<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Antagonist Archive - Geister und Legenden</title>
	<atom:link href="https://www.geister-und-legenden.de/tag/antagonist/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/tag/antagonist</link>
	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
	<lastBuildDate>Mon, 11 Jan 2021 14:58:19 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://www.geister-und-legenden.de/wp-content/uploads/2019/03/Icon2-150x150.jpg</url>
	<title>Antagonist Archive - Geister und Legenden</title>
	<link>https://www.geister-und-legenden.de/tag/antagonist</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Futakuchi-onna</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/futakuchi-onna</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/futakuchi-onna#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2021 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Flüche]]></category>
		<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Yōkai]]></category>
		<category><![CDATA[Antagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Fluch]]></category>
		<category><![CDATA[Futakuchi-onna]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Grusel]]></category>
		<category><![CDATA[Gruselgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Horrorgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Japan]]></category>
		<category><![CDATA[japanische Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Monster]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<category><![CDATA[Yokai]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1611</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ich horchte auf. „Irgendjemand?“, fragte ich schockiert, als ich für einen Moment meine Fassung verlor. „Du denkst doch nicht ernsthaft, dass jemand bei uns einbricht, um unsere Essensreste oder unseren Reis zu stehlen!?“ Hatte er irgendetwas gemerkt ...?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/futakuchi-onna">Futakuchi-onna</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e5cf0e441ba84e6980dc7bfeca685bff" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die Futakuchi-onna ist ein bekannter <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/yokai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yōkai</a> aus Japan. Verschiedenste Erzählungen über die seltsamen Frauen sind im ganzen Land verbreitet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist schon wieder Essen verschwunden“, grummelte mein Verlobter Hiroto beim Frühstück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hmm? Ja, die Ratten scheinen das Gift nicht zu fressen. Vielleicht sollten wir einen anderen Köder ausprobieren?“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Noch</em> einen anderen Köder?“, fragte Hiroto. Er wirkte gereizt. „Die neuen Köder sollen sogar geruch- und geschmacklos sein. Wie sollen Ratten das Essen dann unterscheiden? Außerdem wissen wir ja noch nicht einmal, ob es Ratten sind. Ich habe jedenfalls noch keine im Haus gesehen. Und trotzdem frisst irgendetwas unsere Lebensmittel weg – oder irgendjemand.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich horchte auf. „Irgendjemand?“, fragte ich schockiert, als ich für einen Moment meine Fassung verlor. „Du denkst doch nicht ernsthaft, dass jemand bei uns einbricht, um unsere Essensreste oder unseren Reis zu stehlen!?“ Hatte er irgendetwas gemerkt &#8230;?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach ich weiß auch nicht“, gestand er. „Aber es kann doch nicht sein, dass einfach so Lebensmittel aus unserer Küche verschwinden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles hatte vor etwa zwei Wochen angefangen, als meinem Verlobten aufgefallen war, dass wir jede Woche mehr Essen einkauften, als wir zu zweit verbrauchen konnten. Trotzdem waren unsere Schränke vor dem Einkaufen immer fast leer, obwohl wir fast nie etwas wegwarfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem war ich sehr viel vorsichtiger geworden. Ich hatte die Theorie mit den Ratten eingeworfen und fortan nach dem Kochen darauf geachtet, die Sachen so hinzustellen, dass unsere Schränke möglichst voll aussahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem entging meinem Verlobten nicht, wie schnell unsere Vorräte wieder leer waren – zumal ich immer nur sehr wenig aß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So begann eine Art Katz und Maus Spiel: Ich versuchte, ihn zu beschwichtigen, mir Ausreden auszudenken und von unserem hohen Lebensmittelverbrauch abzulenken, während er umso genauer darauf achtete. Gleichzeitig lächelte ich immerzu. Ich tat auf naive, glückliche Verlobte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute war es nicht anders. Ich lächelte den ganzen Morgen, bis er schließlich zur Arbeit musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er das Haus verlassen hatte, war ich hingegen nicht die einzige, die erleichtert darüber war, dass er jetzt einige Stunden fort sein würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Endlich ist er weg. Ich sterbe fast vor Hunger &#8230; Wenn es so weitergeht, kannst du mich nicht mehr lange vor ihm verstecken“, ertönte eine Stimme hinter mir. Beziehungsweise klang es nur so, als sei die Stimme hinter mir &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich löste meinen Zopf, während ich in die Küche ging, woraufhin ein großer Mund an meinem Hinterkopf sichtbar wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst konnte ihn natürlich nicht sehen. Um ehrlich zu sein, hatte ich ihn erst ein einziges Mal betrachtet, als ich mit einem Handspiegel im Badezimmer stand &#8230; Es war kein schöner Anblick gewesen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mund war sehr viel größer als mein richtiger. Er besaß große, menschliche Zähne, dicke Lippen und einen eigenen Rachen mit Zunge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn er Essen in sich hineinschaufelte – wozu er inzwischen übergegangen war –, nutzte er meine Haare als eine Art Greifarme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Iss nicht zu viel aus dem Kühlschrank!“, mahnte ich. „Sonst merkt Hiroto, dass es keine Ratten sein können!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mund ignorierte mich. „Ach, das hat er doch eh schon gemerkt. Du wirst dir eine neue Ausrede einfallen lassen müssen!“, erwiderte er mit vollem Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich seufzte. Wenigstens würde der Mund mir dabei helfen können. Wenn er erst einmal gegessen hatte, war er um einiges erträglicher. Ich würde es niemals zugeben, aber manchmal kam er mir fast wie ein Freund vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits änderte es nichts daran, wie unmöglich er sich verhielt, wenn er Hunger hatte. Er drohte mir, beleidigte mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem war da noch dieses absolut widerwärtige Gefühl, wenn er aß &#8230; Die großen Portionen, die sich nur halb zerkaut als dickflüssige Masse langsam von meinem Hinterkopf bis in meinen Hals und weiter in meinen Magen schoben &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen liefen mir dabei zwar keine Tränen mehr über die Wangen, aber es würde mindestens noch einige Jahre dauern, bis ich mich daran gewöhnt hatte. In den vergangenen drei Jahren war es mir jedenfalls nicht gelungen. So lange war es her, dass der Mund plötzlich an meinem Hinterkopf aufgetaucht war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hatte alles mit meiner Essstörung. Während meiner Jugend wurde ich ständig dafür geärgert, dass ich dicker war, als die anderen, bis ich irgendwann anfing, immer weniger zu essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Komplimente, dass ich abgenommen hätte, bestärkten mich in meinem Vorhaben. Das einzige, was mich davon abhielt, tagelang zu fasten, und mich dazu brachte, wenigstens eine halbe Portion des Mittagessens zu mir zu nehmen, waren meine Eltern. Als ich jedoch ausgezogen war, konnte ich meiner Magersucht freien Lauf lassen, bis ich schließlich starke Kopfschmerzen bekam. Es hatte sich angefühlt, als würde mein Schädel sich spalten – und in gewisser Weise hatte er das ja auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte meinem Körper zu lange das Essen verweigert, ihn ausgehungert, sodass er sich einen anderen Weg suchte, Nahrung zu sich zu nehmen &#8230; Ich war zu einem Monster geworden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Mund endlich mit Essen fertig war, räumte ich die Küche auf. Dann setzte ich mich ins Wohnzimmer, um einen neuen Plan für Hiroto auszuarbeiten – jedoch ohne meine Haare wieder zu einem Zopf zu binden, damit ich den Mund weiterhin gut verstehen konnte. Immerhin hatte er manchmal echt gute Einfälle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Überlegungen dauerten mehrere Stunden. Eine Idee schien wirrer als die andere. Wir waren uns fast nur gegenseitig am Widersprechen. Dann hatte der Mund einen Einfall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So ein Quatsch“, protestierte ich. „Als würde es einem nicht auffallen, wenn ein fremder Mann im eigenen Haus leben würde!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Glaub mir doch, Yuzuki! Es lief eine Doku darüber, als du letztens vor dem Fernseher eingeschlafen warst!“, erwiderte der Mund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, das hast du bloß geträumt!“, keifte ich zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war völlig hirnrissig. Vielleicht lief ein Horrorfilm, aber doch keine Doku!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem nahm ich mein Handy heraus, um danach im Internet zu suchen – jedoch eher, um dem Mund zu beweisen, wie bescheuert die Idee war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die ersten Artikel auf meinem Handy auftauchten, traute ich meinen Augen kaum. Meine Kinnlade klappte herunter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Geschichten von Leuten, die in fremden Häusern gelebt haben. 10 Menschen, die heimlich in den Häusern anderer wohnten. Obdachlose lebt ein Jahr heimlich in fremder Wohnung.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich blieb ich skeptisch. Ich begann, mehr als nur die Überschriften zu lesen. Einige der Geschichten waren nicht bewiesen – Horrorgeschichten und urbane Legenden –, andere hingegen waren wahr. Und es gab noch sehr viel mehr solcher Artikel!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na also. Glaubst du mir jetzt?“, fragte der Mund. Mir entging nicht die Genugtuung in seiner Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beachtete ihn nicht. Stattdessen arbeitete mein Hirn bereits auf Hochtouren daran, wie ich meinen Verlobten von meiner Theorie überzeugen konnte. Es würde vielleicht ein wenig dauern, doch auch er würde sich schließlich ans Internet wenden. Er würde dieselben Artikel finden, wie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte leise auf. Was war bloß aus mir geworden? Früher hatte ich Hiroto wirklich geliebt. Doch seit wir zusammengezogen waren und ich jede Sekunde aufpassen musste, dass ich mir nichts anmerken ließ, waren da nur noch ich und mein Geheimnis. Auch, wenn ich es mir nur ungern eingestand: Für Liebe oder unsere Beziehung gab es in meinem Kopf keinen Platz mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anmerken ließ ich es mir jedoch nicht. Ich bezweifelte, dass Hiroto auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, dass mit mir etwas nicht stimmte – und ich würde alles daran setzen, dass es so bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also bereitete ich wie jeden Tag gegen Nachmittag das Essen vor. Ich plante es immer so ein, dass mein Verlobter eine warme Mahlzeit hatte, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Ich selbst aß hingegen nur wenig – gerade genug, dass Hiroto sich nicht wunderte, warum ich nicht verhungerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so war es auch heute. Hiroto erzählte mir von seinem Arbeitstag, während wir aßen. Ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Stattdessen wartete ich auf die perfekte Gelegenheit, den ersten Schritt meines Plans einzuleiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hiroto hatte ein großes Stück Fisch in den Mund genommen, wodurch er eine kurze Sprechpause einlegen musste. Das war meine Chance!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gespielt nervös rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her. Dann räusperte ich mich. „Du? Hiroto?“, fragte ich unschuldig. „Als du heute Morgen gesagt hast, dass <em>irgendjemand</em> unsere Vorräte essen könnte &#8230; Nun ja. Ich habe nachgedacht &#8230; Du erinnerst dich doch bestimmt an diesen Film, Parasite. Da hat doch auch ein Mann heimlich im Haus der Familie gewohnt und sich an ihrem Essen bedient &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hiroto schluckte seinen Bissen herunter. „Aber Yuzuki. Du glaubst doch nicht wirklich, dass ein Fremder in unserem Haus wohnen könnte, ohne das wir es bemerken. Das war nur ein Film!“, versuchte er, mich zu beruhigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte nervös, während ich eine leicht gequälte Mine aufsetzte. „Du hast recht. Tut mir leid. Das war nur so eine dumme Idee &#8230;“ Dann wurde ich wieder sehr still, tat so, als würde ich nachdenken, mir Gedanken über meine Theorie machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Schritt war getan: Ich hatte die Saat dieser wirren Idee in Hirotos Kopf gepflanzt. Jetzt musste ich nur noch darauf warten, dass sie aufblühte. Ich hätte jedoch niemals damit gerechnet, dass mein Plan <em>zu gut</em> funktionieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits am nächsten Morgen sprach mich Hiroto erneut darauf an. Er habe sich Gedanken darüber gemacht und im Internet recherchiert, als ich schon im Bett war. Ich musste mir ein Lächeln verkneifen, als er mir auf seinem Laptop die Artikel zeigte, die ich gestern noch selbst gelesen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann folgte jedoch die Lücke in meinem Plan – der Fehler, die einzige Variable, die ich nicht bedacht hatte: Dass mein Verlobter mich aus ganzem Herzen liebte. Dass er sich Sorgen um mich machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe es schon mit der Arbeit geklärt. Ich bleibe heute zu Hause. Vielleicht auch die nächsten Tage. Das sehen wir dann“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber Hiroto“, versuchte ich zu widersprechen, „Das musst du nicht. Wirklich nicht. Deine Arbeit ist doch wichtiger &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es brachte nichts. Hirotos Beschluss stand fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und was, wenn es doch stimmt? Wenn ein Perverser oder ein Verrückter sich in unserem Haus versteckt? Solange auch nur der Hauch einer Chance besteht, dass an deiner Theorie etwas dran ist, lasse ich dich hier ganz sicher nicht allein!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was dann folgte, waren einige der schlimmsten Tage meines Lebens. Noch nie hatte ich meinen zweiten Mund so hungern lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am ersten Tag konnte ich ihn noch beschwichtigen. Wir hatten die Hoffnung, dass Hiroto am nächsten Tag wieder zur Arbeit fahren würde. Aber natürlich wäre das zur einfach gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach, mach dir darum keine Sorgen. Ich habe noch genug Urlaubstage“, erklärte er, nachdem ich gefragt hatte, ob er sich eine berufliche Auszeit überhaupt leisten könne. „Und selbst, wenn es tatsächlich nur Ratten sein sollten &#8230; Dann verbringe ich halt ein paar schöne Tage mit meiner wunderschönen Verlobten!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich strahlte ihn an. Ein unehrliches Strahlen. Aber das konnte Hiroto ja nicht wissen. Innerlich hatte ich jedenfalls einen halben Nervenzusammenbruch. Wie sollte ich den Mund ausreichend füttern, wenn ich nicht alleine war? Er wurde bereits unerträglich, wenn er 24 Stunden nichts zu Essen bekam. Wie wäre es erst bei mehreren Tagen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu meinem Leid sollte ich es bald herausfinden. Am zweiten Tag konnte er sich noch einigermaßen zurückhalten. Klar, er beleidigte mich, wann immer ich alleine war. Jedes Mal, wenn ich auf Toilette verschwand, durfte ich mir geflüsterte Beschuldigungen und Schimpftiraden anhören. Doch dass ich ihm immer wieder Essen zusteckte, das ich heimlich aus der Küche entwand, schien ihn etwas zu beschwichtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich schlimm wurde es jedoch bereits am dritten Tag, als der Hunger deutlich an ihm zu nagen schien. Normalerweise war er sehr vorsichtig. Er hatte mir zwar schon häufig gedroht, meinen Verlobten auf sich aufmerksam zu machen, wenn er kein Essen bekam, doch insgeheim schien er davor genauso viel Angst zu haben, wie ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt wurde er jedoch langsam sehr unvorsichtig. Er flüsterte mir zu, selbst wenn Hiroto im Raum war und verwickelte mich in Gespräche, wann immer mein Verlobter das Zimmer verließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du kannst doch den Zopf lösen, wenn du gleich kochst“, schlug der Mund vor. „Ich bediene mich dann selbst &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein. Das ist zu riskant!“, flüsterte ich. „Hiroto rennt durchs ganze Haus. Er könnte dich sehen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mund brummte beleidigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begannen die Kopfschmerzen. Ein stechender Schmerz explodierte an meinem Hinterkopf, genau an der Stelle, an der sich der Mund befand. Er machte das mit Absicht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ahh! Lass das!“, presste ich unter Schmerzen hervor. „Wir sitzen hier im selben Boot! Pass auf, ich mach dir einen Vorschlag: Wenn wir das hier durchgestanden haben, kaufen wir dir ganz viel von dieser Matcha-Schokolade, die du so liebst. Einverstanden?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mit wem sprichst du?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erstarrte. Auch die Schmerzen an meinem Hinterkopf stoppten abrupt. Hiroto stand in der Wohnzimmertür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem er sich vergewissert hatte, dass ich alleine im Raum war, sah er mich leicht besorgt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lachte nervös. „Mit mir selbst“, gestand ich. Flüchtig sah ich mich um. Dann fiel mein Blick auf meine Laptoptasche, die an den Tisch gelehnt neben mir stand. „Der Henkel an meiner Laptoptasche ist gerade gerissen &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war bereits vor einigen Tagen passiert. Hoffentlich hatte Hiroto es noch nicht bemerkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach Yuzuki“, Hiroto schmunzelte. „Es gibt doch wirklich schlimmere Sachen, über die man sich aufregen kann. Bestell dir einfach eine Neue. Hier. Du kannst meinen Account nehmen. Ich bin noch angemeldet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lächelte mein wärmstes, dankbarstes Lächeln, als ich meinem Verlobten das Handy abnahm, das er mir entgegenhielt. Das war ja gerade noch einmal gutgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich auf Hirotos Handy blickte, wartete jedoch bereits die nächste unschöne Überraschung auf mich: <em>‚Zuletzt bestellter Artikel: Home Security Überwachungskamera Set‘</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hiroto?“, fragte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Verlobter kam sofort zurück ins Wohnzimmer. „Hmm?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast Überwachungskameras bestellt?“, fragte ich, während ich ihm das Display entgegenhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach so, ja. Ich hätte es dir eh gleich beim Essen erzählt. Wenn die erstmal hängen, musst du dir keine Sorgen mehr machen. Dann sehen wir, ob sich jemand in unserem Haus herumtreibt. Und selbst wenn nicht, können wir dann wenigstens nachvollziehen, wohin unser Essen verschwindet!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kam mir vor, als hätte man einen Vorhang um mich gezogen. Sämtliche Geräusche wurden plötzlich dumpf. Meine Sicht leicht verschwommen. Mein ganzer Körper fühlte sich sehr schwer an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte kaum, wie ich die nächstbeste Laptoptasche im Internet bestellte, Hiroto sein Handy zurückgab und in der Küche verschwand, um das Essen vorzubereiten. Meine Hände bewegten sich wie von selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Hiroto tatsächlich Kameras im Haus aufhängen sollte, hatte ich keine Möglichkeit mehr, mein Geheimnis zu bewahren. Ich würde meinen zweiten Mund nicht mehr vor ihm verstecken können &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst, wenn ich eine Lösung finden würde, wie ich den Mund wenigstens ab und an füttern könnte, würde es trotzdem viele Tage des Fastens geben. Ich hatte die letzten Tage selbst erlebt, wie anstrengend und unausstehlich er werden konnte, wenn er wirklich Hunger hatte. Und da hatte ich ihm wenigstens ab und an noch eine Kleinigkeit zustecken können. Wenn er jedoch gar kein Essen mehr bekommen würde &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich blieb mein Blick an etwas hängen, das auf dem Küchentisch lag. Es war einer der Köder mit dem geruch- und geschmacklosen Rattengift &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Plan war genial. Niemand würde mich verdächtigen. In unserer Küche lag überall Rattengift herum. Es wäre ein tragischer Unfall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hatte ich kein Motiv. Hiroto hatte kein Testament verfasst. Vor der Hochzeit stand mir nicht ein Yen seines Geldes zu. Dann hätte ich alles verloren, wäre die trauernde Verlobte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich über Alternativen nachgedacht hätte. Ich hätte mich von ihm trennen können, darüber streiten, dass ich keine Kameras im eigenen Haus möchte, mir eine Ausrede einfallen lassen können, wieso ich das Essen entwendete. Doch das tat ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken blieben stur bei dem Plan hängen, meinen Verlobten zu vergiften. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, wie zu Schulzeiten, wenn man sich bei einer Klassenarbeit so sehr in einer Aufgabe verrannte, dass man die anderen gar nicht mehr wahrzunehmen schien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so brachte ich etwa eine halbe Stunde später das fertige Essen ins Wohnzimmer. Ich würde selbst auch etwas von dem vergifteten Curry essen müssen, damit mein Alibi perfekt war. Doch im Gegensatz zu Hiroto aß ich nur sehr wenig. Im Gegensatz zu ihm würde ich überleben &#8230;</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Futakuchi-onna (japanisch für „Zweimund-Frau“) sind Frauen, die einen zweiten Mund an ihrem Hinterkopf besitzen. Sie zählen zu den Yōkai.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Futakuchi-onna lassen sich äußerlich kaum von normalen Frauen unterscheiden – besonders, wenn sie ihre Haare zusammengebunden oder hochgesteckt tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihrem Hinterkopf – unter ihren langen schwarzen Haaren versteckt – befindet sich jedoch ein großer Mund mit Zähnen, Zunge und Lippen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In fast allen Erzählungen sind Futakuchi-onna Japanerinnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt verschiedene Theorien und Geschichten, wie Futakuchi-onna entstehen können. Häufig ist es ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/flueche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fluch</a> oder ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>, der von einer vorher normalen Frau Besitz ergreift, woraufhin der zweite Mund entsteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gibt es z.&nbsp;B. Geschichten darüber, wie eine Stiefmutter ihre Stieftochter verhungern ließ, während ihre leibliche Tochter immer genug zu Essen bekam. Einige Wochen nach dem Tod der Stieftochter entstand schließlich ein Mund am Hinterkopf der Stiefmutter, der in der Stimme der Stieftochter nach Essen verlangt hat und scheinbar ständig hungrig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Geschichte besagt hingegen, dass die Frau eines Holzfällers bei einem Arbeitsunfall seine Axt in den Hinterkopf bekommen hat. Die Frau hat überlebt, aber anstatt zu verheilen, hat sich die Wunde in einen Mund verwandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Theorien sind nur in kleineren Teilen Japans verbreitet. So wird in einigen Regionen gesagt, dass Futakuchi-onna <a href="https://www.geister-und-legenden.de/yamauba" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yamauba</a> oder andere übernatürliche Wesen seien, die ihre Gestalt verändert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage erfreut sich besonders eine Theorie an Beliebtheit, laut der eine Futakuchi-onna entstehe, wenn eine Frau – z.&nbsp;B. wegen Magersucht oder um Geld zu sparen – absichtlich sehr wenig isst. Als Konsequenz taucht der Mund an ihrem Hinterkopf auf, um das Essen für sie zu übernehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschichten, bei denen eine Frau den zweiten Mund wieder losgeworden ist, gibt es meines Wissens nach keine.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mund am Hinterkopf der Futakuchi-onna verlangt ständig nach Essen. Er redet mit der Frau und flüstert Beleidigungen oder andere Obszönitäten, beginnt laut zu schreien oder verursacht starke Schmerzen, wenn man ihm das Essen verweigert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schaffen Futakuchi-onna es häufig, im Verborgenen zu leben. Häufig wissen Nachbarn, Freunde oder sogar Familienmitglieder, Ehepartner und Mitbewohner nichts von ihrem Geheimnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie verbergen den Mund an ihrem Hinterkopf unter ihren Haaren und ziehen sich zurück, wenn sie ihn „füttern“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wobei „füttern“ das falsche Wort ist, da der Mund sich selbst ernährt. Er formt die umliegenden Haare zu zwei oder mehr tentakelähnlichen Haarsträhnen, mit denen er sich das Essen – je nach Version zivilisiert mit Stäbchen oder direkt – in den Mund schaufelt. Dabei soll er mindestens doppelt so viel essen, wie ein normaler Mensch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund isst die betroffene Frau selbst meist nur sehr wenig oder gar nichts mehr. Wenn also viel Essen im Haus verschwindet, während eine Frau fast gar nichts mehr isst, kann dies ein Anzeichen für die Mitbewohner sein, dass es sich bei der Frau um eine Futakuchi-onna handelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der weiten Verbreitung der Legende und der vielfältigen Möglichkeiten, wie Futakuchi-onna entstehen können, gibt es kaum regionale Begrenzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie können daher in ganz Japan und theoretisch auch in anderen Ländern vorkommen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn ich nur wenig über den Ursprung der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> herausfinden konnte, so gibt es Zeichnungen von Futakuchi-onna, die mindestens ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Die Legende könnte aber auch noch deutlich älter sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass sie als eine Art Warnung entstanden ist oder zumindest als Warnung verbreitet wurde, da sich die meisten Geschichten darum drehen, dass eine Person für ihr Verhalten bestraft wird (zu wenig Essen, um Geld zu sparen oder dünn zu bleiben, dem Stiefkind weniger Aufmerksamkeit schenken, als dem leiblichen Kind, aus Geldgier eine Frau heiraten, die kaum etwas isst etc.).</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Futakuchi-onna? Wenn ihr selbst eine wärt, würdest ihr es auch um jeden Preis geheim halten wollen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ein Familienmitglied sich als Futakuchi-onna entpuppen würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a> oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a>!</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/futakuchi-onna">Futakuchi-onna</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/futakuchi-onna/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>8</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Carmen Winstead</title>
		<link>https://www.geister-und-legenden.de/carmen-winstead</link>
					<comments>https://www.geister-und-legenden.de/carmen-winstead#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Antagonist]]></category>
		<category><![CDATA[Geist]]></category>
		<category><![CDATA[Kettenbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Legende]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Schüler]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.geister-und-legenden.de/?p=1133</guid>

					<description><![CDATA[<p>Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/carmen-winstead">Carmen Winstead</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d27165147c1c42c68bf93f08ec9e8865" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Carmen Winstead ist eine vor allem in Amerika weit verbreitete <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>. Seit 2006 ist dort ein Kettenbrief über die Legende im Umlauf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Glaubt ihr an Geister? Ich war mir nie ganz sicher. Zwar fand ich den Gedanken irgendwie beruhigend, dass nach dem Tod noch etwas kommen würde, der Realist in mir sagte jedoch, dass das nicht möglich sei. Das sollte sich jedoch bald ändern … Mein Name ist Carmen Winstead und das ist meine Geschichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles begann vor einigen Wochen. Mein Dad hatte eine neue Arbeitsstelle bekommen, weswegen ich meine Taschen packen und all meine Freunde zurücklassen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Umzug war ich die meiste Zeit alleine. In der Schule hatten alle schon ihre Cliquen und Freundeskreise. Da hatte niemand Lust, sich mit der Neuen anzufreunden. Und ich war zu schüchtern, um den ersten Schritt zu wagen. Es vergingen Schultage, an denen ich kein einziges Wort sprach …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann jedoch lernte ich Ashley und ihre Freundinnen Madison, Kaylin, Amy und Beccy kennen. Ein Lichtblick in meinem Leben – so dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß alleine in der Mensa und aß still meine Käse Makkaroni, als sich die fünf Mädchen plötzlich zu mir setzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Carmen, wir dürfen doch hier sitzen, oder? Die anderen Tische sind uns zu voll“, sagte Ashley und wartete gar nicht erst auf eine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich lachten die Mädchen. Ich dachte mir nichts dabei. Vielleicht hatten sie eben etwas Lustiges erlebt, über das sie sich noch amüsierten. Hätte ich meinen Blick nicht krampfhaft auf mein Essen gerichtet, um jeglichen Augenkontakt zu vermeiden, hätte ich wohl die Gehässigkeit in Ashley Blick bemerkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Carmen, wie gefällt es dir hier in Indiana? Du kommst schließlich von ziemlich weit weg, oder?“, fragte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Redete sie mit mir? Niemand redete mit mir! Etwas ungläubig sah ich auf. Sie lächelte freundlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„An sich ganz gut. Obwohl es auch etwas einsam ist. Ich vermisse meine Freunde“, gestand ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, das glaube ich. Aber wenn du möchtest, können wir ja deine Freunde werden“, erwiderte Ashley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Freundinnen kicherten wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wirklich?“, fragte ich mit großen Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob es an meiner Einsamkeit oder meiner Naivität lag, dass ich ihre wahren Absichten nicht sofort durchschaute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Tagen behandelten Ashley und ihre Freundinnen mich wie ihr Dienstmädchen. „Carmen, ich habe durst. Hol mir bitte etwas zu trinken.“ „Carmen, meine Sporttasche liegt noch in der Klasse. Kannst du sie mir bitte bringen?“ „Carmen, ich hab die Hausaufgaben nicht geschafft. Darf ich sie bei dir abschreiben?“ … Carmen, Carmen, Carmen. Und ich ließ mich darauf ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war zu glücklich darüber, die Pausen nicht mehr alleine verbringen zu müssen, um zu erkennen, dass die Mädchen mich nur ausnutzten. Das war jedenfalls so, bis ich eines Tages mit zwei Tabletts zurück an den Tisch kam. Ich hatte Ashley und Madison einen Nachschlag geholt, weil sie mich darum gebeten hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hattest recht, Ashley. Carmen ist so nützlich. Wie ein kleines Hündchen, das alles macht, was man ihr sagt“, sagte Madison belustigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie Kaylin sie unter dem Tisch unauffällig trat und eindringlich ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Au! Was soll das?“, fragte Madison verärgert. Dann drehte sie sich sofort um. „Oh … Hey, Carmen, hast du unser Essen?“, fragte sie scheinheilig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie ein kleines Hündchen? So seht ihr mich also?“, fragte ich wütend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Madison sah schuldbewusst drein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Ashley zog nur die Augenbraue hoch. „Hast du es etwa immer noch nicht verstanden? Das ist der einzige Grund, warum wir dich überhaupt dulden. Denkst du etwa, dass wir mit dem Klassenfreak befreundet sein wollen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tat weh. Es fühlte sich an, als hätte sie einen Dolch aus Eis in meine Brust gerammt, der mir die Sprache verschlug. Ich stand mit offenem Mund da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hast du sie etwa nicht gehört?“, fragte Kaylin. „Wenn du uns unser Essen nicht gibst, darfst du nicht mehr mit uns befreundet sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu überfordert, um irgendetwas anderes zu tun, stellte ich die Tabletts auf den Tisch. War das irgendeine Art dummer Scherz?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Awww. Seht sie euch an. Unser eigenes kleines Hündchen!“, sagte Ashley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Woof!“, bellte Madison mich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann schaltete sich Kaylin, Amy und Beccy ein: „Woof! Woof!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis alle fünf Mädchen dasaßen und mich anbellten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie einige andere Schüler sich zu uns umdrehten und leise tuschelten. Redeten sie über mich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich merkte, wie meine Augen feucht wurden, hielt ich es nicht länger aus. Ich rannte aus der Mensa zu den Toiletten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieso? Wieso taten sie das nur? Ich dachte, sie seien meine Freunde!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich leise in einer Kabine weinte, hörte ich, wie sich die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Carmen? Bist du hier drin?“, hörte ich Amy rufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schwieg. Was wollte sie von mir? Wollte sie mich noch mehr ärgern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es tut mir leid“, fuhr sie fort. „Ich wollte nicht gemein zu dir sein. Es ist nur … Hätten die anderen gemerkt, dass ich nicht mitmachen will, hätten sie mich rausgeschmissen …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dann könntest du dir wenigstens bessere Freunde suchen“, antwortete ich leise. Ich klang verheulter, als ich gehofft hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt klopfte Amy an meine Tür. „Bist du da drin? Es tut mir leid. Wirklich! Ich hab hier ein Geschenk für dich … als Entschuldigung“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwundert schloss ich die Tür auf. Was könnte sie mir schon schenken wollen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich vor Amy stand, hielt sie mir einen Stock entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist das?“, fragte ich verwundert. Was sollte ich denn mit einem Stock anfangen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist ein Stock, Dummerchen. Ich hab gehört, dass kleine Hündchen wie du sowas mögen“, sagte sie im selben mitleidigen Ton wie vorher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ertönte tosendes Gelächter von der Toilettentür. Die anderen Mädchen hatten uns die ganze Zeit belauscht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wütend ging ich zum Eingang, drängte mich an Ashley und den anderen vorbei und ging. Die Sprüche, die sie mir an den Kopf warfen, ignorierte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das sollte noch längst nicht alles gewesen sein. Seit jenem Tag hatten mich die Mädchen täglich geärgert. Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt und sie wären plötzlich von meinen besten Freunden zu meinen schlimmsten Feinden geworden. Aber in Wahrheit hatte ich wahrscheinlich bloß meine rosarote Brille abgenommen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit waren es nur harmlose Streiche. Sie beleidigten mich, schmierten Schimpfwörter in meine Bücher oder versuchten, mich vor der Klasse bloßzustellen. Es tat zwar weh, doch ich ließ mir äußerlich nichts anmerken. Das war die einzige Möglichkeit – so hoffte ich –, dass sie mich eines Tages in Ruhe ließen, es ihnen langweilig wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch leider passierte das nicht. Im Gegenteil: Ihre Streiche wurden schlimmer. Eines Tages kam ich in die Schule, wo ich meinen Spind völlig demoliert vorfand. Er war aufgebrochen worden und meine Zettel, Hefte und Bücher lagen überall auf dem Boden verteilt. Zerrissen hatten sie zum Glück nichts, doch alles aufzusammeln und einem Lehrer Bescheid zu sagen, der mir einen neuen Spind zuwies, dauerte ewig. Nachweisen konnte ich es Ashley und ihren Freundinnen leider nie. Trotzdem weiß ich, dass sie es waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Vorfall ereignete sich nicht einmal eine Woche später. Ich war vor dem Unterrichtsbeginn nur kurz auf Toilette verschwunden, merkte aber sofort, dass etwas nicht stimmte, als ich die Klasse betrat. Die anderen Schüler wurden plötzlich sehr still. Sie kicherten und tuschelten miteinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich schließlich meine Federtasche und die Schulsachen aus meiner Tasche holen wollte, packte ich in eine schleimige Flüssigkeit – die Mädchen hatten Joghurt in meine Tasche gekippt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamte Klasse brach in tosendes Gelächter aus. Und während ich meine Tasche ausräumte, versuchte, die Hefte und Bücher zu retten, die noch zu retten waren, schrie und tobte meine Lehrerin. Doch als sie verlangte, zu erfahren, wer das getan hatte, schwieg meine Klasse. Nicht ein einziger Schüler trat vor oder verteidigte mich. Dabei hatten sie es alle gesehen. Sie alle waren dabei gewesen, während die fünf Mädchen den Joghurt in meine Tasche gekippt hatten! Innerlich kochte ich vor Wut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Dinge passierten immer wieder. Es gab Tage, an denen ich tat, als wäre ich krank, nur, um nicht in die Schule gehen, die Schikane nicht mehr ertragen zu müssen. Doch natürlich musste ich am nächsten Tag wieder hin. Ich wusste nicht, wie lange ich es noch durchhalten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kam der heutige Tag. Der Tag, der das Fass zum Überlaufen brachte …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie immer hatte ich einen Knoten in der Magengegend, als ich das Schulgebäude betrat. Ich wusste bereits, dass ich wieder geärgert werden würde. Ashley, Madison, Kaylin, Amy und Beccy würden mich wieder mobben, und meine gesamte Klasse würde wegsehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fing wie immer mit einigen verletzenden Sprüchen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na, Hündchen? Wieso bist du den nicht an der Leine“, war zum Beispiel ein Spruch, den ich fast täglich zu hören bekam. Andere Sprüche, wie „Willst du dich nicht zu deinen Freunden setzen? Ach ne, du hast ja gar keine!“, taten hingegen schon mehr weh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute waren die Hündchen-Sprüche wieder sehr beliebt. Es dauerte jedoch bis nach der Sportstunde, dass ich verstand, warum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Sportlehrer erinnerte uns daran, dass es in der nächsten Stunde einen Probefeurealarm geben würde, bevor er uns aus der Stunde entließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Umkleide bemerkte ich sofort einen unangenehmen Geruch. Der gesamte Raum stank nach Hundekot. Ich bemühte mich also, mich möglichst schnell umzuziehen, um den Raum schnell wieder verlassen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da ist wohl jemand noch nicht stubenrein!“, lästerte Ashley, als sie die Kabine betrat und den Geruch wahrnahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hat dein Frauchen dich nicht gelehrt, dass du nicht in die Wohnung machen sollst?“, schloss Amy sich an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann lachten sie wild durcheinander. Aber auch dabei dachte ich mir noch nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich umgezogen hatte und nach meiner Jacke griff, bemerkte ich es: Der Gestank kam von meiner Jacke! Ungläubig roch ich daran. Eindeutig! Meine Jacke stank nach Hundescheiße!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu sehen war jedoch nichts. Ohne nachzudenken, durchwühlte ich meine Taschen … und griff direkt in eine schmierige, klebrige Substanz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschrocken zog ich meine Hand zurück, an der jetzt eindeutig etwas Braunes klebte … Mir drehte sich fast der Magen um, während mein Puls anstieg. Die Mädchen hatten mir Hundescheiße in die Jackentasche gesteckt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte kurz, meine Hand an Ashley abzuwischen, die direkt neben mir stand und wie wahnsinnig lachte. Aber nein. Ich würde mich nicht auf ihr Niveau herab begeben. Ich würde mich an einen Lehrer wenden und ihm alles erzählen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis meine Hand endlich nicht mehr stank, dauerte es eine ganze Weile. Wieder und wieder hatte ich sie mit Seife gewaschen. Und als ich schließlich in die Umkleide zurückgegangen war, waren die anderen Mädchen schon weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich packte meine Sachen und rannte zum Schulgebäude – meine stinkende Jacke ließ ich draußen über einer Bank hängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste Stunde hatte bereits angefangen. Mrs. Clark musterte mich mit strengem Blick, als ich in die Klasse gestürmt kam. Ich entschuldigte mich für meine Verspätung. Sie sagte nichts und fuhr mit ihrem Unterricht fort. Ich würde bis nach der Stunde warten müssen, um ihr von dem Vorfall zu erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich mich hingesetzt hatte, ertöte der Feueralarm. Mrs. Clark legte genervt das Stück Kreide zurück zur Tafel. Hoffentlich würde ihre Stimmung nicht meine Pläne beeinträchtigen. Mrs. Clark wäre immerhin die perfekte Lehrerin dafür. Sie war streng, konnte aber auch sehr mitfühlend sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Stellt euch in Zweierreihen auf!“, befahl sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Widerwillig sah, ich, wie Ashley sich neben mich stellte. Sie grinste gemein. „Wo ist denn deine Jacke? Meinst du nicht, dass es draußen etwas kalt ist?“, rief sie gehässig über den Feueralarm hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hasste sie dafür, hasste, dass sie mich grundlos ärgerte, hasste, dass sie jedes mal ohne Konsequenzen davonkam. Doch damit wäre nachher Schluss. Ich würde nur noch die Brandschutzübung und mit etwas Pech einige Minuten Unterricht überstehen müssen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir schließlich draußen waren, gingen wir sofort zu den Parkplätzen – der Ort, wo wir uns bei Probealarmen immer versammelten. Ich stand etwas abseits, in der Hoffnung, dass Ashley und ihre Clique bei der Klasse blieben. Zu meinem Leid taten sie es jedoch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sie wild miteinander tuschelten und kicherten, während sie auf mich zukamen. Was hatten sie nun schon wieder vor?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hündchen, was stehst du denn hier so alleine?“, fragte Madison.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wahrscheinlich ist sie ein Streuner!“, erwiderte Ashley.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihhh! Sie hat bestimmt Flöhe!“, mischte sich jetzt auch Amy ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaylin und Beccy lachten nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begannen sie plötzlich mich zu schubsen. Ich hasste es, wenn sie körperlich wurden. Die Beleidigungen konnte ich ausblenden, aber gegen fünf Mädchen gleichzeitig konnte ich mich nicht wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, lasst das!“, sagte ich übertrieben laut, in der Hoffnung, dass Mrs. Clark oder einer der anderen Lehrer es hören würde. Doch sie beachteten mich gar nicht. Schließlich schrien auch die anderen Schüler wild durcheinander. Was war da schon ein Mädchen mehr?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Völlig unerwartet gab mir Ashley dann einen deutlich kräftigeren Stoß. Normalerweise hielten sie sich zurück, wenn wir in größeren Gruppen waren. Wirklich verletzt hatten sie mich bisher nur, wenn wir alleine waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bereitete mich darauf vor, auf den harten Boden zu stürzen, doch der erwartete Aufprall blieb aus. Ich fiel zu tief!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als mein Gesicht mit voller Wucht an die Leiter knallte, bemerkte ich, dass sie mich in einen offenen Gully geschubst hatten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schlug so hart auf den schmutzig-nassen Boden auf, dass ich für einen Moment benommen liegenblieb. Zu meiner Überraschung spürte ich keine Schmerzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Carmen ist in der Kanalisation. Bei der restlichen Scheiße, wo sie hingehört!“, hörte ich Ashley laut rufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gelächter ertönte von oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber Ashley, Abfall wirft man doch nicht in den Gully!“, warf Amy ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In mir stieg eine unglaubliche Wut auf, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte. Ich richtete mich auf und starrte wütend auf die Öffnung über mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, wie sich Ashley und die anderen Mädchen um den Gully versammelten. Plötzlich sahen sie furchtbar schockiert aus. Sie tuschelten miteinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mrs. Clark!“, schrie Kaylin. „Carmen ist in die Kanalisation gestürzt!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie konnte sie es wagen? „Das stimmt nicht! Ashley hat mich geschubst!“, brüllte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort kam Mrs. Clark zu dem Gully gerannt. Als sie mich sah, riss sie ihre Hand vor ihren Mund. „Wir brauchen einen Notarzt!“, kreischte sie panisch. „Carmen! Carmen, kannst du mich hören?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es geht mir gut!“, rief ich. „Aber Sie sollten die Polizei rufen. Ashley hat versucht, mich umzubringen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erwartete eine schnippische Antwort. Einen empörten Ausruf, der ihr Wort gegen meins stellte, doch nichts geschah. Die Mädchen tuschelten nur wild durcheinander. Ich konnte nur Wortfetzen entziffern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fielen Worte wie ‚tot‘ oder ‚umgebracht‘. Dann sagte Kaylin ganz deutlich. „Seht euch nur ihren Hals an. Sie bewegt sich nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst verstand ich nicht, was sie meinten. Ich war doch hier. Natürlich bewegte ich mich! Doch als ich an mir herabsah, sah ich eine zweite Person. Sie lag unter mir. Nein. Das war keine zweite Person. ICH lag dort. Von meinem Gesicht hing lose Haut. Überall war Blut, das sich jetzt mit dem Dreck und Unrat der Kanalisation mischte. Mein Hals hatte eine unnatürliche Position eingenommen …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon lange hatte ich mich gefragt, ob ich an Geister glaube. Ich war mir nie ganz sicher gewesen. Konnte es tatsächlich Seelen geben, die in unserer Welt blieben, weil sie noch etwas zu erledigen hatten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte ich meine Antwort. Und ich wusste genau, was ich noch erledigen musste. Wütend starrte ich die Mädchen über mir an. Ich würde mich an meinen Mördern rächen!</p>



<p><b>Bleibt auf dem Neusten Stand und folgt mir auf:</b></p>
<a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/f-ogo_RGB_HEX-58.png" height="40" width="40" alt="Facebook"></a>&nbsp;
<a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/Twitter_Social_Icon_Square_Color.png" height="40" width="40" alt="Twitter"></a>&nbsp;
<a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://geister-und-legenden.de/wp-content/Bilder/IG_Glyph_Fill.png" height="40" width="40" alt="Instagram"></a>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Carmen Winstead ist die urbane Legende einer 17-jährigen Schülerin, die durch extremes Mobbing ums Leben gekommen sein soll. Die Verbreitung der Legende fand fast ausschließlich über Kettenbriefe statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen von Carmen Winstead ist nicht sonderlich viel bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt nur, dass ihr <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geist</a> einen gebrochenen Hals und ein blutiges und stellenweise oder völlig abgerissenes Gesicht habe.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Kettenbrief:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Den Kettenbrief selbst gibt es in verschiedenen Versionen. Entweder ist er so geschrieben, dass er von Carmen Winstead berichtet oder als wäre er von ihr selbst verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der berichtenden Version gibt es zudem eine sehr ausführliche Variante, die hauptsächlich das beschreibt, was ihr weiter unten unter „Die Vorgeschichte“ lesen könnt. Hier werde ich daher lediglich eine kürzere Version aufführen, die es sowohl aus Carmens Sicht, als auch leicht abgeändert als berichtende Version gibt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hi, mein Name ist Carmen Winstead. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin dir sehr ähnlich … Habe ich erwähnt, dass ich tot bin? Vor einigen Jahren hat mich eine Gruppe Mädchen in die Kanalisation geschubst, um mich zu blamieren. Als ich nicht wieder herausgekommen bin, ist die Polizei gekommen. Die Mädchen haben behauptet, ich wäre gestürzt und alle haben ihnen geglaubt. Die Polizei hat meine Leiche in der Kanalisation gefunden. Ich hatte einen gebrochenen Nacken und mein Gesicht war abgerissen. Sende diese Nachricht an 15 Personen, nachdem du sie vollständig gelesen hast, wenn dir dein Leben lieb ist! Ein Junge namens David hat diese Nachricht bekommen. Er hat nur gelacht und sie gelöscht. Als er in der Dusche war, hörte er ein Lachen … MEIN LACHEN! Er wurde sehr ängstlich, ist zu seinem Handy gerannt, um die Nachricht zu teilen … Aber es war zu spät. Am nächsten Morgen betrat seine Mutter sein Zimmer und alles, was sie vorfand, war eine Nachricht in seinem Blut geschrieben, die besagte „Du wirst ihn nie zurückbekommen!“ Bisher hat noch niemand seine Leiche gefunden … weil er bei mir ist! … Sende diesen Text an 15 Personen in den nächsten 5 Minuten, wenn du nicht willst, dass dich das gleiche Schicksal ereilt, wie David. Deine Zeit läuft … JETZT! Die Geschichte ist wahr, du kannst sie auf Google recherchieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der geschriebenen Variante hat sich zudem in letzter Zeit eine Sprachnachricht verbreitet, die angeblich von Carmen selbst gesprochen wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Vorgeschichte:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es heißt, dass Carmen Winstead 17 Jahre alt war, als ihre Eltern nach Indiana umgezogen sind. Carmen musste all ihre Freunde zurücklassen und eine neue Schule besuchen, wo sie niemanden kannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Carmen große Probleme hatte, neue Freunde zu finden, verbrachte sie die meiste Zeit alleine, bis sie sich einer Gruppe von fünf Mädchen anschloss. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie bemerkte, dass die Mädchen hinter ihrem Rücken über sie lästerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie stellte die Mädchen zur Rede, woraufhin diese sich völlig gegen Carmen richten und anfingen, sie mobben. Sie beleidigten sie, schrieben Schimpfwörter in ihre Schulbücher und demolierten ihren Spind. Es heißt sogar, dass sie Joghurt in ihre Schultasche gekippt und Hundekot in ihre Jackentasche gelegt haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich wurde es Carmen zu viel. Sie beschloss, die Mädchen nach Schulschluss zu verpetzen. Sie wusste jedoch nicht, dass sie dazu nicht mehr die Gelegenheit haben würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor Schulschluss gab es einen Probealarm, bei dem alle Schüler das Gebäude verlassen mussten. Carmen stand alleine an der Straße, ganz in der Nähe eines offenen Gullys. Warum der Gully geöffnet war, wird nicht näher erklärt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fünf Mädchen gingen zu Carmen und begannen, sie zu ärgern. Sie drängten sie unauffällig immer weiter zum Gully, bis sie nahe genug daran stand. Dann schubsten sie Carmen, sodass sie mit dem Kopf zuerst in die Kanalisation stürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst scherzten sie noch. Sie lachten und erklärten, dass Carmen in der Kanalisation liegt. Andere Schüler sollen in das Gelächter eingestimmt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich hat ein Lehrer in den Gully gesehen. Zu seinem entsetzen, war Carmen wirklich dort unten. Ihr Kopf war in einer unnatürlichen Haltung gedreht, ihr Gesicht blutig. Es heißt, dass sie sich ihr Gesicht bei dem Sturz an der Wand oder der Leiter abgerissen habe. Carmen war tot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Carmens Leiche aus der Kanalisation geholt wurde, hat die Polizei ihre Klassenkameraden befragt. Die fünf Mädchen, die sie geschubst hatten, behaupteten, dass Carmen gestürzt sei. Die Polizei glaubte ihnen. Carmens Tod wurde als Unfall eingestuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das war nicht das letzte Mal, dass man von Carmen gehört hatte. Monate nach dem Vorfall bekamen die Klassenkameraden von Carmen, seltsame E-Mails, die besagten, dass Carmen geschubst wurde. Sie forderte die Schuldigen auf, sich zu stellen, da es sonst schreckliche Konsequenzen gäbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich meldete sich niemand, da sie die E-Mails als Streich abtaten. Doch nur wenige Tage später begannen die fünf Schülerinnen eine nach der anderen spurlos zu verschwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie schließlich gefunden wurden, lagen alle fünf Mädchen in der Kanalisation. Es heißt fast immer, dass sie verstümmelt waren. Die Beschreibungen reichen hierbei von abgerissenen Gesichtern bis hin zu fast vollständiger Unkenntlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Carmens ruheloser Geist war noch immer wütend. Es heißt, dass sie seither wieder und wieder Menschen töten soll, die ihre Geschichte nicht glauben oder selber andere Leute mobben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man selbst betroffen ist, soll Carmen Winstead aus der Kanalisation zu einem herauf kommen – sei es durch die Dusche, durch die Toilette oder gar durch ein Waschbecken. Nachts, wenn man schläft, soll sie einen entführen, in die Kanalisation bringen und dort töten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ursprung der Legende von Carmen Winstead lässt sich grob auf das Jahr 2006 zurückverfolgen, wo der Kettenbrief anfing, sich rasant auf MySpace und per E-Mail zu verbreiten. Damals wurde unter anderem auch der Name „Jessica Smith“ verwendet, der sich – wahrscheinlich wegen seines deutlich geringeren Wiedererkennungswerts im Vergleich zu „Carmen Winstead“ – nicht durchsetzen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch heute ist der Kettenbrief noch im Umlauf – auf Facebook, Instagram, Whatsapp, per E-Mail, auf Twitter und sonstigen sozialen Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hintergrund zu der Legende wurde jedoch nie bestätigt. Trotz langer Recherche hat bisher niemand eine Carmen Winstead finden können, die durch einen Sturz in einen Gully gestorben ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Carmen Winstead nichts weiter, als eine urbane Legende ist.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von Carmen Winstead? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr den Kettenbrief bekommen und die Legende nicht kennen würdet? Würdet ihr ihn verschicken oder würdet ihr ihn ignorieren? Und wenn ihr ihn ignoriert, hätten ihr dann Bedenken? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Euch wird zwar keine Carmen Winstead töten, wenn ihr es nicht tut, trotzdem würde ich mich natürlich wahnsinnig darüber freuen, wenn ihr meinen Blog oder einen Artikel mit euren Freunden oder Bekannten teilen würdet!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/carmen-winstead">Carmen Winstead</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.geister-und-legenden.de/carmen-winstead/feed</wfw:commentRss>
			<slash:comments>9</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
