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	<title>Anhalter Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Die schwarze Frau – ein blutiger Herbst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jul 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich nahm es natürlich nicht ernst, dachte nicht daran, dass sie tatsächlich einen Geist sehen würden. Als ich mich jedoch nach vorne beugte und meine Augen zusammenkniff, um besser sehen zu können, konnte ich die Frau auch sehen. Sie hatte eine gebückte Haltung, war komplett in Schwarz gekleidet und gerade im Begriff auf der Beifahrerseite des Autos einzusteigen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-schwarze-frau-ein-blutiger-herbst">Die schwarze Frau – ein blutiger Herbst</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die schwarze Frau ist ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a>, den unzählige Menschen im Jahr 1975 im Bayerischen Wald gesehen haben wollen. Angeblich hat sie eine grausame Prophezeiung verkündet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle möchte ich mich kurz bei Jochen dafür bedanken, dass er mich in einem Kommentar auf die Legende aufmerksam gemacht hat. Außerdem gibt es einen wirklich gut gemachten Podcast, der den Hintergrund zu der Legende beleuchtet. Dazu aber später mehr. Jetzt wünsche ich euch erst einmal:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Habt ihr schon gehört?“, fragte Frank in die Runde. „Im Wald wurde neulich eine Geisterfrau entdeckt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verkniff mir ein Seufzen. Nicht nur, dass ich hier auf dem Spielplatz auf meinen kleinen Bruder Christian und seine beiden Freunde Frank und Katja aufpassen musste, jetzt durfte ich mir auch noch die Gruselgeschichten der drei Grundschüler anhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian und Katja brachten ihre Begeisterung deutlicher zum Ausdruck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wirklich?“, fragte mein kleiner Bruder mit funkelnden Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wo denn?“, ergänzte Katja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier ganz in der Nähe. An der Waldstraße zwischen Freyung und Waldkirchen.“ Frank sah verschwörerisch in die Runde. „Ein LKW-Fahrer hat sie gesehen. Er fuhr wohl abends durch den Wald, als ihm eine alte Frau am Straßenrand aufgefallen ist. Sie trug schwarze Kleidung und ging gebückt. Als sie den LKW bemerkte, hat sie ihm zugewunken, um zu zeigen, dass sie ein Stück mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der LKW-Fahrer hatte es nicht eilig, also hielt er an und stieg aus, um der Frau in sein Auto zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war die Frau sehr still. Sie sagte kein einziges Wort, also ließ der LKW-Fahrer sie in Ruhe. Sie würde schon sagen, wenn sie aussteigen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einigen hundert Metern jedoch, erhob die Frau ihre krächzige Stimme. ‚Es wird einen guadn Frühling geben, und einen schönen Sommer‘, soll sie gesagt haben, ‚aber einen bluadigen Herbst.‘</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sekunden später war sie verschwunden. Sie hat sich einfach in Luft aufgelöst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder sah Frank verschwörerisch in die Runde, nachdem er seine Geschichte beendet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einen blutigen Herbst?“, fragte mein kleiner Bruder. „Was meint sie damit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frank zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber ich denke, dass im Herbst irgendetwas Schlimmes hier in der Gegend passieren wird.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt bemerkte ich die Gänsehaut auf Christians Armen. Hatte mein kleiner Bruder Angst?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist doch Quatsch“, warf ich ein. „Das hast du dir ausgedacht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, Jürgen. Ich sag die Wahrheit. Wirklich!“, protestierte Frank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er hat recht“, schaltete sich Katja ein. „Ich hab auch davon gehört.“ Ihr kleines Gesicht sah mich ernst an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte bereits, etwas zu erwidern, als Frank plötzlich in seinem Rucksack kramte. „Wartet“, sagte er. Sekunden später raschelte Papier und er hielt uns eine Seite der Passauer Neuen Presse entgegen. „Lest selbst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig drängten sich Christian und Katja um ihn. Ich beugte mich über meinen kleinen Bruder und las den Artikel leise mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wurde die schwarze Frau von einem Amateurfilmer fotografiert? Ein junger Mann aus Tittlingen hält das für möglich. Bei der Hundedressur auf freiem Gelände fiel ihm und seinen Begleitern eine dunkel gekleidete Frauengestalt auf, die auf einem Bergrücken ging und sich scharf gegen den Himmel abhob. Der Schmalfilmfreund richtete die Kamera auf die seltsame Gestalt. Sekunden später war sie verschwunden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Artikel ging noch weiter. Ich überflog die Zeilen, die die Aussage des Mannes in mehr Detail wiedergaben. Tatsächlich wollte er die Frau mit einer dieser neuen tragbaren Videokameras gefilmt haben. Die Reporterin hätte das Video selbst gesehen. Und einige der Bilder waren sogar in der Zeitung abgedruckt. Ich fand jedoch nicht, dass man auf den schwarz-weißen Fotos, abgesehen von einer unscharfen dunkel gekleideten Gestalt, irgendetwas sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also gut“, sagte ich. „Die <em>Gerüchte</em> um den Geist sind echt. Das heißt aber noch lange nicht, dass es die Frau wirklich gibt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Kinder wollten davon nichts hören. Sie waren bereits dabei, wilde Spekulationen anzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht möchte die Frau uns warnen. Was meint ihr, was im Herbst passiert?“, fragte Christian.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Weiß nicht. Es muss ja irgendetwas Blutiges sein. Vielleicht wird dann jemand ermordet?“, warf Frank ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder es gibt einen schlimmen Unfall!“, rief Katja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder es waren ein paar Betrunkene und oder Scherzkekse, die die Geschichte zusammengesponnen haben. Ich behielt den Gedanken jedoch für mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was meint ihr? Sollen wir die Frau suchen und sie selbst fragen?“, fragte Frank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder und Katja nickten begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal hielt ich mein schweres Seufzen nicht zurück. „Muss das sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja!“, antworteten Christian und Frank wie aus einem Munde. Und auch Katja nickte wieder eifrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Komm schon, Jürgen. Das wird bestimmt lustig“, sagte Christian und sah mich mit seinem besten Hundeblick an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz überlegte ich, den Kindern Vernunft einzureden. Aber was sollte schon passieren? Einem echten Geist würden wir nicht begegnen. Und gegen eine gemütliche Fahrradtour durch den Wald hatte ich ehrlich gesagt auch nichts einzuwenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ließ ich den Dreien ihre kindliche Fantasie. Bis zum Herbst hätten sie das ganze „blutiger Herbst“-Thema bestimmt schon lange wieder vergessen. So dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine zehn Minuten später saßen wir auf unseren Rädern und radelten über die Straße. Immer wieder sah ich dabei zu Katja, die auf ihrem Fahrrad gefährlich schwankte. Aber wie durch ein Wunder konnte sie ihr Gleichgewicht irgendwie halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich das Geschaukel für einige unfallfreie Minuten beobachtet hatte, wagte ich es schließlich, den Blick von ihrem Fahrstil abzuwenden und die Gegend zu beobachten. Ich liebte den Wald. Es war immer so still und friedlich hier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Bäumen zwitscherten die Vögel, der Wind rauschte durch die Blätter und immer wieder konnte ich beobachten, wie die Sonne uns durch das Blätterdach entgegenglitzerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für einen kurzen Moment wagte ich es sogar, in voller Fahrt die Augen zu schließen, während ich die Waldluft tief durch die Nase einatmete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch genoss ich unseren kleinen Ausflug. Das sollte sich jedoch bald ändern. Spätestens, als wir zum vierten, fünften und schließlich zum sechsten Mal die lange Waldstraße entlangfuhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, wie viele Stunden wir inzwischen unterwegs waren. Meine Beine schmerzten. Wo zur Hölle nahmen die Kinder nur die ganze Energie her? Immer, wenn sie erschöpft waren, machten wir eine kurze Pause, sie alberten herum oder redeten über die schwarze Frau und ihren blutigen Herbst, ehe wir wieder auf die Räder stiegen und weiterfuhren. So ging das schon den ganzen Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir mal wieder von einem Auto überholt wurden, merkte ich, dass seine Scheinwerfer eingeschaltet waren. Natürlich lag das daran, dass es im Wald generell dunkler war, aber vielleicht konnte ich die Kinder ja so überzeugen, dass es langsam spät wurde und wir lieber nach Hause fahren sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich legte mir die richtigen Worte bereits zurecht, als vor mir einige Reifen quietschten. Frank hatte angehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Leute?“, fragte er, während er nach vorne auf das Auto zeigte. Es war stehengeblieben. „Seht ihr das auch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hielten ebenfalls an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist das …?“, fragte Christian.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die schwarze Frau“, beendete Katja ungläubig seinen Satz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nahm es natürlich nicht ernst, dachte nicht daran, dass sie tatsächlich einen Geist sehen würden. Als ich mich jedoch nach vorne beugte und meine Augen zusammenkniff, um besser sehen zu können, konnte ich die Frau auch sehen. Sie hatte eine gebückte Haltung, war komplett in Schwarz gekleidet und gerade im Begriff auf der Beifahrerseite des Autos einzusteigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ehe ich etwas sagen konnte, rasten die Kinder bereits los. „Stopp!“ „Warten Sie!“ „Halt!“, riefen sie dem Auto nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Tür war bereits wieder geschlossen. Das Auto fuhr los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich dem Auto nur nachjagte, weil ich den Kindern beweisen wollte, dass die Frau kein Geist, sondern bloß ein normaler Mensch war, der rein zufällig zu der Beschreibung passte. Aber das wäre gelogen. Der Anblick der Frau, die mich so sehr an die Frau von den Fotos erinnert hatte, hatte Zweifel in mir geweckt. Jetzt wollte ich selbst wissen, ob an der Geistergeschichte doch etwas dran war. Und an dem blutigen Herbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ließ ich die Kinder, die mit ihren kurzen Beinen sehr viel mehr treten mussten als ich, bald hinter mir. So schnell ich konnte, hetzte ich dem Auto nach. Trotzdem musste ich mitansehen, wie es in der Ferne kleiner und kleiner wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade, als ich befürchtete, die Rücklichter hinter einer Kurve aus den Augen zu verlieren, bremste das Auto plötzlich. Es war aber kein langsames Bremsen. Der Fahrer ging voll in die Eisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam ich dem Auto schnell näher. Noch ehe ich es erreicht hatte, sah ich jedoch, wie sich die Fahrertür öffnete und eine Frau mittleren Alters ausstieg. Sie sah sich verwirrt um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst, als ich mich näherte, sah sie mit gerunzelter Stirn in meine Richtung. „He, Junge!“, rief sie mir zu. „Hast du hier irgendwo eine alte Frau gesehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Völlig außer Atem kam ich kurz vor der Frau zum Stehen. „Wieso?“, keuchte ich. „Was ist denn passiert?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau zögerte. „Ich … weiß nicht. Ich hatte sie eben erst mitgenommen, aber dann war sie plötzlich verschwunden. Sie muss aus dem Auto gesprungen sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste nicht genau, wie ich es der Frau erklären sollte. Zumindest, bis sich die Kinder wenige Momente später näherten. Sobald sie in Hörreichweite waren, riefen sie wild durcheinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt ihnen beide Hände entgegen. „Wartet, wartet, wartet“, brachte ich sie zum Schweigen. „Frank. Hast du noch einmal den Zeitungsartikel für mich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nicht lange, bis er ihn aus seinem Rucksack geholt und mir gereicht hatte. Ich gab ihn wortlos an die Frau weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angespanntes Schweigen legte sich über unsere kleine Gruppe. Die Kinder blickten irritiert zwischen einander und mir hin und her, während die Frau las. Dann führte sie entsetzt eine Hand an ihren Mund, ehe sie mich kurze Zeit später wieder ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hat die alte Frau irgendetwas zu Ihnen gesagt?“, hakte ich nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich weiteten sich ihre Augen. „J-ja“, stammelte sie. „Sie sagte, es wird einen guten Frühling geben und einen schönen Sommer, aber einen blutigen Herbst.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die schwarze Frau ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden">urbane Legende</a> aus dem Bayerischen Wald. Dort soll im Jahr 1975 der Geist einer schwarz gekleideten Frau eine schreckliche Prophezeiung gemacht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ihr jedoch weiterlest, möchte ich euch sehr den vierteiligen <a href="https://www.ardaudiothek.de/sendung/blutiger-herbst-eine-bayerische-geistergeschichte/66518494/">Podcast „Blutiger Herbst“ des Bayerischen Rundfunks</a> empfehlen. Er ist wirklich gut gemacht und Johannes Nichelmann hat sehr viel gründlicher recherchiert, als es mir mit meiner reinen Online-Recherche möglich ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die schwarze Frau:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Geist der schwarzen Frau selbst ist nur sehr wenig bekannt. Weder kennt man ihren Namen noch ihr näheres Aussehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Erzählungen ist jedoch von einer alten, in schwarz gekleideten Frau die Rede, die am Straßenrand steht oder entlanggeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltener ist von einer jüngeren Frau um die 35 die Rede, die zu Lebzeiten als Kellnerin gearbeitet haben soll. Die Gerüchte sind jedoch erst 1981 entstanden und beziehen sich somit genau genommen auf eine andere Schwarze-Frau-Legende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle sollte ich vielleicht anmerken, dass es sich bei der schwarzen Frau nicht um <em>die</em> schwarze Frau, sondern lediglich eine schwarze Frau handelt. Legenden von schwarzgekleideten Geisterfrauen, die in der jeweiligen Sprache fast immer „die schwarze Frau“ oder „die Frau in Schwarz“ heißen, gibt es nämlich unzählige auf der ganzen Welt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ablauf der typischen Begegnungen mit der schwarzen Frau im Bayerischen Wald dürfte den langjährigen Lesern meines Blogs sehr bekannt vorkommen. Dabei handelt es sich nämlich, genau wie bei der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weißen Frau von Ebersberg</a>, um eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-verschwundene-anhalter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verschwundener-Anhalter-Legende</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Augenzeugen berichteten davon, dass sie eine alte in Schwarz gekleidete Frau am Straßenrand gesehen haben wollen. Die Frau soll den vorbeifahrenden Autos mit Gesten deutlich gemacht haben, dass sie als Anhalter mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofern ein Fahrer angehalten hat, um sie mitzunehmen, soll sie erst einige Zeit lang sehr still im Auto gesessen haben. Irgendwann hat sie dann die Stimme erhoben und in etwa gesagt: „Es wird einen guten Frühling und einen schönen Sommer geben, aber einen blutigen Herbst.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald die Mitfahrenden sich jedoch zu ihr umgedreht haben, um sie verwirrt anzusehen oder zu fragen, was sie damit meinte, war die Frau plötzlich, meist in voller Fahrt, aus dem Auto verschwunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die schwarze Frau soll ausschließlich im Bayerischen Wald aufgetaucht sein. Normalerweise wurde sie an der Waldstraße zwischen Freyung und Waldkirchen gesichtet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hat alles mit der Aussage eines LKW-Fahrers, der die schwarze Frau als Anhalterin mitgenommen haben will. Nachdem die Frau ihre verhängnisvolle Prophezeiung eines blutigen Herbstes geäußert hatte, sei sie von seinem Beifahrersitz verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Story wurde damals von der Reporterin Cornelia Wohlhüter in der Passauer Neuen Presse gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf traten zwei junge Männer an die Reporterin heran, die angeblich ein Video der besagten schwarzen Frau gemacht hätten. Sie konnten am Blümersberg eine unheimliche gebückt gehende Frau in schwarzer Kleidung sehen, ehe sie beim Filmen kurz von ihren Hunden abgelenkt wurden. Nachdem sie wieder aufgeschaut hatten, war die Frau spurlos verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannes Nichelmann, der den bereits erwähnten Podcast zu dem Thema gemacht hat, hat bei seiner Recherche herausgefunden, dass die beiden Männer immer für einen Spaß zu haben waren. Es ist also sehr gut möglich, dass das Video von ihnen gestellt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hat der daraufhin erneut von Cornelia Wohlhüter verfasste Zeitungsartikel mit den von den beiden Männern bereitgestellten Fotos den Stein ins Rollen gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb von kürzester Zeit gab es mehr und mehr Augenzeugen, die der schwarzen Frau begegnet seien. Einige von ihnen hätten sie bloß gesehen, andere hätten sie mitgenommen und ihre gruselige Prophezeiung gehört, ehe sie verschwunden sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Hochzeit der Legende soll alle zwei bis drei Tage ein Artikel über sie in der Zeitung gestanden haben. Und als eine 18-jährige Frau mit ihrem Auto tödlich verunglückt ist, wurde sogar behauptet, die schwarze Frau müsse sie abgelenkt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Legende erregte solch ein Aufsehen, dass sogar einige Wissenschaftler aus Wien anrückten, die mit der schwarzen Frau beweisen wollten, dass Geister existieren – natürlich erfolglos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Aussagen zu viel überhandnahmen, äußerte sich schließlich die Polizei von Freiburg zu dem Thema. Sie erklärten, dass sie jede weitere Person wegen „grobem Unfug“ anzeigen würden, die ihnen eine Sichtung des Geistes meldete. Es war von Strafen bis zu 1.000 D-Mark, Führerscheinentzug und sogar Einweisung in eine psychiatrische Anstalt die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch, wenn diese Äußerung erst für neuen Gesprächsstoff sorgte, nahmen die Sichtungen schließlich schnell wieder ab. Und auch von dem blutigen Herbst, den die Frau angekündigt hatte, sollte jede Spur fehlen. Der Herbst 1975 verlief im Bayerischen Wald zumindest ohne besondere Vorkommnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der schwarzen Frau? Kennt ihr andere Legenden von schwarzen Frauen? Und wie würdet ihr reagieren, wenn in eurer Gegend Gerüchte von einer Geisterfrau aufkämen, die einen blutigen Herbst prophezeit? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Die Weiße Frau von Ebersberg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jun 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wald]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/die-weisse-frau-von-ebersberg">Die Weiße Frau von Ebersberg</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/deutsche-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Legende</a>. Wisst ihr, wie ihr euch verhalten müsst, wenn ihr den Geist am Straßenrand stehen seht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es jedoch mit der Geschichte losgeht, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlechte ist, dass ich es aus beruflichen Gründen die nächsten Wochen nicht schaffe, alle 14 Tage einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Daher wird bis voraussichtlich August erstmal nur jede dritte Woche ein neuer Beitrag kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gute Nachricht ist jedoch: Wenn ihr mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a> unterstützt, bekommt ihr dafür eine <strong>monatliche Live-Lesung</strong> als Ausgleich. Dort halte ich nämlich seit Mai mindestens einmal im Monat eine Live-Lesung auf meinem Discord Server! </p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt möchte ich euch aber nicht länger aufhalten und wünsche euch:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich saß im Auto. Müde lächelnd bog ich in die Staatsstraße 2080 ein. Wir waren fast am Ziel. Endlich. Nach fünf langen Stunden Autofahrt inklusive Feierabendverkehr und einem gefühlt ewig langen Stau waren wir endlich da. Nur noch ein paar Kilometer, dann würde im Licht der Scheinwerfer die kleine weiße Kapelle am Straßenrand auftauchen, bei der wir uns treffen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Ganz schön unheimlich</em>‘, schoss es mir in den Kopf, während ich mich umsah. An der Waldstraße vor uns gab es keine einzige Straßenlaterne mehr. Die Straße war zwar asphaltiert, aber zu meiner Linken und meiner Rechten sah ich nichts als einige Äste und klaffende Schwärze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem war ich voller Vorfreude. In wenigen Minuten würde ich meine besten Freunde treffen. Wir kannten einander aus einem Onlinespiel und waren quer durch Deutschland verteilt. Daher könnt ihr euch sicher vorstellen, wie schwierig es war, das Treffen zu planen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr euch fragt, wieso ich dafür in einen dunklen Wald fuhr: Das war Kens Idee gewesen. Die Kurzform für Kenney, wie ihr Charakter hieß. Sie war unser Healer und ein ziemlicher Freak, wenn auch auf die bestmögliche Weise. Sie wohnte ganz in der Nähe und sollte dieses Wochenende unsere Gastgeberin sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber bevor ihr mich jetzt für völlig bescheuert haltet, weil ich nachts in einen dunklen Wald fuhr, um einige Internetbekanntschaften zu treffen, kann ich euch beruhigen: Zum einen war das nicht unser erstes Treffen, ich kannte den verrückten Haufen also schon, und zum anderen saß mein zwei Jahre älterer Bruder, einer unserer Damage Dealer, schlafend auf dem Beifahrersitz. Ich war also nicht alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„He, Marvin, wir sind fast da“, sagte ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort schreckte mein Bruder hoch. Er brauchte einige Sekunden, um sich zu orientieren, dann sah er sich unruhig um. „Ganz schön dunkel hier“, stellte er fest. „Bist du sicher, dass wir hier richtig sind, Linus?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste breit. Obwohl mein Bruder ein ziemliches Muskelpaket war, war er ein ganz schöner Schisser. „Wir sind sogar schon auf der richtigen Straße“, erklärte ich nicht ganz ohne Schadenfreude.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marvin machte große Augen. „Wenn wir hier überfallen oder entführt werden, dreh ich Ken den Hals um“, murrte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ach was“, erwiderte ich grinsend. „Du weißt doch, was Mama immer gesagt hat. Wenn irgendjemand uns entführt, bringt er uns spätestens am nächsten Tag freiwillig zurück.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marvin antwortete mit einem unverständlichen Grummeln. Dann sagte er lauter: „Wir sind fast 30 Minuten zu spät. Wenn die anderen ohne uns irgendwo hingefahren sind, will ich nicht in einem dunklen Wald stehen, während wir das klären!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran hatte ich noch nicht gedacht, aber zum Glück war seine Sorge unnötig. Wenige Augenblicke später tauchte ein kleines weißes Gebäude am Straßenrand vor uns auf. Das musste die Hubertuskapelle sein. Und direkt davor stand eine kleine Gruppe aus drei mir sehr vertrauten Gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort wurde ich langsamer. Dann bog ich auf den kleinen ungepflasterten Parkplatz ab, auf dem auch die Autos der anderen standen. Im Scheinwerferlicht sah ich noch eine achtlos weggeworfene Chipstüte auf dem grauen Kies liegen, ehe ich den Motor abschaltete und mit einem breiten Grinsen aus dem Auto stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es schon spät war, herrschte noch immer eine wohlige Sommerwärme. Ich atmete die angenehme Waldluft tief ein, in der ein Geruch von Erde mitschwang, ehe ich mich den knirschenden Schritten zuwandt, die sich uns näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Druid, hey Blade“, grüßte uns ein großgewachsener Mann mit Vollbart und auffällig hoher Stimme. Er trug ein orangenes T-Shirt mit der Aufschrift. ‚Do Quests Not Crime!‘. Das war Balrog. Er war unser Tank und der Gründer unserer kleinen Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Druid und Blade hingegen waren die Usernames von mir und meinem Bruder. Natürlich kannten wir auch die richtigen Namen der anderen, aber es fühlte sich irgendwie falsch an, sie untereinander zu benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem waren da noch Ken, die selbst in unserer bunten Truppe mit ihrem schwarzen Lippenstift, unzähligen Piercings und ihrem schwarzen Nagellack deutlich hervorstach, und Aldur, ein Real Life Freund von Balrog und der Jüngste unserer Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey Leute“, grüßte ich zurück. „Sorry für die Verspätung. Blade und ich sind nach dem Stau noch im Berufsverkehr gelandet.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kein Ding“, erwiderte Ken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte eine kurze Runde aus Begrüßungen und „Wie geht’s“s, ehe Ken uns mit einem breiten Grinsen zurück zur Kapelle führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kleine weiße Gebäude hatte ein rotes Dach und drei türlose Torbögen, durch die man direkt ins Innere treten konnte. Darin empfingen uns ein vergittertes Tor, das zu meiner Überraschung nicht abgeschlossen war, ein kleiner Altar mit allerlei christlichen Dekorationen und Blumen, eine gekreuzigte Jesusfigur und mehrere Kerzen. Bei Letzteren wurde ich das Gefühl nicht los, dass Ken etwas mit ihrer Anwesenheit zu tun hatte. Besonders, da einige von ihnen schwarz waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Also Kenney, warum hast du uns mitten in der Nacht zu dieser liebreizenden Kapelle geführt?“, fragte Balrog. Eine Frage, die auch uns andere brennend interessierte. Online hatte sie darauf immer nur mit einem geheimnisvollen „Das werdet ihr dann sehen“ geantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken grinste noch immer breit, während sie mit einer Hand über die weiße Wand strich. Sie war die Einzige, die durch das Gittertor getreten war. Wir anderen warteten davor. „Wisst ihr …?“, begann sie. „Es gibt da eine alte Legende über diesen Ort. Habt ihr schonmal von der Weißen Frau von Ebersberg gehört?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schweres Seufzen ging durch unsere Runde. Wir alle wussten, wo das hinführte. Ken würde uns gleich eine ihrer Horrorgeschichten erzählen. Wie konnte es auch anders sein? Während wir anderen die Treffen mit einer Einladung nach Hause begonnen hatten, wo wir meist Pizza bestellt, Filme gesehen oder Brettspiele gespielt hatten, musste Ken sich etwas Besonderes überlegen. Alles andere hätte mich aber ehrlich gesagt bei ihr überrascht. Sie war nun einmal ein wenig abgedreht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken hob spielerisch die Augenbrauen. „Ihr kennt doch unsere Abmachung.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder seufzte. „Der Gastgeber bestimmt das Programm“, sagte er leise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder die Gastgeberin“, korrigierte Ken ihn. „Also los. Macht eure Handylampen aus. Kommt schon, das wird lustig!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war sofort dabei. Direkt nach Fantasy war Horror mein zweitliebstes Genre. Die anderen hingegen schienen ungewöhnlich lange zu brauchen, bis sie die Taschenlampenfunktion auf ihren Smartphones abgeschaltet hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kam das einzige Licht von den Kerzen in der Kapelle, die Kens Schatten geisterhaft an die Wände warfen. Auch kam es mir vor, als wäre es plötzlich einige Grad kälter geworden, während die Bäume und Büsche um uns herum im Wind raschelten. Ein Auto raste auf der Straße vorbei und hüllte uns kurz in das gleißende Licht seiner Scheinwerfer. Dann begann Ken ihre Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Weiße Frau von Ebersberg ist ein Geist, der nachts auf der Staatsstraße 2080, genau hier bei dieser Kapelle, auftauchen soll. Es heißt, dass sie einst eine junge Frau gewesen sein soll, die in den 40er Jahren hier verunglückt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Legende nach war die Frau nachts allein unterwegs gewesen. Sie ist am Straßenrand entlanggegangen und hat vorbeifahrenden Autos mit erhobener Hand symbolisiert, dass sie mitgenommen werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hielt jedoch niemand für sie an. Die Autos fuhren einfach nur an ihr vorbei, genau wie die Autos an dieser Kapelle.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie aufs Stichwort raste auch an uns ein Auto vorbei. Der glückliche Zufall entlockte Ken ein zufriedenes Schmunzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn auch nur eine Person sie mitgenommen hätte oder die Autos wenigstens alle an ihr vorbeigefahren wären, müsste ich diese Geschichte jedoch nicht erzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn einer der Fahrer passte für einen kurzen Moment nicht auf. Keine Ahnung, ob er durch irgendetwas abgelenkt war. Vielleicht verfiel er auch in einen Sekundenschlaf oder hatte getrunken. Jedenfalls kam sein Auto von der Straße ab. Er überfuhr die arme Frau. Wobei Überfahren wahrscheinlich nicht das richtige Wort sein dürfte. Ihr seht ja, wie schnell die Autos hier vorbeirasen. Wahrscheinlich wurde ihr Körper wie ein Crashtest-Dummy mehrere Meter durch die Luft geschleudert, ehe sie ein kurzes Stück über den Boden gerollt ist und schließlich reglos liegenblieb.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle lauschten gespannt, während Ken eine Spannungspause machte. Dabei hörte ich, wie Aldur schwer schluckte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass die Frau sofort tot war, irrt ihr euch. Sie hatte den Aufprall überlebt, war sogar noch bei Bewusstsein. Der Fahrer, der natürlich sofort zu ihr gerannt kam, war entsetzt über den Anblick: Einer ihrer Arme hatte eine unnatürliche Haltung eingenommen, bog sich an einer anderen Stelle als dem Ellenbogen, ihre Wirbelsäule machte am unteren Rücken einen Knick und eines ihrer Augen starrte reglos geradeaus, während das andere den Mann fixierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Hilfe … Hilf mir … Hilfe …‘, wiederholte die Frau wieder und wieder, als wäre sie in Trance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Mann half ihr nicht. Zu entsetzt war er von dem Anblick. Das Bild der sterbenden Frau hatte sich bereits jetzt für den Rest seines Lebens in sein Gedächtnis gebrannt. Auch fürchtete er die Konsequenzen, wenn die Leute herausfanden, was er getan hatte. Also ließ er die Frau zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man einigen Gerüchten glaubt, hat er sie sogar erst vom Straßenrand weggezerrt, sie im Unterholz versteckt, damit ihr regloser Körper nicht direkt vom nächsten Auto gesehen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So oder so, ob er sie erst versteckt hat oder direkt geflohen ist, der Mann – wenn es denn überhaupt ein Mann war – wurde nie gefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit jenem Tag soll die ruhelose Seele der Frau, in ein weißes Kleid der Unschuld gehüllt, an dieser Straße auftauchen. Bereit, sich an jedem zu rächen, der achtlos an ihr vorbei fährt, sie nicht in sein Auto lässt, obwohl sie ihn mit erhobener Hand darum bittet. Genau wie all die Autofahrer damals, die ihren Tod hätten verhindern können.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem Ken den Satz beendet hatte, blickte sie in die Runde. Trauer schimmerte in ihren Augen, auch wenn ich nicht wusste, ob es an ihrem überzeugenden Schauspiel lag, oder ob sie die Geschichte tatsächlich so sehr fühlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bruder und Balrog hingegen, sahen sich verstohlen in der Gegend um, als befürchteten sie, dass die Weiße Frau tatsächlich jeden Moment aus dem Schatten der Bäume trat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen grinste Ken breit an. „Und was macht sie dann? Wenn sie nur am Straßenrand rumsteht, kannst du mich damit jedenfalls nicht gruseln. Vielleicht solltest du die Geschichte noch etwas ausschmücken“, schlug ich vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen sahen mich ungläubig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken hingegen schmunzelte. „Das mit dem Ausschmücken haben schon einige Leute versucht. So behaupten manche, dass sie mit ihren Kindern unterwegs gewesen sei, als der Unfall passiert ist. Sie seien alle drei bei dem Unfall gestorben. Aber das ist Quatsch. Jedenfalls hatte sie damals keine Kinder dabeigehabt, als meine Mama und ich sie gesehen hatten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt hatte sie wieder unsere volle Aufmerksamkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihr seid ihr begegnet?“, fragte mein Bruder ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ken nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wehe, du verarschst uns!“, mahnte Balrog. „Wenn hier gleich irgendwo eine verkleidete Frau aus einem Busch springt, suchen wir uns einen neuen Healer!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie zwinkerte ihm als Antwort bloß neckisch zu. Dann erzählte sie von ihrer Begegnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist jetzt schon einige Jahre her. Ich war damals noch ein kleines Mädchen gewesen, als wir nachts auf dem Heimweg waren. Mama hatte die Frau zuerst gesehen. Ihr weißes Kleid wirkte im Scheinwerferlicht wie ein Leuchtfeuer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sie wusste, wie gefährlich es für junge Frauen um diese Uhrzeit sein konnte, besonders an einem Ort wie diesem, hielt sie natürlich sofort an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erinner mich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber sie hatte mich gebeten, das Fenster runterzukurbeln und die Frau gefragt, wo sie hinwolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau hingegen hatte kein einziges Wort gesagt. Sie stand bloß da und starrte uns eine unbequem lange Zeit durch das offene Fenster an. Ich fand das richtig gruselig. Dann hat sie endlich nach vorne geschaut und Richtung Ebersberg gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil das auch unser Weg war, hatte Mama ihr angeboten, dass sie hinten einsteigt, was sie dann auch sofort getan hat. Dabei hat sie weiterhin kein einziges Wort gesagt. Ich weiß aber noch, wie Mama mich damals angemeckert hat, dass ich die Frau nicht so anstarren soll. Ich sage immer gerne, dass ich gespürt hätte, dass mit der Frau etwas nicht stimmt. Aber wahrscheinlich war es nur kindliche Neugierde gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls hatte ich mich nach Mamas Mahnung wieder richtig hingesetzt und die Frau verstohlen durch die Spiegelung im Fenster beobachtet. Trotz der Dunkelheit konnte ich da nämlich ihr weißes Kleid sehr gut erkennen. Bis ich es nicht mehr konnte … Plötzlich sah ich in der Spiegelung nur noch Schwärze. Ich hab mich natürlich sofort umgedreht, aber die Frau war weg. Sie war spurlos aus dem Auto verschwunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mama hat sofort angehalten. Wir haben gemeinsam das Auto und die Straße nach ihr abgesucht, aber konnten sie nirgends finden. Es war, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Und wenn ihr mich fragt, hat sie das auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg hatten wir erst kurz danach erfahren, als Mama einem Bekannten von der Begegnung erzählt hat. Ich weiß nicht, ob er uns geglaubt hat, aber er meinte zu uns, dass wir Glück hatten. Hätten wir die Frau nicht mitgenommen, so besagt die Legende, wäre sie wenig später trotzdem in unserem Auto aufgetaucht. Sie hätte das Lenkrad zur Seite gerissen, damit wir in einen Baum rasen. Dann hättet ihr mich vielleicht nie kennengelernt …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merkte erst, dass ich sie mit offenem Mund anstarrte, als Kenney ihre Geschichte beendet hatte. Jetzt hatte selbst ich eine Gänsehaut. Hatte sie sich das ausgedacht, um uns zu gruseln? Oder war ihr das wirklich passiert? Ich traute ihr beides zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als dann auch noch ein Auto an uns vorbeifuhr, das plötzlich hupte – wahrscheinlich erlaubte sich der Fahrer einen Spaß –, sprang ich meinem Bruder fast auf den Arm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor lauter Schreck starrten wir alle so entsetzt in die Runde, als wäre uns die Weiße Frau doch noch erschienen. Danach brachen wir in schallendes Gelächter aus. Der Bann war gebrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatte ich mich auf dem Weg in die Kneipe, die wir nach dem Treffen bei der Kapelle besucht hatten, mehr als nur einmal im Wald umgesehen, ob ich irgendwo eine weiße Gestalt zwischen den Bäumen sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hatte mir an jenem Abend fest vorgenommen: Sollte ich jemals Kenneys Mutter kennenlernen, würde ich sie nach der Weißen Frau fragen. Dann würde ich wissen, ob Ken sich die Geschichte bloß ausgedacht hat.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg, manchmal auch „Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst“, ist eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a> aus Bayern. Sie handelt von dem <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geist</a> einer Frau, der im Ebersberger Forst Autos anhält und darum bittet, als Anhalter mitfahren zu dürfen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viel ist über das Aussehen der Weißen Frau nicht bekannt. Es heißt nur, dass sie eine Frau ist und weiße Kleidung trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beschrieben wird sie fast immer in einem weißen Kleid. Seltener soll sie zusätzlich einen weißen Schleier tragen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, einigen Quellen zufolge trug sich das Ereignis jedoch in den 1940er Jahren zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals soll eine Frau nachts allein auf der Straße zwischen Ebersberg und Schwaberwegen unterwegs gewesen sein, als sie nahe der Hubertuskapelle von einem Auto angefahren und tödlich verletzt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt der Frau jedoch zu helfen, beging der Fahrer des Autos Fahrerflucht und ließ sie zum Sterben zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem, so heißt es, soll der Geist der Frau als die Weiße Frau von Ebersberg auf der Straße nahe der Hubertuskapelle gesichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alternative Erzählungen berichten außerdem von einem oder zwei Kindern, die bei der Frau waren und ebenfalls gestorben sind, oder davon, dass der Fahrer die Frau sogar ins Unterholz gezerrt haben soll, ehe er geflohen ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg soll sich nachts nahe der Hubertuskapelle am Straßenrand aufhalten und versuchen, als Anhalterin mitgenommen zu werden. Einigen Leuten zufolge brennt in der Kapelle eine flackernde Kerze, wenn der Geist in der Nähe ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hält man an, um sie ein Stück mitzunehmen, merkt man entweder sofort, dass die Begegnung nicht mit rechten Dingen zugeht, da sie durch die Fensterscheibe oder das Schlüsselloch ins Auto kommt oder einfach auf der Rücksitzbank auftaucht, oder sie steigt wie ein normaler Mensch ein. Wenn man anschließend weiterfährt, läuft es ähnlich wie bei der Legende „Der verschwundene Anhalter“ ab: Die Frau verschwindet nach einiger Zeit spurlos aus dem Wagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sie hingegen nicht ins Auto lässt, sie übersieht oder gar ignoriert, soll sie plötzlich bei voller Fahrt auf dem Beifahrersitz oder der Rücksitzbank auftauchen und einem ins Lenkrad greifen, damit man selbst einen Unfall baut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weiße Frau von Ebersberg wurde bisher fast ausschließlich nachts auf der Staatsstraße 2080 zwischen Ebersberg und Schwaberwegen in Bayern gesichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig soll sie sich dabei in der Nähe der Hubertuskapelle aufhalten, die an der Straße steht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Legende der Weißen Frau in der kompletten Region um Ebersberg bekannt ist und sie durchaus einige Leute fürchten, gibt es aus der Gegend keine Zeitungs- oder Polizeiberichte, die von einem tödlichen Unfall oder Leichenfund einer Frau berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch an dem Gerücht, dass die Frau in den 1940ern verunglückt sein soll, scheint nichts dran zu sein, da die Legende erstmals in den 1970er Jahren aufgekommen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gab es auf der Staatsstraße 2080 bisher tatsächlich auffällig viele Unfälle. Begründet wird das Ganze mit der schlechten Sicht und vielen Rasern. Nachdem 1985 sogar ein Auto die Hubertuskapelle gerammt hatte, wurde die Straße umgebaut, woraufhin die Unfälle deutlich abgenommen haben. Die Staatsstraße 2080 gilt jedoch weiterhin als Unfallschwerpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Legende trotz fehlender Beweise großer Beliebtheit erfreut. So gibt es viele YouTube-Videos zu dem Thema – einige von ihnen sollen angeblich sogar den Geist zeigen –, die deutsche Horrorserie „Ebersberg“ behandelt die Legende und es war sogar einmal ein japanisches Filmteam vor Ort, um einen Bericht über die Legende fürs japanische Fernsehen zu drehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Legende der Weißen Frau von Ebersberg? Sind die vielen Autounfälle bloß Zufall oder ist an der Legende doch etwas dran? Würdet ihr euch trauen, nachts die Straße entlangzufahren? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Anhalter]]></category>
		<category><![CDATA[England]]></category>
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		<category><![CDATA[weibliche Protagonistin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Obwohl ich Mitleid mit ihr hatte, bereitete mir irgendetwas an ihrer Stimme und der Art, wie die den Blickkontakt vermied, Unbehagen. Trotzdem erlaubte ich ihr, einzusteigen – ich war immerhin kein Unmensch, der eine alte Dame in der Dunkelheit stehenließ!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/38f6a2ea168a4e438cad73256087694b" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Die hairy-armed hitchhiker Legende ist eine von vielen Legenden, die von Anhaltern handelt. Im Gegensatz zu der von mir bereits behandelten &#8222;<a href="https://www.geister-und-legenden.de/der-verschwundene-anhalter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der verschwundene Anhalter</a>&#8220; Legende, ist diese im deutschsprachigen Raum jedoch fast völlig unbekannt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammter Mist“, fluchte ich. Der Stromausfall hatte mich völlig unerwartet erwischt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte das Licht nicht ein paar Minuten später ausfallen können, wenn ich im Auto saß oder es wenigstens schon gefunden hatte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine kleine Taschenlampe spendete kaum genug Licht, um mich in der Parkgarage zurechtzufinden, geschweige denn, um mein Auto zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte sicherlich fünf bis zehn Minuten, bis der rote Lack meines Wagens endlich im schwachen Licht aufblitzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Na endlich …</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erleichtert eilte ich zu ihm. Ich wollte gerade den Autoschlüssel ins Schloss stecken, als ich hinter mir ein Geräusch vernahm. Verunsichert fuhr ich herum. Ich leuchtete eine Frau an, die völlig unerwartet hinter mir stand und presste ich mich erschrocken an meine Autotür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh entschuldigen Sie, junge Frau“, krächzte sie. „Ich wollte Sie nicht erschrecken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete erleichtert auf. Es war bloß eine ältere Dame. Sie trug eine braune Strickjacke und einem kitschigen, breiten Hut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe ihre Taschenlampe gesehen und wollte fragen, ob Sie mich nicht mitnehmen können? Es ist mir zu dunkel hier. Verstehen Sie?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich Mitleid mit ihr hatte, bereitete mir irgendetwas an ihrer Stimme und der Art, wie die den Blickkontakt vermied, Unbehagen. Trotzdem erlaubte ich ihr, einzusteigen – ich war immerhin kein Unmensch, der eine alte Dame in der Dunkelheit stehenließ!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh, das ist wirklich nett von Ihnen!“, dankte sie, als sie auf der Beifahrerseite einstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Auto gab es endlich Licht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt betrachtete ich die Frau genauer. Auch wenn sie den Blick immer noch gesenkt hatte und ich ihr Gesicht nicht richtig erkennen konnte, war sie mir irgendwie suspekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie trug unter der braunen Strickjacken eine weite beige Bluse mit kitschigem Muster und eine fürchterliche lachsfarbene Hose. Ihre Kleidung passte absolut nicht zusammen. Doch das Auffälligste waren ihre weißen Handschuhe, die dem Outfit ein letztes, völlig absurdes Sahnehäubchen aufsetzten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie ihre große, pinke Handtasche schließlich in den Fußraum stellte, wurde ich stutzig. Ihre Strickjacke war leicht nach oben gerutscht und hatte für einen kurzen Moment ihren Arm enthüllt … an dem sich lange, schwarze Haare befanden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das erklärte auch die seltsame Stimme. Sie klang … Ja. Sie klang wie jemand, der seine Stimme so verstellte, dass sie sich möglichst alt und krächzig anhörte. Das neben mir war überhaupt keine alte Frau!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ist etwas, Liebes?“, fragte ‚sie‘.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh. Nein. Tut mir leid. Ihre Strickjacke – meine Oma hatte auch so eine!“, erwiderte ich mit einem warmen Lächeln, während ich fieberhaft überlegte, was ich jetzt tun sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Auto zu springen und loszurennen, war zu riskant. Der verkleidete Mann ging von der Größe her zwar definitiv als alte Frau durch, doch das sagte nichts über seine Sportlichkeit aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte Pfefferspray im Auto, aber das lag im Handschuhfach. Ich müsste mich also zu ihm rüberbeugen und … nein! Das war zu riskant!</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sitzen Sie bequem? Soll ich die Sitzheizung anmachen?“, fragte ich, um Zeit zu gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein danke. Es geht so“, lehnte der Mann mit seiner verstellten Stimme ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich bloß tun?! Da mir nichts anderes übrigblieb, startete ich den Motor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem mein Körper völlig angespannt war, versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, dass ich den Mann durchschaut hatte. Wer weiß, wie er dann reagieren würde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaltete bewusst langsam und hielt wieder an, nachdem ich das Auto ausgeparkt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung?“, fragte der Mann mit seiner verstellten Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Würde es ihnen etwas ausmachen, nachzusehen, ob meine Bremslichter funktionieren?“, fragte ich mit trockener Kehle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann schien nachzudenken. Hatte er bemerkt, dass ich seine Tarnung durchschaut hatte? Mein Puls stieg an.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Bleib ruhig, Steffi. Er darf dir jetzt nichts anmerken!‘</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie dürfen auch gerne meine Taschenlampe mitnehmen. Aber gehen Sie vorsichtig damit um. Sie ist ein Geschenk meiner besten Freundin“, log ich, um den Mann in Sicherheit zu wiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer schwieg er. Mein Herz raste inzwischen, als würde ich einen Marathon laufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Natürlich, Liebes“, sagte er endlich und nahm mir die Taschenlampe ab, die ich ihm hinhielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich klappte die Sonnenblende herunter und tat so, als würde ich meine Haare richten, während der Mann langsam ausstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tür ließ er zwar offen, aber das störte mich nicht weiter. Ich hatte ihn aus dem Auto locken können!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich im Spiegel der Sonnenblende sah, dass der Mann hinter meinem Auto stand, ließ ich die Kupplung kommen und trat aufs Gaspedal. Der Motor heulte auf, während das Auto losraste. Die Beifahrertür knallte zu, doch rastete nicht richtig ein, weswegen das Licht im Auto nicht erlosch. Ich ignorierte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rückspiegel sah ich, wie der Mann hinter mir herlief.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warten Sie!“, schrie er. Seine Stimme klang jetzt deutlich tiefer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte das schnelle Klackern seiner Stöckelschuhe sogar über den Motor hinweg hören. Dann fluchte er. Ich sah, wie er sich bückte und verlor ihn aus den Augen. Wahrscheinlich zog er die Schuhe aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der Autoscheinwerfer konnte ich jetzt in der Tiefgarage problemlos navigieren. Ich fuhr eine Rampe nach oben, dann eine zweite, eine dritte. Jetzt war ich im Erdgeschoss. Ich fuhr geradeaus, bis ich endlich die Schranke erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch kurbelte ich das Fenster herunter, griff nach dem Parkschein und schob ihn in den Automaten. Nicht passierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Verdammter Stromausfall!“, fluchte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sollte ich jetzt tun? Hatte ich genug Zeit, die Schranke manuell zu öffnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine plötzliche Bewegung im Rückspiegel ließ mich zusammenfahren. Ich wusste nicht, ob es tatsächlich der Mann war, doch ich wollte es nicht darauf ankommen lassen. Mit voller Wucht bretterte ich durch die Schranke, die mit einem Knacken durchbrach, über meine Windschutzscheibe rollte und in der Dunkelheit hinter mir verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist fast ein Wunder, dass ich keinen Unfall gebaut hatte, während ich über eine rote Ampel raste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte, wie ein Auto bremste und hupte. Doch ich hielt nicht an. Stattdessen fuhr ich schnurstracks zur Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beamter nahm meine Zeugenaussage auf, die jedoch keine große Hilfe war. Der Mann wurde nie gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ein viel großerer Schock kam erst am nächsten Tag, als ich die Handtasche des Mannes fand, die er in den Fußraum gelegt hatte. In ihr war eine kleine, handliche Axt und mir läuft bis heute eine kalter Schauer den Rücken hinunter, wenn ich darüber nachdenke, was der Mann wohl mit mir vorgehabt hatte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„The hairy-armed hitchhiker“ (englisch für „Der Anhalter mit behaarten Armen“), manchmal auch „The hairy-armed woman“ („Die Frau mit behaarten Armen“) genannt, ist eine im englischsprachigen Raum weit verbreitete <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Täter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Täter der hairy-armed hitchhiker Legende ist ein Mann, der sich als Frau verkleidet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig heißt es, dass der Mann so tue, als wäre er eine sehr alte Frau, die per Anhalter mitfahren wolle. Er trägt hierzu passende Kleidung, eine Perücke und hat meist eine Handtasche dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Legende besitzt die „alte Frau“ Bartstoppeln, starke Beinbehaarung, sehr große Füße und in fast allen Fällen stark behaarte Arme.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Von der hairy-armed hitchhiker Legende gibt es mehrere Versionen, die sich mal mehr mal weniger stark unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten von ihnen beginnen entweder auf offener Straße oder auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Protagonistin ist eine Frau, die in ihrem Auto sitzt oder sich auf dem Weg dorthin befindet, als sie einer älteren Dame begegnet, die sie darum bittet, als Anhalter mitfahren zu dürfen. Die ältere Dame nennt hierbei Vorwände wie z.B., dass ihr Einkauf ihr zu schwer wäre, sie sich nicht gut fühle oder es einen Stromausfall gibt, bei dem sie Schwierigkeiten habe, nach Hause zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fahrerin bemerkt jedoch kurz darauf, dass die ältere Dame behaarte Arme oder Hände besitzt (selten auch Bartstoppeln oder behaarte Beine). Von hier an unterscheiden sich die meisten Versionen der Geschichte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 1:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die Frau die behaarten Arme bemerkt hat, bittet sie sie, nach ihren Brems- oder Rücklichtern zu sehen, da diese nicht immer richtig funktionieren und sie nicht angehalten werden wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vermeintliche Dame willigt ein und die Frau rast los, sobald sie das Auto verlassen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später bemerkt sie die Handtasche bzw. Einkaufstüte der Frau, die noch im Auto liegt. In ihr befindet sich eine Axt oder ein Messer – in seltenen Fällen sogar eine Schusswaffe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 2:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die ältere Dame ist der Frau von vornerein suspekt, weswegen sie das Losfahren herauszögert. Sie bemerkt die behaarten Arme und nennt einen Vorwand, weswegen sie noch einmal zurückmüsse (z.B. da sie etwas vergessen habe). Sie wendet sich an einen Sicherheitsmann des Einkaufszentrums oder ruft die Polizei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam kehren sie zu Auto zurück, wo von der Dame jede Spur fehlt. Sie bemerken nur noch die Tasche mit einer Axt (oder anderen Waffe) darin im Fußraum oder auf der Rücksitzbank.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 3:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau ist bereits gemeinsam mit der älteren Dame losgefahren, als sie die haarigen Arme bemerkt. Sie baut daraufhin absichtlich einen leichten Unfall und bittet die Person, die am Unfall beteiligt ist, die Polizei zu rufen oder ihr zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie zum Auto zurückkehren, ist die ältere Dame bereits verschwunden und sie finden nur noch ihre Tasche mit der Waffe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Variante 4:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau sieht einen Streifenwagen – z.B., als ein anderes Auto am Straßenrand kontrolliert wird – und springt aus dem Auto.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie der Polizei erklärt hat, was überhaupt los ist, hat sich die vermeintliche ältere Dame bereits aus dem Staub gemacht. Die Polizei bemerkt bei der Suche nach Beweisen die Waffe in der Handtasche oder Einkaufstüte, die die Dame im Auto zurückgelassen hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich war der Ort des Geschehens von &#8222;The hairy-armed hitchhiker&#8220; in Leeds, West-Yorkshire, England. Dort wurde die vermeintliche alte Frau auf offener Straße aufgelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In neueren Versionen wechselt der genaue Ort häufig mit dem Erzähler. Auch heißt es heutzutage häufig, dass die „alte Frau“ auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums gewesen sei.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Legenden über einen verkleideten Räuber, die der hairy-armed hitchhiker Legende sehr ähnlich sind, gab es sowohl in England als auch den USA angeblich bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die moderne Version soll ihren Ursprung hingegen erst 1977 in Leeds, England haben. Zur damaligen Zeit gab es eine generelle Panik in Yorkshire (wo auch Leeds liegt), da ein Serienmörder – Peter Sutcliffe, besser bekannt als „Yorkshire Ripper“ – dort sein Unwesen trieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl der Yorkshire Ripper keine Ähnlichkeiten mit dem Täter aus der hairy-armed hitchhiker Legende hatte, war es wohl kein Zufall, dass die Legende zu der Zeit entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sogar die Zeitung Yorkshire Evening Post verfasste einen Artikel über die Gerüchte. Übersetzt lautet der Artikel etwa wie folgt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Eine außergewöhnliche Geschichte macht ihre Runden in Leeds und selbst die größten Bemühungen erfahrener Journalisten haben es nicht geschafft, ihre Echtheit zu bestätigen oder zu widerlegen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sie wird immer in allen Einzelheiten erzählt und die Frau in der Geschichte soll häufig in einem Krankenhaus oder einer Bank arbeiten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Geschichte nach stieg die Frau während eines Stromausfalls in ihr Auto, als sie von einer älteren Dame angesprochen wurde, die sie darum bat, sie nach Hause zu bringen, da sie ihren Weg in der Dunkelheit nicht finden könne.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Frau willigte ein und die Fremde legte ihre Einkaufstüte auf die Rücksitzbank, nachdem sie eingestiegen war.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Frau bemerkte dabei jedoch, dass die Hand, die die Einkaufstüte hielt, groß und haarig war.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sie reagierte schnell und bat die Fremde, auszusteigen und zu kontrollieren, ob das Rücklicht richtig funktioniere, da es Probleme machte und sie nicht angehalten werden wolle.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Als die Fremde ausgestiegen war, gab die Frau Gas und fuhr in die Nacht hinein.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Später, so heißt es, soll die Frau herausgefunden haben, dass sich in der Einkaufstüte auf dem Rücksitz eine Axt befand.</em>“ (Yorkshire Evening Post, 11. November 1977)</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der hairy-armed hitchhiker Legende? Kanntet ihr sie bereits oder habt ihr schon einmal eine ähnliche Legende gehört? Wie hättet ihr reagiert, wenn ihr die behaarten Arme eures Anhalters bemerkt hättet? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr mehr solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank">Newsletter</a>, oder folgt mir auf&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank">Twitter</a>,&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank">Facebook</a>&nbsp;oder <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank">Instagram</a></em>.</p>
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		<title>Der verschwundene Anhalter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2020 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geister]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Urbane Legenden]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Anhalter]]></category>
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		<category><![CDATA[urbane Legende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Art erinnerte mich an meine Schwester, zu der ich als Kind immer aufgesehen hatte. Aber irgendetwas an ihr war anders. Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben sollte. Es war eine Art „Kälte“. Ich meine hier keine Kaltherzigkeit, sondern etwas anderes. Zu dem Zeitpunkt kam ich jedoch nicht darauf ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c93a8bedbd0e40d89caacd727fe409a0" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Der verschwundene Anhalter&#8220; ist eine der bekanntesten urbanen Legenden, die es gibt. Daher ist sie unter den vielen Legenden, die Anhalter beinhalten, wohl die beliebteste.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Hey, können Sie mich mitnehmen?“, fragte die junge Frau, als ich mein Autofenster heruntergerollt hatte. Sie sah aus der Nähe noch jünger aus, als ich dachte – vielleicht 15 oder 16.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Auftreten war ziemlich rebellisch. Immerhin hatte sie dem Auto vor mir Beleidigungen hinterhergebrüllt und ihm den Mittelfinger entgegengestreckt. Zudem trug sie dunklen Lippenstift, schwarzen Eyeliner, hatte ein Nasenpiercing, kurze braune Haare und trug zerrissene Jeans.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst hatte ich überlegt, ebenfalls an ihr vorbei zu fahren. Aber wer weiß, was für Typen sich zu dieser späten Uhrzeit hier herumtrieben. Der nächste, der durch den Wald fuhr, hatte vielleicht ganz andere Dinge mit ihr vor, als sie nach Hause zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Klar“, sagte ich nach einem kurzen Zögern. „Wo wollen Sie denn hin?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Pine Street 37. Wissen Sie, wo das ist? Wenn es nicht auf Ihrem Weg liegt, können Sie mich auch gerne nur ein Stück mitnehmen“, erwiderte sie, während sie die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das passt. Sind vielleicht fünf Minuten Umweg.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Voll korrekt, Mann!“, antwortete sie, während sie einstieg. „Ich heiße übrigens Liz.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Josh“, erwiderte ich und hielt ihr meine Hand entgegen. Sie ignorierte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Na toll, da rede ich einmal mit einer Teenagerin und schon bin ich uncool‘, dachte ich, während ich meine Hand zögernd wegnahm, um den Motor zu starten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir weiterfuhren, breitete sich eine unbehagliche Stille im Auto aus, die nur durch Liz‘ gelegentliches Schmatzen auf ihrem Kaugummi und den monotonen Fahrgeräuschen unterbrochen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah immer wieder verstohlen zu ihr hinüber. Was ein so junges Mädchen wohl mitten in der Nacht in einem Wald zu suchen hatte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">An sich wirkte sie ziemlich cool. Ihre Art erinnerte mich an meine Schwester, zu der ich als Kind immer aufgesehen hatte. Aber irgendetwas an ihr war anders. Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben sollte. Es war eine Art „Kälte“. Ich meine hier keine Kaltherzigkeit, sondern etwas anderes. Zu dem Zeitpunkt kam ich jedoch nicht darauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was?“, fuhr Liz mich leicht genervt an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zuckte zusammen. Sie wirkte angespannt. Sie musste meine Blicke bemerkt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oh … Nichts … Tut mir leid!“, stammelte ich. „Ich hab mich nur gewundert, was eine Teenagerin nachts in den Wald treibt …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ah“, sagte sie knapp und schien sich etwas zu entspannen. „Ich hatte einen Autounfall.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sah ich sie mit großen Augen an, musste mich aber schnell wieder der Straße zuwenden, damit uns nicht das gleiche Schicksal ereilte. Auf eine Erklärung wartete ich jedoch vergebens. Stattdessen fragte Liz nur: „Darf ich?“, und schaltete ohne eine Antwort abzuwarten das Radio ein. Sie stellte auf einen Rock-Sender um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte, nachzuhaken, doch wollte nicht aufdringlich sein – immerhin schien es ihr gutzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so fuhren wir die nächsten Minuten schweigend weiter, während wir dem Radio lauschten. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Liz im Takt der Musik mit dem Kopf wippte. Ich musste schmunzeln. Sie hörte erst auf, als wir uns der Pine Street näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier gleich rechts!“, sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich abgebogen war, suchte ich die Häuser nach Hausnummern ab. Ich fuhr jetzt sehr langsam. 19, 21, 23 … 31, 33, 35, 37. Wir waren da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Straße sehr eng war, fuhr ich auf die Auffahrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So, da wären …“, meine Worte blieben mir im Hals stecken, während mein Mund weit offen stand. Wo war Liz? Der Sitz neben mir war leer!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verwirrt sah ich auf die Rücksitzbank. Nichts. Die Tür stand auch nicht offen, und wenn Liz sie zugeschlagen hätte, hätte ich das doch hören müssen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert schnallte ich mich ab und stieg aus dem Wagen. Ich sah die Straße entlang. Sie war nur schwach beleuchtet und es wehte ein sanfter Wind. Hören konnte ich nur einige Grillen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging um mein Auto herum, aber nichts. Liz war wie vom Erdboden verschluckt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entschied, zum Haus zu gehen und mich nach ihr zu erkundigen. Vielleicht hatte sie es ja irgendwie geschafft, unbemerkt ins Haus zu gelangen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚Ding Ding!‘, ertönte die Klingel. Drinnen hörte ich einige Geräusche, bis ein älterer Herr schließlich die Tür öffnete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja? Kann ich helfen?“, fragte er, während er misstrauisch durch den Türspalt spähte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich … suche ein Mädchen. Sie ist bei mir per Anhalter mitgefahren und wollte zu dieser Adresse. Etwa so groß, kurze braune Haare, leicht rebellisch, Nasenpiercing?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Elizabeth?“, fragte der Mann mit geweiteten Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, das könnte hinkommen, sie hat sich als Liz vorgestellt“, bestätigte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist unmöglich!“, sagte der Mann plötzlich sehr rau. Er öffnete die Tür und trat bedrohlich einen Schritt auf mich zu. „Finden Sie das lustig?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ängstlich wich ich zurück. „Bitte, ich … Sie meinte, dass sie einen Autounfall hatte. Ich will doch nur wissen, ob es ihr gut geht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt taumelte der Mann zurück, als hätte ich ihn geschlagen. Tränen füllten seine Augen. „Woher wissen Sie davon? Kannten Sie meine Tochter?“, fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ihre Tochter? Wenn Sie Liz meinen, ich hab sie im Wald aufgesammelt. Sie hat mir diese Adresse genannt. Ich war nur einen Moment unaufmerksam. Sie muss rausgesprungen sein …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wann war das?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Na eben gerade“, erwiderte ich verwirrt. „Sie saß eben noch in meinem Auto.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann schob mich beiseite und rannte zur Straße. Er sah sie auf und ab, als würde er nach Liz suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was ist denn los?“, fragte ich verwundert. „Ich verstehe nicht!“ Wieso verhielt sich der Mann so seltsam?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt drehte er sich wieder zu mir. „Liz … meine Tochter. Sie ist genau heute vor einem Jahr bei einem schweren Autounfall gestorben!“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der verschwundene Anhalter (original englisch „The vanishing hitchhiker“), auch der Phantom-Anhalter (engl. „the phantom hitchhiker“) genannt, ist eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">urbane Legende</a>, die es in vielen verschiedenen Versionen überall auf der Welt gibt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Anhalter:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um wen es sich bei dem Anhalter handelt, unterscheidet sich von Geschichte zu Geschichte. Sowohl Alter, als auch Geschlecht und Kleidung kann dabei deutlich variieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer oder was genau die mysteriösen Anhalter sind, kann sich auch je nach Version unterscheiden. So gibt es viele Versionen, in denen sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/geister">Geister</a> sein sollen, aber auch einige wenige, wo der Anhalter eine getarnte Gottheit gewesen sein soll.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Anfang ist bei fast jeder Version der „Der verschwundene Anhalter“-Legende identisch. Im Normalfall fährt eine Person (manchmal auch mehrere Personen) abends oder nachts durch die Straßen, als sie einen Anhalter sieht. Sie entscheidet, den Anhalter mitzunehmen, und lässt ihn zu sich ins Auto.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Version 1 – der Anhalter möchte nach Hause:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Version nennt der Anhalter dem Fahrer eine Adresse, bei der er angeblich wohne. Als der Fahrer das Haus erreicht, ist der Anhalter jedoch spurlos verschwunden, ohne ausgestiegen zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fahrer kann sich das Verschwinden natürlich nicht erklären. Daher steigt er häufig aus und erkundigt sich bei dem angeblichen Zuhause nach dem Anhalter. Hierbei kommt schließlich heraus, dass es sich bei dem Anhalter um eine bereits verstorbene Person handelt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Version 2 – der Anhalter nennt die Adresse eines Friedhofs:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dieser Variante nennt der Anhalt ebenfalls eine Adresse, zu der er möchte oder bei der er wohne. Als der Fahrer die Adresse jedoch erreicht, steht dort ein Friedhof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fahrer ist daraufhin meist verwundert und möchte sich erkunden, ob er zur falschen Adresse gefahren sei, muss jedoch feststellen, dass der Anhalter verschwunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig wird bei dieser Version auch erwähnt, dass der Fahrer dem Anhalter einen Gegenstand wie etwa eine Jacke oder einen Mantel geliehen habe. Der Gegenstand liegt daraufhin meist auf einem der Grabsteine, unter dem der in Wirklichkeit bereits verstorbene Anhalter begraben liegt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Version 3 – der Anhalter verschwindet auf halber Strecke:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dieser Version nennt der Anhalter ebenfalls einen Ort oder gibt Weganweisungen. Noch während der Fahrt verschwindet der Anhalter jedoch spurlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuvor hat er dem Fahrer jedoch meist einen wertvollen Tipp – z.B. bei Problemen in der Familie oder Beziehung – gegeben oder ihn vor einer bevorstehenden Katastrophe gewarnt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Version 4 – der Anhalter ist eine getarnte Gottheit:</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine eher seltenere Version besagt, dass der Anhalter in Wirklichkeit eine lokale Gottheit sei, die jene Fahrer belohnt, die sie mitnehmen wollen. Hierbei erhält der Fahrer häufig einen wertvollen Tipp oder ein anderes Geschenk, bevor der Anhalter sich in Luft auflöst.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die „Der verschwundene Anhalter“-Legende ist eine alte und sehr beliebte Legende. Daher ist sie auch sehr weit verbreitet. Fast überall auf der Welt hat man sich bereits die eine oder andere Variante dieser Geschichte erzählt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Legenden in der Art von „Der verschwundene Anhalter“ werden bereits seit Jahrhunderten in ähnlichen Varianten erzählt. So gibt es z.B. alte Versionen, bei denen der heutige Anhalter ein Mitfahrer in der Bahn oder ein Anhalter per Kutsche oder Pferd war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch obwohl „Der verschwundene Anhalter“ eine Legende ist, die bereits sehr gut untersucht und erforscht wurde, hat man bisher keinen eindeutigen Ursprung, keine Geschichte, auf der die Legende basiert, finden können. Man geht jedoch davon aus, dass ihr Ursprung irgendwo in Europa liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen großen Bekanntheitsschub erhielt die Legende im Jahre 1981, als Jan Harold Brunvand das Buch „The Vanishing Hitchhiker: American Urban Legends and Their Meanings“ veröffentlichte, in dem es u.A. um die Legende ging.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der &#8222;Der verschwundene Anhalter-Legende? Glaubt ihr, dass es diese geisterhaften Anhalter wirklich gibt, oder handelt es sich eurer Meinung nach nur um eine wieder und wieder erzählte Legende? Wie würdet ihr reagieren, wenn ein Anhalter plötzlich aus eurem Auto verschwinden würde? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



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