Ondine – Das Mädchen aus dem Meer“ (2009).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es diverse Bücher über Selkies, so z. B. der Fantasyroman „Sealskin“ („Robbenhaut“, 2016) von Su Bristow oder der Young Adult Roman „A Stranger Came Ashore“ („Ein Fremder kam an Land“, 1975) von Mollie Hunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Selkies? Hat euch die Geschichte gefallen? Und was würdet ihr tun, wenn ihr die Robbenhaut einer Selkie am Strand findet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Gelert der Hund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 May 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
		<category><![CDATA[englische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Gelert]]></category>
		<category><![CDATA[Gelert der Hund]]></category>
		<category><![CDATA[Gelert the dog]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[männlicher Protagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Nordwales]]></category>
		<category><![CDATA[Wales]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>So war es auch an jenem schicksalhaften Tag, als Llywelyn zu seiner Jagd aufbrechen wollte. Er rief nach Gelert und wartete. Normalerweise hätte es keine zehn Sekunden gedauert, bis Llywelyn das vertraute Klackern der Krallen auf dem Boden gehört hätte, bis Gelert freudig hecheln auf sein Herrchen zu gerannt wäre. Doch an jenem Tag blieb es still.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Gelert der Hund ist eine englische Legende über einen Hund. Im Vergleich zu den meisten Legenden, über die ich hier schreibe, ist sie jedoch nicht gruselig. Ich hoffe, dass sie euch trotzdem gefällt.</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achung Spoiler!)</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; Trauer<br>
&#8211; Tod eines Hundes</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wisst ihr, wie das kleine Dorf Beddgelert in Nordwales zu seinem Namen gekommen ist? Nein? Dann lasst mich euch die Geschichte erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist schon lange her. Im 13. Jahrhundert hatte Llywelyn ab Iorwerth, der Fürst von Nordwales, einen Palast in Beddgelert. Damals trug das Dorf noch einen anderen Namen, der inzwischen in Vergessenheit geraten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fürst war oft in dem Palast, wenn er jagen wollte. Die Landschaft um Beddgelert war wunderschön und reich mit Wild. Und immer hatte er seinen treuen Jagdhund Gelert dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Llywelyn hatte Gelert als Welpen bekommen. Es heißt, der König habe ihm den Hund zu seiner Hochzeit geschenkt. Llywelyn hatte ihn selbst aufgezogen und trainiert, wodurch der Hund einer seiner treusten Gefährten und Freunde geworden war. Der Fürst liebte Gelert. Und Gelert liebte den Fürsten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wusste Llywelyn, dass er streng sein musste, um Gelert nicht zu verhätscheln. Er war schließlich ein Jagdhund, kein Schoßhund. Dazu gehörte auch, dass Gelert am Tag vor der Jagd nur am Morgen fressen durfte. Während der Jagd durfte sein Körper nicht mit dem Verdauen beschäftigt sein, sondern sollte all seine Ressourcen zum Rennen und Jagen parat halten. Als Jagdhund sollte Gelert sich sein nächstes Mahl verdienen. Er musste hungrig sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So war es auch an jenem schicksalhaften Tag, als Llywelyn zu seiner Jagd aufbrechen wollte. Er rief nach Gelert und wartete. Normalerweise hätte es keine zehn Sekunden gedauert, bis Llywelyn das vertraute Klackern der Krallen auf dem Boden gehört hätte, bis Gelert freudig hecheln auf sein Herrchen zu gerannt wäre. Doch an jenem Tag blieb es still.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Llywelyn wunderte sich. Er rief erneut, so laut, dass seine Stimme durch den Palast hallte, doch von Gelert fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fürst durchschritt flüchtig die Gänge, rief immer wieder nach dem Jagdhund, aber er zeigte sich nicht. Da die Zeit knapp wurde – Llywelyn wollte die frühen Morgenstunden ausnutzen, solange das Wild noch aktiv war – entschloss er schließlich schweren Herzens, ohne Gelert aufzubrechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war die erste Jagd, bei der Gelert nicht dabei war. Und was für eine Jagd es war. Der Fürst schoss den größten Hirsch, den er je erlegt hatte. Er war stolz auf sich und seine Jagdhunde. Das Einzige, was er bedauerte, war, dass Gelert nicht bei ihm war, um seinen Triumph mit ihm zu feiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur, dass Gelert nicht die anderen Jagdhunde angeführt hatte, als sie den Hirsch aufscheuchten oder dass er nicht dabei war, als Llywelyn dem Tier genau zwischen die Rippen ins Herz schoss, der Fürst würde die Abwesenheit nicht dulden dürfen. Er musste streng sein, sich eine harte, aber faire Strafe überlegen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er konnte während des gesamten Ritts zurück an nichts anderes denken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Moment, als die schwere Palasttür sich öffnete, hörte Llywelyn ein freudiges Aufbellen von drinnen. Er musste sich zwingen, nicht zu lächeln, um dem Hund nicht zu zeigen, dass er sich freute. Doch seine Freude, dass Gelert wohlauf war, war unendlich groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er seinen Freund jedoch erblickte, erstarrte er. Gelerts Fell war durchnässt von Blut. Seine Pfoten hatten rote Abdrücke hinterlassen und aus seinem Mund tropfte ein Gemisch von Blut und Speichel. Trotzdem schien es Gelert gut zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis der Fürst eins und eins zusammengezählt hatte. Gelert musste einen Bärenhunger gehabt haben. Doch was konnte er gefressen haben, dass er derartig blutüberströmt war? Dem Fürsten fiel nur ein einziges Wesen im ganzen Palast ein, dass wehrlos gegen den Hund gewesen wäre: Sein Sohn, der Thronfolger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Llywelyns Augen weiteten sich vor Schock. Er zögerte nicht eine Sekunde, bevor er in den Palast stürmte. Während er den Gang entlang rannte, hörte Gelert voller Freude hinter sich herlaufen. Gleichzeitig betete er, dass seine Befürchtung sich nicht bewahrheiten solle. Er stieß die nur angelehnte Tür zum Kinderzimmer auf und erstarrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Blick war auf dem Bett des Babys hängengeblieben. Es lag auf der Seite. Der Stoff, das Bettzeug und der Boden, alles war voller Blut. Von dem Baby fehlte jede Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Llywelyns Augen füllten sich mit Tränen. Es kam ihm vor, als wären alle Geräusche um ihn herum leiser geworden, in den Hintergrund gerückt. Für ihn gab es jetzt nur noch das blutüberströmte Bettchen, das verlassen in dem Raum lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Sohn war tot. Er würde nie wieder das niedliche Lachen hören. Nie wieder würde sein Geschrei durch die Gänge hallen. Nie wieder würde Llywelyn den kleinen Kopf streicheln können &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als er etwas Feuchtes an der Hand spürte, wurde er in die Gegenwart zurückgerissen. Er sah herab, wo er Gelert erblickte, der seine Hand leckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt waren Llywelyns Augen auf den Jagdhund gerichtet. „Du! Du hast meinen Erben getötet!“, zischte er. „Ich habe dir vertraut!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ging alles so schnell. Die Wut in ihm kochte über. Er zog sein Schwert, das er noch immer um die Hüfte Trug, aus der Scheide und richtete die Spitze auf Gelert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast meinen Erben getötet!“, brüllte er erneut unter Tränen, bevor er seinem treusten Freund die Klinge in die Seite rammte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tod war schnell und schmerzlos. Gelert brachte nur ein kurzes Aufjaulen hervor, bevor er leblos zusammensackte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Llywelyn betrachtete den Leichnam. Seine Sicht verschwamm vor Tränen. Er hatte an einem Tag seinen Thronfolger und seinen geliebten Hund verloren – zumindest dachte er das. Doch in diesem Moment, als wäre es eine Antwort auf Gelerts Todesschrei, erklang das schrille Gekreische eines Babys.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fürst wollte seinen Ohren nicht trauen. Er sprintete zu dem umgestürzten Bett, folgte dem Geschrei. Da lag er. Sein Sohn lag völlig unversehrt hinter dem Bett auf dem Boden. Obwohl überall Blut war, hatte der Junge keinen einzigen Kratzer abgekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hingegen mehr als nur einen Kratzer hatte, war der tote Wolf, der neben ihm lag. Zwischen dem Fell konnte Llywelyn überall Bissspuren sehen, die auf einen verbitterten Kampf hinwiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst jetzt wurde dem Fürsten klar, was für einen schrecklichen Fehler er begangen hatte. Gelert hatte seinen Sohn nicht getötet, er hatte ihn beschützt. Irgendwie war der Wolf in den Palast gekommen. Doch ehe er dem Thronfolger etwas antun konnte, war der treue Jagdhund dazwischengegangen und hatte das Kind verteidigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte Llywelyn Gelert nur kurz unter die Lupe genommen, hätte er erkannt, dass auch sein geliebter Hund, sein Freund, sein Gefährte, Verletzungen von dem Kampf davongetragen hatte. Doch er war geblendet von seiner Angst und seiner Wut. Er erkannte seinen Fehler zu spät.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Llywelyn nach jenem tragischen Tag nie wieder gelächelt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe der Wolf aus dem Zimmer geräumt war, hatte der Fürst Gelerts Körper liebevoll auf die Arme genommen und ihn nach draußen gebracht. Das Grab hatte er mit seinen eigenen Händen geschaufelt, um seinen Freund ehrenvoll zu bestatten. Und so kam das Dorf zu seinem Namen: Beddgelert – Gelerts Grab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr mögt euch jetzt vielleicht noch fragen, wie all das passieren konnte. Wieso war Gelert im Palast geblieben, statt mit seinem Herrchen auf die Jagd zu gehen, die er so sehr liebte? Ich stelle mir immer vor, dass er vielleicht etwas gespürt hatte. Er war absichtlich im Schloss geblieben, um den geliebten Sohn seines Meisters zu beschützen – selbst, wenn ihn das sein Leben kosten würde.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gelert der Hund ist eine tragische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> aus England. Die Sage beschreibt, wie das Dorf Beddgelert (walisisch für „Gelerts Grab“) in Nordwales angeblich zu seinem Namen gekommen sei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Gelerts Grab, das auf einem Hügel in Beddgelert liegt, befinden sich zwei Schiefertafeln. Eine von ihnen beschreibt die Legende in Englisch, die andere in Walisisch. Ich habe die Aufschrift für euch sinngemäß übersetzt:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im 13. Jahrhundert hatte Llywelyn, Fürst von Nordwales, einen Palast in Beddgelert. Eines Tages ging er ohne Gelert, „den treuen Jagdhund“, der nirgends zu finden war, auf die Jagd. Bei Llywelyns Rückkehr sprang der Jagdschwänzer freudig und blutverschmiert auf sein Herrchen zu. Vom Anblick alarmiert hastete der Fürst zu seinem Sohn, doch fand das Kinderbett seines Säuglings leer vor, das Bettzeug und der Boden mit Blut befleckt.Der Vater war außer sich. Er zog sein Schwert und rammte es dem Jagdhund, von dem er dachte, dass er seinen Erben getötet habe, in die Seite. Der Todesschrei des Hundes wurde mit dem Geschrei eines Kindes beantwortet. Llywelyn folgte dem Geräusch und fand seinen Jungen unversehrt. Neben ihm lag der Körper eines mächtigen Wolfs, den Gelert getötet hatte. Der Fürst, von Reue erfüllt, soll von jenem Tag an nie wieder gelächelt haben. Er begrub Gelert hier. Dieser Ort wird Beddgelert (Gelerts Grab) genannt.“</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gelert der Hund spielt in Beddgelert, einem Dorf in Nordwales, England.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Legende besagt, dass Beddgelert seinen Namen von dem legendären Hund Gelert habe, kommt der Name in Wirklichkeit von einem Heiligen namens Kilart oder Celert, der einst in der Region gelebt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schiefertafeln, auf denen die Legende steht, sind hingegen nur knapp über 200 Jahre alt. Sie wurden Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts von dem damaligen Grundbesitzer David Pritchard aufgestellt. Er hat die Sage mit dem Ort verknüpft, um mehr Touristen in den Ort zu locken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl Llywelyn ab Iorwerth tatsächlich im 13. Jahrhundert gelebt hat, ist es also unwahrscheinlich, dass er wirklich einen Jagdhund namens Gelert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Motiv der Legende – ein Haustier, das ein Baby vor einem gefährlichen Tier beschützt, dann aber zu unrecht bestraft wird, weil der Besitzer denkt, dass das Haustier das Baby getötet habe – ist hingegen schon deutlich älter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stammt ursprünglich aus Indien, wo man sich bereits im 1. Jahrhundert die Geschichte „Der Brahmane und der Mungo“ erzählt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der indischen Legende geht es um eine Mutter, die einen Sohn und einen Mungo (eine kleine Raubtierart) zusammen aufzieht. Als sie eines Tages Wasser aus einem Fluss holt, will eine Schlange ihren Sohn angreifen, doch der Mungo verteidigt ihn und tötet die Schlange. Um der Mutter stolz zu zeigen, was er getan hat, rennt er zu ihr an den Fluss. Die Mutter sieht jedoch nur den Mungo mit seinem blutverschmierten Maul und denkt, dass er ihnen Sohn getötet habe. Sie erschlägt ihn mit ihrem Wasserkrug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende hat sich im Laufe der Jahre weit verbreitet, sodass es immer mehr Fassungen davon gab. Im Westen wurde der Mungo schließlich zu einem Hund. Und auch die Schlange wurde je nach Erzählung verändert. In Gelert der Hund wurde sie zu dem Wolf.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Kanntet ihr die Legende von Gelert dem Hund? Und wenn ja, wusstet ihr, dass sie erfunden ist? Wie findet ihr die Legende? Schreibt es in die Kommentare!</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</strong></em></p>
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		<title>Killer in the Backseat – der Mörder auf der Rücksitzbank</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Je näher ich kam, desto besser konnte ich den Mann erkennen, der inzwischen bei der Tür stand. Er hatte lange, zottelige Haare, einen Vollbart und eine große, kräftige Figur. Abgesehen von seinem blauen Hemd mit dem Namensschild wirkte er überhaupt nicht wie ein typischer Kassierer, eher wie ein Trucker oder Biker ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/7be89379102d4fee98f44bfcaba1a864" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">„Killer in the Backseat“ ist eine bekannte urbane Legende. Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele von euch mindestens eine der unzähligen Versionen bereits kennen – egal ob als Legende, als Gruselgeschichte oder aus Serien und Filmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wollte ich sie euch nicht vorenthalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem habe ich noch eine kleine Ankündigung zu machen. Es ist nichts Großes und ich hatte leider auch nicht die Zeit, ein passendes „Special“ für euch vorzubereiten, aber Geister und Legenden wird diesen Donnerstag, am 01. April, 2 Jahre alt. 🥳</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt viel Spaß bei Killer in the Backseat!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fluchte, während ich die Handbremse anzog. Dad hatte mir gesagt, dass ich besser vor der Fahrt im Hellen tanken solle. Ich hatte bloß erwidert, dass ich kein Problem damit habe, nachts auf dem Heimweg zu tanken. Es hätte ja niemand damit rechnen können, dass es jetzt in Strömen regnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich mich überwinden konnte, aus dem Auto zu steigen. Ich hielt mir meine Stoffjacke so gut es ging über den Kopf, während ich durch eine Pfütze zur Tanksäule rannte. Der Regen prasselte so laut auf das Autodach und vermischte sich mit seinem Plätschern und Rauschen auf dem Asphalt, dass ich nicht einmal meine eigenen Schritte hören konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich nach der Zapfpistole griff, stieg mir der vertraute Geruch nach Benzin in die Nase. Ich mochte den Geruch. Trotzdem nahm ich mir keine Zeit, ihn zu genießen. Stattdessen stecke ich die Zapfpistole hastig in die Tanköffnung. Als die Anzeigen für den Preis und für die Benzinmenge anfingen anzusteigen, hetzte ich ins Auto zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammter Regen“, murmelte ich, während ich die Heizung aufdrehte. Obwohl ich keine Minute draußen gewesen war, war meine Kleidung bis auf die Haut durchnässt. Hätte ich doch bloß auf Dad gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ein paar Minuten war der Tank endlich voll. Ich konnte es kaum erwarten, wieder auf der Straße zu sein. Wenn ich etwas Musik anmachte und es im Auto warm genug wurde, würde ich vielleicht meine nasse Kleidung vergessen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also stieg ich wieder aus. Diesmal machte ich mir gar nicht erst die Mühe, meine Jacke über mich zu halten. Ich steckte die Zapfpistole zurück in die Zapfsäule und kramte mein Portemonnaie heraus. Während ich gerade dabei war, zu bezahlen – hier in den USA kann man mit der Karte direkt an der Zapfsäule zahlen – bemerkte ich einen Mann in der Tankstelle, der mir zuwinkte. Ich ging davon aus, dass es der Kassierer war. Trotzdem ignorierte ich ihn. Das Letzte, was ich jetzt tun wollte, war als Frau mitten in der Nacht mit einem fremden Mann zu reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich bezahlt hatte, fiel mein Blick wieder auf den Mann. Diesmal winkte er energischer. Es sah aus, als wolle er mich zu sich winken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher sah ich zwischen ihm und meinem Auto hin und her. Eigentlich wollte ich nicht mit ihm reden, aber was, wenn es etwas Wichtiges war? Vielleicht war etwas mit der Tanksäule nicht in Ordnung oder er wollte mich auf einen Unfall oder eine Baustelle aufmerksam machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einem leicht mulmigen Gefühl im Magen ging ich auf die Tankstelle zu. Meine Kleidung klebte an mir, als wolle sie mich am Gehen hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je näher ich kam, desto besser konnte ich den Mann erkennen, der inzwischen bei der Tür stand. Er hatte lange, zottelige Haare, einen Vollbart und eine große, kräftige Figur. Abgesehen von seinem blauen Hemd mit dem Namensschild wirkte er überhaupt nicht wie ein typischer Kassierer, eher wie ein Trucker oder Biker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Was, wenn der Mann ein Verbrecher ist? Vielleicht liegt der richtige Kassierer tot oder gefesselt im Hinterzimmer</em>‘, schoss es mir in den Kopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment zögerte ich. Sollte ich wirklich hinein gehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schüttelte ich den Gedanken mit einem leichten Kopfschütteln ab. ‚<em>Beruhig dich, Betty. Das hier ist doch keiner deiner Krimis. Es ist sicher alles ganz harmlos.</em>‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit festem Griff öffnete ich die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja bitte?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kassierer ging einen Schritt auf mich zu. Er sah verstohlen nach draußen, als wolle er gucken, ob noch jemand da sei, und versuchte, die Tür zu schließen. Ich blieb in der Tür stehen, um ihn daran zu hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann trat wortlos wieder einen Schritt zurück, während er erneut verstohlen zu meinem Auto sah. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit mir zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Entschuldigung, aber bist du allein unterwegs?“, fragte er über den lauten Regen hinweg mit einer tiefen, rauen Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn überrascht an. Hatte er mich gerade gefragt, ob er mit mir allein sei? <em>Wollte</em> er mit mir allein sein?!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf malten sich allerlei Szenaren aus, was der Mann mit mir anstellen könne. Wieder versuchte ich, die Gedanken abzuschütteln, doch mir wollte kein einziger normaler Grund einfallen, warum er das wissen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„E-entschuldigen Sie, aber ich muss wirklich weiter“, wich ich seiner Frage aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich mich jedoch wegdrehen wollte, um zurück zu meinem Auto zu gehen, griff der Mann plötzlich nach meinem Arm. „He, warte mal!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt schrillten all meine Alarmglocken. Es war mir egal, was der Mann von mir wollte. Ich riss mich los und rannte zurück zum Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich lief, merkte ich noch, wie der Mann mir etwas nachrief, konnte es wegen das Regens und dem Klatschen meiner Füße auf dem nassen Boden aber nicht verstehen – um ehrlich zu sein war es mir auch egal. Ich wollte bloß weg von hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Auto angekommen drückte ich sofort die Türverriegelung nach unten. Ich hatte zwar keine Zentralverriegelung, aber wenn mir der Mann folgen würde, würde er es eh zuerst an der Fahrertür versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann trat ich auf die Kupplung und drehte ich den Schlüssel im Zündschloss. Der Motor ratterte, doch er sprang nicht an. Während ich es noch einmal versuchte, starrte ich nach draußen. Von dem Kassierer – wenn er denn wirklich einer war – fehlte jede Spur. Wegen des verdammten Regens und der Dunkelheit konnte ich kaum etwas sehen. Im beleuchteten Tankstellengebäude war er jedenfalls nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich sprang mein Motor an. Fast rechnete ich damit, dass eine große Silhouette im Licht meiner Scheinwerfer auftauchen würde, doch die Tankstellenausfahrt war leer. Ohne eine Sekunde zu zögern, raste ich los. Ich fuhr zurück auf die Landstraße, endlich wieder in Richtung von meinem Zuhause, und versuchte, mein rasendes Herz zu beruhigen. Ich war in Sicherheit – so dachte ich zumindest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während meine Scheibenwischer alle Hände voll damit zu tun hatten, mir ein Mindestmaß an Sicht zu ermöglichen, prasselte der Regen laut auf die Scheibe. Ich musste das Radio fast komplett aufdrehen, um überhaupt das Lied verstehen zu können, das gerade spielte. Es war ein Popsong. Doch obwohl ich das Lied eigentlich mochte, kam es mir jetzt schrill, beinahe unangenehm vor. Immer wieder musste ich an den Mann aus der Tankstelle denken. Was er wohl mit mir gemacht hätte, wenn ich ihn die Tür hätte schließen lassen? Ich wollte gar nicht darüber nachdenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Scheinwerfer, die in meinem Rückspiegel auftauchten, fielen mir zunächst nicht weiter auf. Erst, als ich sah, wie schnell sie näherkamen, schenkte ich ihnen Beachtung. Entgeistert schüttelte ich den Kopf. Wie konnte man bei dem Regen auf einer kurvigen Straße nur so schnell fahren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das Auto zu hupen begann, fuhr ich möglichst weit am rechten Fahrbahnrand, damit es mich überholen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Spinner!“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Auto machte jedoch keine Anstalten, zu überholen. Ganz im Gegenteil: Es wurde immer langsamer, bis es auf gleicher Geschwindigkeit mit mir war, fuhr dabei aber so dicht auf, dass seine Stoßstange mein Auto fast berührte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag mal, bist du bescheuert?“, fragte ich laut, während ich Gas gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt begann das Auto aufzublinken, hupte dabei wieder, fuhr schneller, um weiterhin dicht an meinem Auto zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setzte den rechten Blinker, um zu signalisieren, dass ich überholt werden wollte, doch es brachte nichts. Das Auto blieb direkt hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich tun? Wenn der Fahrer weiter so drängelte, würden wir einen Unfall bauen. Wenn ich bremste oder noch mehr Gas gäbe, sähe das Ergebnis wahrscheinlich ähnlich aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich noch völlig überfordert mit der Situation war, fuhr plötzlich ein Ruck durch meinen Wagen. Es gab einen leisen Knall, woraufhin ich kräftig durchgeschüttelt wurde. Der Wagen hatte mich gerammt!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Rums!</em> Wieder wurde ich gerammt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam mir völlig hilflos vor, stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim dritten Rammen geriet mein Wagen schließlich ins Schleudern. Ich verlor für einen Moment die Kontrolle, schaffte es nicht mehr, richtig zu lenken. Als ich auf die Bremse trat, kam ich schließlich holprig zum Stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit zittrigen Knien und rasendem Herzen, sah ich mich hektisch um. Im Scheinwerferlicht meines Wagens sah ich Wald. Ich hatte Glück, dass ich es geschafft hatte, noch vor den Bäumen anzuhalten. Dann fiel mir das Auto im Rückspiegel auf: Der Verrückte, der mich gerammt hatte, war stehengeblieben!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich tun? Vorwärts konnte ich nicht fahren. Die Bäume waren zu nahe. Rückwärtsfahren ging jedoch auch nicht. Das andere Auto blockierte mir den Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Mann ausstieg, erkannte ich ihn sofort: Es war der Kassierer aus der Tankstelle. Er hatte mich verfolgt. Dann fiel mein Blick auf den Baseballschläger in seiner Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blanke Angst machte sich in mir breit. Ich schnallte mich panisch ab, stieß die Tür auf, blieb beim Aussteigen mit dem Fuß hängen und fiel aus meinem Auto in das nasse Gras.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich bemerkte, dass der Mann auf mich zukam, rappelte ich mich sofort wieder auf und rannte zwischen die Bäume. Äste schlugen nach mir, einer schnitt mir einen Kratzer über die Wange. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He du! Steig sofort aus dem Auto aus! Schön langsam!“, brüllte eine kräftige Stimme hinter mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb verdutzt stehen. Der Mann musste doch gesehen haben, dass ich aus dem Auto geflohen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer Mischung aus Verwirrung und Neugier drehte ich mich um. Ich sah mein Auto, die offene Fahrertür und den Tankstellenkassierer. Er hielt den Baseballschläger drohend vor sich, zeigte damit auf die Hintertür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann verstand ich gar nichts mehr: Die Autotür öffnete sich langsam. Heraus kam ein schwarz gekleideter Mann mit einer Skimaske. In einer seiner erhobenen Hände blitze etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass das Messer fallen“, forderte der Kassierer ihn auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fremde gehorchte, ohne etwas zu erwidern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort griff der Kassierer nach seinem Arm. Wie ein Polizist drehte er ihn in einer flüssigen Bewegung um, hielt ihn fest und drückte ihn gegen mein Auto. Das Messer kickte er mit dem Fuß außer Reichweite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verstört ging ich zum Auto zurück. Den Regen, der inzwischen etwas nachgelassen hatte, bemerkte ich kaum noch. Ich realisierte nicht einmal, wie unkontrolliert ich zitterte. Meine ganze Aufmerksamkeit galt dem Kassierer und dem Fremden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du ein Handy?“, fragte der Kassierer. Er sah mich aufrichtig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, wo ich neben ihm stand, bemerkte ich wieder, wie riesig er war. Im Vergleich zu vorhin wirkte er jedoch sehr viel weniger bedrohlich, beinahe freundlich. Dann blickte ich auf den Mann mit der Skimaske, der in meinem Auto gesessen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich &#8230; ich versteh nicht &#8230;“, stammelte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Als du bei meiner Tankstelle warst, hab ich gesehen, wie dieser <em>nette Herr</em> hier in dein Auto gestiegen ist. Ich wollte dich ja warnen, aber mein etwas &#8230; grobes Aussehen hat dich wohl verschreckt.“ Er lächelte leicht entschuldigend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während mein Hirn auf Hochtouren lief, irgendwie versuchte, zu verarbeiten, was in den letzten Minuten geschehen war, sah ich verwirrt zwischen den beiden Männern hin und her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kassierer musste mich erneut darum bitten, den Notruf zu wählen, bis ich seinem Wunsch endlich nachkam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als die Polizei da war, schaffte ich es langsam, die ganze Situation zu begreifen. Ein maskierter Mann hatte sich mit einem Messer in mein Auto geschlichen. Hätte Charly – so hieß der Kassierer – ihn nicht gesehen und wäre mir nicht gefolgt, wäre ich mit dem Fremden ganz allein gewesen. Mitten im Nirgendwo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hatte nichts Besseres zu tun, als meinem Retter zu misstrauen. Ich hatte ihn zu schnell beurteilt. Doch das würde mir nur einmal passieren. Ich wollte mich bei Charly bedanken, ihn auf einen Kaffee einladen. Schließlich war scheinbar ein echt netter Mann, nein, er war ein Held.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Killer in the Backseat (Englisch für „Mörder auf der Rücksitzbank“), seltener High Beams (Englisch für „Fernlicht“), ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Amerika und Großbritannien. Es gibt sie in unzähligen Versionen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es sehr viele verschiedene Versionen von Killer in the Backseat gibt, ist der Täter fast ausschließlich männlich. Häufig hat er eine Waffe wie ein Messer, eine Axt oder eine Pistole dabei, seltener ist er unbewaffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einigen Versionen wird der Täter überhaupt nicht beschrieben, in anderen wird gesagt, dass er ein gesuchter Mörder oder ein entflohener Insasse einer Nervenheilanstalt sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gibt es Versionen, in denen der Täter ein Ganganwärter sein soll. Hier heißt es, dass man – um bei der Gang mitmachen zu dürfen – einer Frau ein Körperteil abschneiden, sie entführen, sie vergewaltigen oder sie umbringen müsse. Besonders beliebt ist dieses angebliche Motiv des Täters bei Kettenbriefen, die von der &#8222;Killer in the Backseat&#8220;-Legende erzählen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der vielen Versionen lässt sich ihr Ablauf hauptsächlich in zwei Varianten einteilen:</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 1:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Variante beginnt in einer Gaststätte, an einer Tankstelle, in einem Fastfood Restaurant o. Ä. oder direkt im Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie nicht direkt im Auto beginnt, tankt die Protagonistin ihr Auto, trinkt einen Kaffee o. Ä., als ein Mann sie anspricht. Weil es schon sehr spät ist – teilweise ist sie auch mit dem Mann allein –, fühlt sie sich unwohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann sieht häufig recht grob und nicht vertrauenserweckend aus – z. B. ist er ein Trucker, trägt viele Tattoos, ist groß und/oder hat eine dunklere Hautfarbe (die viele Weiße leider auch heute noch als nicht vertrauenserweckend empfinden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann versucht, sie daran zu hindern, zurück zum Auto zu gehen oder sie vom Auto wegzulocken, woraufhin die Frau Angst bekommt und mit ihrem Auto abhaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal fällt dieser Anfang auch weg und die Geschichte beginnt, wenn die Frau bereits im Auto sitzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Fahrt fällt der Frau recht bald auf, dass sie von einem Auto verfolgt wird. Es fährt dicht heran, blendet mit dem Fernlicht auf oder rammt ihr Auto sogar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Protagonistin fürchtet jetzt um ihr Leben, doch so sehr sie auch versucht, ihren Verfolger abzuhängen, es funktioniert nicht. Sie hält erst an, als sie einen Unfall baut, ihr Auto abwürgt (und es nicht mehr anspringt) oder sie ihr Ziel erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ein Mann aus dem Auto steigt, erkennt sie sofort, dass es der Mann ist, der sie zuvor angesprochen hat. Je nach Version fordert der Mann sie auf, das Auto zu verlassen, sie rennt in ein Haus oder hupt ihren Ehemann, Freund oder Vater vor die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin erklärt der Verfolger sofort, dass er der Frau gar nichts Böses wollte. Er habe bemerkt, dass sich ein Mann auf ihrer Rücksitzbank befindet. Das Aufblenden und Rammen sollte nur dazu dienen, dass der Mann die Frau nicht angreifen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte kann auf zwei unterschiedliche Arten enden: Entweder, sie rufen die Polizei, die den Einbrecher sofort festnimmt, oder sie sehen auf dem Rücksitz nach, finden jedoch nur eine offene Tür auf der Beifahrerseite und eine Waffe auf der Rücksitzbank.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 2:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Variante von Killer in the Backseat befindet sich die Protagonistin fast immer an einer Tankstelle. Nachdem sie ihr Auto aufgetankt hat, macht der Kassierer der Tankstelle sie auf sich aufmerksam. Entweder, als sie die Tankstelle betritt, oder nachdem sie direkt an der Tanksäule per Karte bezahlt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Z. B. bittet er sie zu sich, weil es Probleme bei der Zahlung gegeben habe, oder er hindert sie unter dem Vorwand, dass es etwas mit ihrem Auto nicht stimme, am Losfahren und überredet sie, wieder auszusteigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald die Frau vom Auto weg ist und sie außer Hörweite sind, erklärt er, dass er gesehen habe, wie sich ein Mann auf ihrer Rücksitzbank versteckt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder gibt es mehrere Varianten, wie diese Geschichte enden kann: Entweder, die Frau tut so, als wäre sie noch mit dem Kassierer beschäftigt, bis die zuvor gerufene Polizei eintrifft, oder sie sieht, wie der Täter aus dem Auto flieht, nachdem er bemerkt, dass er entdeckt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten flieht die Frau auch, bevor der Kassierer sie warnen kann, woraufhin die Frau im Auto ermordet wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ort des Geschehens variiert von Geschichte zu Geschichte. Häufig bauen die Erzähler sie so um, dass es eine Gegend in der Nähe oder die Stadt, in der man sich befindet, betrifft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Killer in the Backseat“ Geschichte existiert schon seit mehreren Jahrzehnten und wurde auf mehrere unterschiedliche Weisen verbreitet – hauptsächlich über das Internet als Kettenbrief oder per Mund-zu-Mund Propaganda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da hierbei unterschiedlichste Methoden verwendet wurden, hat sie schnell viele verschiedene Zielgruppen erreicht. So wurde sie als bloße Gruselgeschichte, als angeblich wahres Erlebnis, als vermeintliche Warnung oder sogar als angeblicher Bericht einer Polizeistelle verbreitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem haben viele Serien, wie die Simpsons oder X-Factor, aber auch viele Horrorfilme die Legende aufgegriffen, was wiederum bei der Verbreitung geholfen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie oder wo genau die urbane Legende begonnen hat, ist jedoch unklar. Sie ließ sich jedoch mindestens auf 1967 zurückverfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird vermutet, dass sie lose an einen wahren Fall angelehnt sein könnte. So gab es tatsächlich schon mehrere Fälle von Straftätern, die sich auf dem Rücksitz eines Autos versteckt haben. Einen Fall, der ähnlich wie Killer in the Backseat ablief, hat man bisher jedoch nicht finden können.</p>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Killer in the Backseat? Kanntet ihr die Legende bereits? Wie hätte ihr euch an Bettys Stelle verhalten? Hättet ihr Charly mehr Vertrauen geschenkt? Oder wärt ihr auch vor ihm geflüchtet? Und was würdet ihr tun, wenn euch ein fremdes Auto verfolgt? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/killer-in-the-backseat">Killer in the Backseat – der Mörder auf der Rücksitzbank</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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		<title>Black Eyed Children – Die schwarzäugigen Kinder (überarbeitet)</title>
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					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/black-eyed-children#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Creepypasta]]></category>
		<category><![CDATA[Dämonen]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[amerikanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Black Eyed Children]]></category>
		<category><![CDATA[Black Eyed Kids]]></category>
		<category><![CDATA[britische Legende]]></category>
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		<category><![CDATA[englische Legende]]></category>
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		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Jetzt lassen Sie uns rein!“, befahl das Mädchen sehr aufdringlich.<br />
In diesem Moment sahen beide Kinder gleichzeitig auf. Erschrocken taumelte ich zurück.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/black-eyed-children">Black Eyed Children – Die schwarzäugigen Kinder (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Black Eyed Children waren mein aller erster Beitrag auf diesem Blog, der zusammen mit drei anderen Beiträgen am 01. April 2019 von mir veröffentlicht wurde. Daher habe ich mich entschieden, diesen Artikel zu überarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein regnerischer Herbstabend – aber keiner von den gemütlichen, an denen man sich wohl und geborgen fühlt. Ganz im Gegenteil: Ich war noch immer angespannt von meinem anstrengenden Tag auf der Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, auf das ich mich heute gefreut hatte, war, mich am Abend mit meinem Mann aufs Sofa zu legen und bei einem mittelmäßigen Krimi in seinen Armen einzuschlafen. Als ich ankam, war er jedoch noch nicht da. Dafür müsste er jeden Moment hier sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war gerade dabei, mir einen Tee aufzusetzen, als ich plötzlich Schritte vor dem Küchenfenster hörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Na endlich’, dachte ich. Dann zögerte ich. Es klang nach mehr als einer Person – zwei, vielleicht drei Leute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starrte aus dem Küchenfenster in Richtung Straße, konnte in der Dunkelheit in unserem Vorgarten jedoch nichts erkennen. Wenn es nicht mein Mann war, wer war es dann? Hoffentlich waren es keine Einbrecher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So leise ich konnte, schlich ich in den Flur. Ich nahm den Baseballschläger, den mein Mann zur Selbstverteidigung dort hingestellt hatte, und ging weiter zur Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig legte ich meine Hand auf die kalte Türklinke, als es plötzlich klingelte. Das Geräusch war so laut und unerwartet, dass ich meine Hand erschrocken wegzog.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer würde bitte um kurz nach elf noch bei uns klingeln? Und das bei dem Regen? War es vielleicht ein Mörder? Ich hatte schon häufiger davon gehört, dass Mörder und Vergewaltiger nachts an Türen klingelten, einen Grund nannten, warum sie ins Haus wollten – etwa weil sie dringend auf die Toilette müssten oder ihr Handy Akku leer sei – und dann zuschlugen, wenn die Tür hinter ihnen geschlossen war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Ach Susy, du bist wieder zu paranoid‘, dachte ich. Aber was, wenn nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein erneutes Klingeln ließ zusammenzucken. Sollte ich die Tür öffnen? War es vielleicht etwas Wichtiges?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich umschloss den Baseballschläger fester mit meiner Hand und gab mir einen Ruck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch einen schmalen Spalt geöffneter Tür spähte ich nach draußen. „Ja bitte?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann erstarrte ich. Dort standen tatsächlich zwei Personen vor der Haustür. Es waren aber keine Mörder und ganz sicher keine Vergewaltiger. Es waren zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen, sicherlich nicht älter als zwölf. Das Mädchen weinte. Sie waren völlig durchnässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Können Sie uns bitte hereinlassen? Wir würden gerne kurz telefonieren“, sagte der Jung ruhig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah ihn verwundert an. Ein Unwohlsein breitete sich in mir aus. Irgendetwas an den Kindern war seltsam. Trotzdem öffnete ich die Tür ganz und stellte den Baseballschläger beiseite.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los? Wieso seid ihr nachts bei dem Wetter ganz alleine unterwegs? Wo sind eure Eltern?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die wollen wir ja anrufen. Ein fremder Mann hat uns verfolgt“, antwortete der Junge. In seiner Stimme lag jedoch keinerlei Panik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich ungewöhnlich für so einen schüchternen Jungen. Er hielt die ganze Zeit den Kopf gesenkt, sprach aber völlig normal. Das Mädchen weinte noch immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weiter darüber nachzudenken, zog ich mein Handy aus der Tasche. „Wie ist denn eure Telefonnummer?“, fragte ich, während ich in die Hocke ging, damit die Kinder sich nicht eingeschüchtert fühlten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Junge senkte seinen Kopf noch weiter, als wolle er meinem Blick ausweichen. Dann schüttelte er den Kopf. „Wir wollen unsere Eltern selbst anrufen!“, sagte er mit entschlossener, fast schon befehlender Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas irritiert hielt ich dem Jungen mein Handy hin, doch er machte keine Anstalten, es an sich zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein! Das Festnetztelefon!“, sagte das Mädchen plötzlich. Es hatte aufgehört zu weinen, sah aber ebenfalls zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kennt ihr die Vorwahl nicht? Die kann ich euch sagen, dann müsst ihr nur die Nummer eingeben“, erwiderte ich verwirrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lassen Sie uns einfach rein!“, sagte der Junge streng.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ungute Gefühl in mir wurde stärker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dürfen wir vielleicht kurz die Toilette benutzen?“, fragte der Junge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder einen Schluck trinken?“, ergänzte das Mädchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso wollten die beiden Kinder so unbedingt in mein Haus kommen? Froren sie bloß? Oder war das irgendeine Art Trick?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verstohlen sag ich die Straße entlang. Dort war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Keine einzige Menschenseele, die im Regen stand oder ging. Nicht einmal ein Auto, das ich nicht kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr kurz wartet, kann ich euch etwas zu Trinken bringen. Aber ich kann euch wirklich nicht ins Haus lassen“, erwiderte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jetzt lassen Sie uns rein!“, befahl das Mädchen sehr aufdringlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Moment sahen beide Kinder gleichzeitig auf. Erschrocken taumelte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, wo die Augen der Kinder hätten sein müssen, waren pechschwarze Löcher. Auf einen zweiten Blick bemerkte ich, dass die Löcher in Wirklichkeit die Augenwaren. Ihnen fehlte jeder Glanz, jede Farbe. Keine Reflexion, nicht einmal ein kleines bisschen Weiß war zu sehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schlug ich die Tür zu. Dann Schoss ich ab und griff nach dem Baseballschläger. Ich setzte mich mit dem Rücken an die Tür, als könne mein Körper die Tür zusätzlich daran hindern, geöffnet zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kinder – oder was auch immer sie waren – würde ich niemals in das Haus lassen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Klingeln traf mich wie ein Schlag. Hatte ich den Kindern nicht klar gemacht, dass ich sie nicht hereinlassen würde!? Doch sie beließen es nicht dabei. Nein. Es begann ein regelrechtes Sturmklingeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß wie versteinert da, den Baseballschläger so fest in den Händen, dass meine Knöchel weiß hervortraten. Wieso gingen die Kinder nicht weg?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als hätten sie meine Gedanken gelesen, hörte das Klingeln plötzlich auf. Verunsichert drehte ich mich zur Tür. Ich lauschte. Von draußen waren keine Schritte zu hören. Standen die Kinder noch dort?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorsichtig stand ich auf. Dann blockierte ich die Tür mit dem Fuß, sodass sie sich nur einen Spalt breit öffnen ließ, und spähte nach draußen. Die Kinder waren verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert atmete ich auf. Jetzt musste nur noch mein Mann nach Hause kommen und ich konnte das alles vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer recht aufgewühlt, schlenderte ich zurück in die Küche. Mein Tee war inzwischen nur noch lauwarm. Ich trank ihn trotzdem, während ich versuchte, mich zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nervös sah ich zur Uhr. Es war inzwischen halb zwölf. Langsam musste mein Mann doch hier sein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte bereits darüber nach, ins Bett zu gehen, wusste aber genau, dass ich alleine kein Auge zubekommen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hörte ich plötzlich ein Geräusch aus dem Flur. Ich bewegte mich keinen Zentimeter, hielt sogar den Atem an. Wenn das jemand anderes als mein Mann war …</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schatz, ich bin wieder zu Hause!“, erklang eine vertraute Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert sprang ich auf. Ich war bereits im Flur, als ich in der Bewegung erstarrte. Mein Mann war nicht alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die beiden haben auf der Auffahrt rumgelungert. Kannst du dir das vorstellen? Bei dem Regen? Sie wollen jedenfalls kurz unser Telefon benutzen“, sagte er und deutete auf die beiden Kinder.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die urbane Legende der schwarzäugigen Kinder, auch Black Eyed Children oder Black Eyed Kids genannt, ist vor allem in Amerika weit verbreitet. Dort gibt es immer wieder Leute, die behaupten, die seltsamen Kinder gesehen zu haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Black Eyed Children sehen wie normale sechs bis sechzehnjährige Kinder aus. Die einzigen Unterschiede sind, dass sie komplett schwarze, glanzlose Augen und eine sehr helle Haut haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichte über sie variieren meist zwischen einzelnen Kindern und Zweierpaaren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass die Black Eyed Children nachts Leute besuchen. Sie klingeln an Haustüren oder klopfen an Autoscheiben und bitten darum, hereingelassen zu werden. Häufig nennen sie hierbei einen Vorwand: Sie müssten auf Toilette, fragen, on sie kurz telefonieren könnten, würden gerne im Auto mitgenommen werden o.Ä.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sollen jedoch eine so unheimliche Ausstrahlung haben, dass die meisten Leute sie nicht hereinlassen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem sollen die Kinder Augenkontakt meiden und mit ihren Forderungen, in das Haus oder Auto gelassen zu werden, immer aufdringlicher werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Fällen sehen die Black Eyed Children schließlich auf, wodurch man ihre schwarzen Augen sieht. Sie fordern weiterhin, dass man sie hereinlässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn dies immer noch nicht geschieht, sollen sie nach einiger Zeit aufgeben und weggehen, woraufhin sie spurlos verschwinden sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt viele Theorien darüber, wer oder was die Black Eyed Children wirklich sind. Einige Leute behaupten, es seien Geister, andere sagen, es seien Dämonen oder von Dämonen besessene Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sogar Leute, die davon ausgehen, dass es sich bei den schwarzäugigen Kindern um Vampire handelt. Als Anlass dafür werden die bleiche Haut, die fast ausschließlichen Sichtungen bei Nacht, sowie die Aufdringlichkeit der Kinder genannt, in das Haus gelassen zu werden, da Vampire Häuser ohne vorherige Einladung nicht betreten können sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wer oder was die schwarzäugigen Kinder auch sind, es gibt niemanden, der je glaubwürdig davon berichtet hat, was passiert, wenn man die Kinder hereinlässt – es heißt, das liege daran, dass sie es nicht mehr berichtet können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wo genau die schwarzäugigen Kinder herkommen oder die meiste Zeit über leben, ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass sie nachts auftauchen und es die meisten Sichtungen in Amerika gibt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Ursprung der urbanen Legende der Black Eyed Children ist nur wenig bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird vermutet, dass die ersten Sichtungen in den 1980er Jahren in Cannock Chase, England waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte jedoch bis 1996, dass die Legende an Popularität gewann, als der amerikanische Journalist Brian Bethel von seiner Begegnung mit zwei Black Eyed Children berichtet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend soll sich die Legende dann im Internet – in Form von angeblichen Zeugenberichten und später Creepypastas – wie ein Lauffeuer verbreitet haben, wodurch die Legende der schwarzäugigen Kinder ihre heutige Beliebtheit erlangte.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Black Eyed Children? Wie würdet ihr reagieren, wenn die schwarzäugigen Kinder vor eurer Tür stehen oder an euer Autofenster klopfen würde? Seid ihr vielleicht sogar schonmal einem begegnet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" label=" (öffnet in neuem Tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em> </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/black-eyed-children">Black Eyed Children – Die schwarzäugigen Kinder (überarbeitet)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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