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	<title>christliche Legende Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Dec 2025 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/kallikantzaroi">Kallikantzaroi – Sie sind in deinem Haus!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg02.met.vgwort.de/na/5d8849c78b424a94bd9c460c5375c037" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>Die Kallikantzaroi sind eine bekannte <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten">Weihnachtslegende</a> in Griechenland. Es heißt, dass diese koboldartigen Wesen dort jedes Jahr um die Weihnachtszeit Unruhe stiften.</p>



<p>Außerdem hier noch ein kurzer Hinweis: Auf Wunsch eines Patrons habe ich jetzt eine <a href="https://ko-fi.com/geisterlegenden">Ko-fi Seite</a>, auf der ihr mich – wenn ihr möchtet – mit einer einmaligen oder monatlichen Zahlung unterstützen könnt.</p>



<p>Jetzt will ich euch aber nicht weiter warten lassen. Wir sehen uns nach meiner Winterpause wieder und ich wünsche euch bis dahin frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und …</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen (Achtung Spoiler!) </strong></summary>
<p>&#8211; Krankheit: Demenz</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Als ich nach Hause kam, merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich hörte Geräusche aus dem Wohnzimmer. Das Problem war: Ich wohnte allein.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ob ich nicht bei der Wohnung gegenüber klopfen solle, jemandem Bescheid sagen. Aber nein. Was auch immer das war, ich wollte meine Nachbarn damit nicht bei ihrem Weihnachtsfest stören. Also ging ich mit vorsichtigen Schritten zum Wohnzimmer. „Hallo? Wer ist da?“, rief ich.</p>



<p>„Baba?“, antwortete eine Stimme.</p>



<p>Ich atmete erleichtert auf. Das war Ilias. „Ich dachte, du willst erst heute Abend kommen?“, fragte ich, während ich das Wohnzimmer betrat.</p>



<p>Mein Sohn stand in der Mitte des Raumes vor meinem Fernsehsessel und sah nun in meine Richtung. „Was ist hier passiert?“, fragte er, ohne auf meine Frage einzugehen.</p>



<p>Ich sah mich im Raum um. Dort stand der Weihnachtsbaum, über dem Fernseher hing eine goldfarbene Girlande und auf der Fensterbank standen einige zugeschneite Häuschen mit ausgeschalteter Beleuchtung. „Was ist wo passiert?“, fragte ich. Wie so oft konnte ich seinem Gedankengang nicht ganz folgen.</p>



<p>Ilias nickte Richtung Sessel. „Na hier. Wie hast du das geschafft?“, fragte er.</p>



<p>Noch immer irritiert trat ich nun neben ihn. Jetzt sah ich es auch. Die Fußstütze hing schief. Es musste irgendetwas gebrochen sein.</p>



<p>„Keine Ahnung“, sagte ich. Ich runzelte die Stirn. Wann war das passiert? Gestern Abend war mit dem Sessel doch noch alles in Ordnung gewesen, oder?</p>



<p>Ilias wirkte nicht sehr überzeugt. „Wenn du mich fragst, sieht das aus, als wäre etwas oder <em>jemand</em> auf das Fußteil gestürzt, als es ausgeklappt war.“ Sofort musterte er mich, als suche er nach irgendwelchen Verletzungen.</p>



<p>Ich schnaubte. „Das hätte ich ja wohl mitbekommen. Keine Ahnung, wie das passiert ist.“ Toll. Da sah ich meinen Sohn nach fast einem Jahr zum ersten Mal wieder und das erste, was er machte, waren Vorwürfe. Dabei hätte doch vielmehr <em>ich ihm</em> Vorwürfe machen sollen, dass er mich so selten besuchte, obwohl wir in derselben Stadt wohnten.</p>



<p>Ilias sah mich noch eine Weile unzufrieden an. Dann jedoch wurde seine Miene sanfter. Er nahm mich in den Arm. „Hey Baba. Es tut gut, dich wiederzusehen“, log er.</p>



<p>Ich unterdrückte ein Schnaufen. Stattdessen fiel mein Blick auf das Fenster, vor dem auch die kleinen Häuschen standen. Erst jetzt merkte ich, dass es einen Spalt breit offenstand. „Und was ist mit dem Fenster?“, fragte ich, während ich darauf zuging, um es zu schließen. „Willst du uns krank machen oder warum ist es so kalt hier drinnen?“</p>



<p>Ilias verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wich meinem Blick aus. „Na ja, es …“, sagte er dann zögerlich. „Es hat nicht gerade angenehm gerochen, als ich reingekommen bin“, erklärte er. Es war ihm sichtlich unangenehm, mich darauf anzusprechen. Dann jedoch sah er mich an, als verlange er eine Erklärung.</p>



<p>Wieder runzelte ich die Stirn. Es hatte gestunken? Aber in meiner Wohnung stank es nicht. Das wäre mir aufgefallen. Oder?</p>



<p>Jetzt seufzte Ilias. „Tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahetreten. Ich hätte nichts sagen sollen.“ Bevor ich protestieren konnte, wechselte er jedoch das Thema. „Warum ich aber eigentlich so früh hier bin: Ich dachte, wir können vielleicht zusammen das Weihnachtsessen kochen. Ich weiß doch, wie lange du dafür immer in der Küche stehst.“</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Während des Kochens blieb die Stimmung angespannt. Ilias gab sich wirklich Mühe, das merkte ich. Aber er war einfach kein guter Koch. Es war mir ein Rätsel, wie er sich das Jahr über allein ernähren konnte.</p>



<p>„Wie sieht es eigentlich mit einer Freundin aus?“, fragte ich. „Hast du inzwischen jemanden kennengelernt? Deine Schwester hat jetzt ja auch endlich geheiratet.“</p>



<p>Ilias schüttelte den Kopf. „Nein. Ich komm so weit ganz gut ohne Frau zurecht. Aber irgendwann treff ich schon die Richtige.“</p>



<p>Ich lächelte ihm aufmunternd zu. „Es gibt da ja auch diese Apps …“, schlug ich vor.</p>



<p>Das hingegen schien ihn zu verärgern. „Können wir bitte über was anderes reden?“, fuhr er mich an. „Ich misch mich ja auch nicht in dein Privatleben ein!“</p>



<p>So ähnlich lief auch das restliche Kochen und sogar das gemeinsame Essen ab. Und so verging ein viel zu langer Abend, an dem mein Sohn und ich kaum ein Wort wechselten. Aber das machte mir nicht allzu viel aus. Trotz allem war es schön, mal nicht allein essen zu müssen. Außerdem hatte ich ja noch genug Tage, an denen ich mich vernünftig mit Ilias unterhalten konnte, ehe er am 06. Januar – dem Ende des 12-tägigen Weihnachtsfestes hier in Griechenland – wieder in der Versenkung verschwand. Noch ahnte ich ja nicht, dass unsere mangelhafte Vater-Sohn-Beziehung nicht mein einziges Problem werden würde.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Am nächsten Tag kam Ilias erst kurz vor dem Abendessen. Ich hatte bereits das Hoirino Prasoselino von gestern auf dem Herd stehen, sodass er nur noch meinen kleinen Esstisch decken musste.</p>



<p>Währenddessen nahm ich mir vor, heute nicht wieder irgendwelche ungemütlichen Themen wie Beziehungen, seinen Job oder gar meinen Wunsch, Enkelkinder zu bekommen, anzusprechen.</p>



<p>Und so wechselten wir kaum ein Wort, bis wir gemeinsam vor unseren dampfenden Tellern saßen.</p>



<p>„Guten Appetit“, sagte Ilias fast sofort, ehe er sich schnell einen Löffel der Suppe in den Mund steckte. Ihm schien die Stille mindestens genauso unangenehm zu sein wie mir.</p>



<p>Das änderte sich jedoch in den nächsten Sekunden. Ich sah, wie er fast sofort das Gesicht verzog. Trotzdem kaute er übertrieben langsam und schluckte den Bissen dann in einem viel zu großen Schluck hinunter.</p>



<p>„Was ist?“, fragte ich. Gestern hatte ihm das Essen noch sehr gut geschmeckt.</p>



<p>Die Frage erübrigte sich jedoch, als ich selbst einen Löffel des Schweine-Sellerie-Eintopfes in den Mund nahm. Sofort breitete sich ein widerwärtiges Aroma in meinem Mund aus. Es war ein viel zu bitterer, leicht salziger Geschmack, von dem gestern noch jede Spur gefehlt hatte.</p>



<p>Ich spuckte das Essen zurück auf meinen Teller. „Das ist ja widerlich“, sagte ich, während ich mir den Mund mit meinem Handrücken abwischte.</p>



<p>„Hast du da noch irgendetwas reingetan?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich zögerte.</p>



<p>„Hast du?“, hakte er nach.</p>



<p>„Na ja, ich habe es ein wenig nachgewürzt. Aber wirklich nur mit etwas Salz und getrockneten Kräutern.“ Und ja, ich hatte es nicht abgeschmeckt. Aber selbst, wenn ich mich bei den Gewürzen vergriffen oder mich bei der Menge geirrt hätte, wäre der Eintopf davon doch niemals derartig verdorben worden!</p>



<p>Trotzdem sah mein Sohn mich wieder mit diesem Blick an. Es war derselbe Blick, den er mir auch bei dem Sessel gestern zugeworfen hatte. Als würde er mir nicht glauben. Als wäre ich schuld an der gebrochenen Fußstütze und dem verdorbenen Essen. Dabei war mir beides ein genauso großes Rätsel wie ihm.</p>



<p>Ich kippte den restlichen Eintopf weg. Kurz darauf saßen wir wieder mit knurrenden Mägen am Esszimmertisch.</p>



<p>„Und jetzt?“, fragte Ilias. „Sollen wir gucken, ob wir noch irgendwo etwas bestellen können?“</p>



<p>Aber ich schüttelte den Kopf. „Ich geh schnell rüber zu Frau Georgiou. Meine Nachbarin macht immer zu viel“, erklärte ich.</p>



<p>Es war Ilias unangenehm, das erkannte ich sofort. Aber er kam aus einer Generation, in der man kaum noch mit seinen Nachbarn sprach. Bei uns alten Hasen war das noch anders. Und so saßen wir kurze Zeit später erneut mit zwei Portionen Hoirino Prasoselino am Esstisch. Es war ein leicht anderes Rezept als meines, aber es schmeckte mir ganz ausgezeichnet. Ich fand sogar, dass es trotz allem ein wirklich netter Abend wurde, an dem Ilias und ich uns hauptsächlich über alte Zeiten und Basketball unterhielten.</p>



<p>Trotzdem dachte ich auch in der Nacht, als Ilias bereits wieder gegangen war, noch die ganze Zeit über den verdorbenen Eintopf nach. Wie zur Hölle konnte mir das nur passiert sein?</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch die folgenden Tage fühlte ich mich, als wäre ich nicht ganz auf der Höhe. Zwar geschah nichts so Verheerendes wie an den beiden ersten Tagen, aber es passierte mehr als einmal, dass ich irgendetwas verlegte. Ich musste nach der Fernbedienung suchen, die mein Sohn eine Viertelstunde später im Kühlschrank wiederfand. Ilias’ Lieblingspralinen, die ich extra für die Weihnachtszeit geholt hatte, waren unauffindbar. Und sogar das Geschenk für ihn war wie vom Erdboden verschluckt. Wenigstens hatte ich bei Letzterem noch bis zum ersten Januar Zeit, es zu finden – denn hier in Griechenland gab es die Weihnachtsgeschenke immer erst am Neujahrstag.</p>



<p>„Baba?“, fragte Ilias mit einer seltsam belegten Stimme, als ich am Abend des 29. gerade in der Küche stand und uns Schnittchen schmierte.</p>



<p>„Was denn?“, fragte ich. Ich lugte aus der Küche, um Ilias über den Obstteller am Fernsehtisch gebeugt zu sehen.</p>



<p>„Wie lange liegen die Äpfel schon hier?“, fragte er.</p>



<p>Ich dachte einen Moment darüber nach. „Ich hab sie kurz vor Weihnachten geholt. Es kann sein, dass sie schon etwas schrumpelig sind, aber wenn du möchtest, kannst du dir gerne einen nehmen.“</p>



<p>Ilias räusperte sich. „<em>Etwas schrumpelig</em> ist gut. Die Teile sind völlig verschimmelt“, er hob einen der Äpfel mit Daumen und Zeigefinger am Stiel hoch, um ihn mir zu zeigen. Er hatte recht. Der Apfel war braun. Auf ihm hatten sich unzählige weiße Schimmelflecken gebildet.</p>



<p>Ich legte die halbgeschmierte Brotscheibe, die ich in der Hand hielt, beiseite, um zu ihm ins Wohnzimmer zu gehen. „Das ist seltsam“, dachte ich laut. „Wie können die Äpfel so schnell verfault sein?“</p>



<p>Ilias schnupperte leicht daran. Sofort zog er den Kopf zurück. Sein Gesicht war vor ekel verzogen. „Bist du sicher, dass die erst so kurz hier liegen? Ich glaube, es sind die Äpfel, die seit ein paar Tagen so stinken.“</p>



<p>Mit gerunzelter Stirn schnupperte auch ich daran. Ich war nicht zimperlich, also nahm ich einen vollen Zug durch die Nase. Sofort musste ich würgen. Es roch aber nicht nach verfaultem Obst. Es lag keinerlei Süße in dem Gestank. Der Apfel roch vielmehr nach … ja, nach nassem Fell oder etwas Ähnlichem. Sofort kam mir eine Sache in den Kopf, die den Geruch und sogar die seltsamen Vorkommnisse erklären könnte: die Kallikantzaroi.</p>



<p>Ich sprach den Gedanken nicht laut aus. So wie mein Sohn mich gerade ansah, würde er mich wahrscheinlich sofort einweisen lassen, wenn ich meinte, dass die mysteriösen Ereignisse der letzten Tage von koboldartigen Wesen aus der Unterwelt verursacht wurden.</p>



<p>Mein Sohn war noch nie ein gläubiger Mensch gewesen. Verdammt. Ich selbst war alles andere als ein gottesfürchtiger Christ. Also schob ich den Gedanken wieder beiseite. Er wollte mich aber nicht mehr loslassen. Während Ilias die Äpfel entsorgte, während ich die Schnittchen fertigschmierte und sogar als wir sie bei einem Basketballspiel vor dem Fernsehen aßen, schweiften meine Gedanken immer wieder zu den Wesen ab.</p>



<p>Aber wahrscheinlich muss ich mit meiner Erklärung etwas weiter ausholen. Ich bezweifle fast, dass ihr diese Märchengestalten kennt.</p>



<p>Die Kallikantzaroi sind eine beliebte Weihnachtslegende hier in Griechenland. Vor langer Zeit waren sie wohl mal gefürchtet, aber inzwischen kannten die meisten Leute sie nur noch aus den Weihnachtsschauspielstücken in Schulen und von einigen Traditionen um die Weihnachtszeit. Ich selbst kannte sie ansonsten auch nur von den Gruselgeschichten meiner Großmutter.</p>



<p>Der Legende nach lebten diese koboldartigen Wesen das meiste Jahr über in der Unterwelt, wo sie den Lebensbaum zerstören. Aber meine Großmutter meinte immer, sie seien die Diener des Teufels und würden ihm all seine schrecklichen Wünsche erfüllen. Das heißt, bis auf in der kurzen Zeit, in der sie die Unterwelt verließen – die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 5. Januar, an denen wir in Griechenland Weihnachten feiern.</p>



<p>In dieser Zeit kommen sie in die Städte und Dörfer, wo sie die Menschen terrorisieren und ihnen Streiche spielen. Es heißt, dass sie Gegenstände zerstören, stehlen und verstecken, dass sie Obst und Milch schlecht werden lassen, dass sie in Essen urinieren und noch allen möglichen anderen Schabernack treiben. Kommt euch das bekannt vor? Ich zumindest fand es einen zu großen Zufall, um es zu ignorieren.</p>



<p>Aber zum Glück hatte meine Oma mir nicht bloß von den Wesen erzählt, sie hatte mir auch erklärt, wie man sie loswerden und vom eigenen Haus beziehungsweise der eigenen Wohnung ablenken konnte.</p>



<p>Die wohl einfachste Methode war, ein Sieb vor die Haustür zu legen. Das brachte Kallikantzaroi dazu, die Löcher darin zu zählen. Allerdings waren die Wesen nicht sonderlich schlau. Meine Großmutter hatte gesagt, dass sie nicht einmal bis drei zählen können und sich so immer wieder verzählen, weshalb sie wieder bei eins anfangen mussten, bis die Nacht zu Ende war. Als ich klein war, hatte ich darüber gelacht.</p>



<p>Jetzt, da ich ein erwachsener Mann war, selbst in dem Alter, dass ich bald Enkelkinder erwarten konnte, fand ich es nicht mehr so lustig. Stattdessen stand ich auf und ging in die Küche.</p>



<p>Ilias sah mir nach. Aber da man von der Küche aus in den Flur gehen konnte, von wo aus man ins Bad kam, fragte er nicht, wo ich hinwollte. Ich ging aber nicht auf die Toilette. Nein. Ich holte mein Küchensieb aus dem Schrank, ging damit zur Wohnungstür und legte es nach draußen auf die Fußmatte. Anschließend ging ich zurück zu meinem Sohn, um mit ihm gemeinsam das Basketballspiel weiterzusehen – diesmal trotz all der Vorkommnisse mit einem guten Gefühl im Bauch.</p>



<p>Und was soll ich sagen? Es hätte perfekt sein können. Wahrscheinlich hätte es sogar funktioniert, hätte ich nicht eine Kleinigkeit vergessen.</p>



<p>„Wir sehen uns morgen, Baba“, verabschiedete sich Ilias von mir. „Wieder um die gleiche Zeit?“</p>



<p>Ich nickte. „Gern. Bring ruhig Kuchen mit. Ich geb dir das Geld dafür, wenn du hier bist“, schlug ich vor.</p>



<p>„Mach ich.“ Ilias lächelte mich an. Es war ein ehrliches Lächeln. Als hätte er die verfaulten Äpfel und all die anderen Dinge, wegen denen er sich um mich sorgte, für einen Moment vergessen. „Also dann“, sagte er, während er vor die Tür trat.</p>



<p>Im nächsten Moment folgte ein lautes Scheppern. Ilias konnte sich gerade noch fangen. Fast wäre er gestürzt. Dann bückte er sich nach einem metallenen Gegenstand, der am Boden lag. Er musterte ihn für einen Augenblick.</p>



<p>„Ist das nicht dein Küchensieb?“, fragte er mit tiefen Falten in der Stirn. „Wie ist das in den Flur gekommen? Und jetzt sag mir bitte nicht, dass du es nicht weißt.“</p>



<p>Ich schüttelte den Kopf. Peinlich berührt sah ich zu Boden. „Nein. Ich weiß es. Ich hab es selbst dort hingelegt. Es ist eine Art … Vorsichtsmaßnahme“, erklärte ich.</p>



<p>„Eine Vorsichtsmaßnahme?“, wiederholte er. Die Falten in seiner Stirn machten inzwischen der Vikos-Schlucht Konkurrenz.</p>



<p>Kurz überlegte ich, ihn abzuwimmeln und es ihm morgen zu erklären, dann jedoch hielt ich meine Tür auf, um ihn wieder reinzulassen. Das Gespräch würde länger dauern. „Du kennst doch die Kallikantzaroi, oder?“, begann ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Ilias hatte mir geduldig zugehört, während ich ihm von meiner Theorie erzählt hatte. Er hatte dabei ganz ruhig dagesessen. Zu ruhig, wie ich fand.</p>



<p>„Du denkst also, dass das Sieb dafür sorgt, dass du nichts mehr verlegst? Dass das Essen in deiner Wohnung genießbar bleibt?“, fragte er leise. „Hast du dabei auch nur einmal darüber nachgedacht, was passiert, wenn einer deiner Nachbarn über das Sieb stolpert? So wie ich eben?“ Aber seine Tonlage klang nicht, als würde er sich um meine Nachbarn sorgen. Es klang eher nach: „Es reicht, wenn deine Kinder dich für senil halten. Das müssen nicht auch noch deine Nachbarn tun.“</p>



<p>Ich seufzte schwer. „Ich sage ja nur, dass das Sieb die Probleme lösen könnte. Was ist, wenn es tatsächlich klappt? Wir können das Sieb weiter an den Rand legen, wenn es dich beruhigt.“</p>



<p>„Du willst es nicht wahrhaben, oder?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang wieder so seltsam belegt. Und als er mich ansah, hatte ich eher das Gefühl, als sähe er direkt durch mich hindurch. „Du willst nicht wahrhaben, dass du nicht mehr der Jüngste bist. Unsere Familie hat eine Veranlagung für Demenz. Zumindest hat Mama das immer gesagt.“</p>



<p>„Nein!“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Das ist es nicht! Anderes Beispiel: Ich bewahre Geschenke immer an derselben Stelle in meinem Kleiderschrank auf. Schon seit Jahren. Aber als ich neulich ein Hemd aus dem Schrank geholt habe, war dein Geschenk weg. Einfach verschwunden!“</p>



<p>Eine Pause entstand. „Du hast mein Weihnachtsgeschenk verlegt?“, fragte Ilias. Seine Stimme klang aber nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr besorgt.</p>



<p>„Du hörst mir nicht richtig zu!“, protestierte ich. „Das war nicht ich, sondern die Kallikantzaroi! Sie haben das Geschenk geklaut. Sie haben auch die Fernbedienung versteckt, meinen Sessel zerstört, unser Weihnachtsessen verdorben und die Äpfel verschimmeln lassen!“</p>



<p>Jetzt schloss Ilias die Augen. Es sah aus, als wenn es ihn große Anstrengung kostete, ruhig zu bleiben. „Okay. Keine Demenz. Wie du willst. Aber selbst dann gibt es noch so viele Dinge, die wahrscheinlicher sind als irgendwelche mythologischen Kobolde! Kann es vielleicht sein, dass du schlafwandelst?“</p>



<p>So ging das noch eine ganze Weile weiter. Es war ein langes Hin und Her, bei dem wir uns kaum einen Millimeter von unserer eigenen Meinung wegbewegten. Ich erspare euch an dieser Stelle die Details. Am Ende einigten wir uns jedenfalls darauf, dass Ilias bei mir übernachten sollte. Er pumpte eine Luftmatratze auf, um bei mir im Schlafzimmer zu schlafen. Nur für den Fall, dass diese Nacht „wieder etwas passiert“.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Auch wenn ich es am Anfang albern fand, war ich Ilias im Nachhinein dankbar. Nicht, weil er mir Gesellschaft leistete oder nur das Beste für mich wollte, sondern weil sein Schnarchen mich wachhielt.</p>



<p>Ansonsten hätte ich die Geräusche wohl gar nicht mitbekommen, die gegen 23 Uhr aus meinem Wohnzimmer ertönten.</p>



<p>Obwohl ich eben noch mit aller Kraft versucht hatte, endlich einzuschlafen, lag ich jetzt mit weit aufgerissenen Augen im Bett.</p>



<p><em>Tapp, tapp, tapp, tapp, tapp.</em> Kein Zweifel. Das waren eindeutig leise Schritte!</p>



<p>Schnell schwang ich die Beine aus dem Bett. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und richtete mich auf. Die Geräusche waren verstummt. Ich durfte keine Zeit verlieren!</p>



<p>Also stürmte ich aus dem Zimmer. Meine Hausschuhe schlappten an meinen Füßen. Als ich das Wohnzimmer erreicht hatte, schaltete ich sofort das Licht an. Hektisch sah ich mich um. Von irgendeinem seltsamen Wesen war nichts zu sehen. Dafür lag ein unverkennbarer Geruch in der Luft. Es war derselbe Gestank, der auch die verfaulten Äpfel umgeben hatte.</p>



<p>„Komm schon!“, rief ich. „Zeig dich, du Mistvieh!“</p>



<p>Keine Reaktion. Natürlich nicht. Dafür fiel mein Blick auf eine gelbliche Pfütze unter dem Weihnachtsbaum. Ich konnte die Pisse bereits riechen, als ich darauf zuging. Das war der Beweis!</p>



<p>„Ilias!“, rief ich. „Ilias, wach auf! Das musst du dir ansehen!“</p>



<p>Kurz darauf kam ein völlig verschlafener Ilias in T-Shirt und Unterhose aus dem Schlafzimmer getorkelt. „Was? Was ist denn?“, nuschelte er. Er rieb sich mit den Händen über die Augen.</p>



<p>„Sieh dir das an!“, schrie ich vor Begeisterung. „Sie haben mir in die Wohnung gepisst. Die Kallikantzaroi haben den Weihnachtsbaum angepisst!“ Vielleicht klang ich etwas zu begeistert dafür, dass ich gerade eine Urinpfütze in meinem Wohnzimmer gefunden hatte.</p>



<p>Ilias hatte mich unterdessen erreicht. Ihm entglitten sämtliche Gesichtszüge, während er zwischen der Pfütze und mir hin und her sah. Danach griff er sich mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel. Er schloss die Augen, während er sie massierte.</p>



<p>„Hör mal, Baba“, sagte er leise. „Ich weiß, das ist vielleicht nicht die beste Zeit, um das anzusprechen, aber Anastasia und ich haben neulich telefoniert. Ich hab ihr von deinen … Problemen erzählt. Wir wissen, dass es seit Mamas Tod nicht einfach für dich ist. Vielleicht bist du ja auch einfach überfordert. Aber wir denken, dass du vielleicht nicht mehr allein wohnen solltest. Es gibt da eine sehr schöne Einrichtung ganz in der Nähe, die …“</p>



<p>Weiter kam er nicht. „Ihr wollt mich in ein Heim abschieben?“, fuhr ich ihn an. „Wo ist deine Schwester denn, wenn ich es doch allein nicht hinbekomme? Wo ist sie? Sie lässt sich nicht einmal zu Weihnachten mehr bei mir blicken!“</p>



<p>Ilias ging sofort in Abwehrhaltung. Er hob beschwichtigend die Arme. „So ist das doch gar nicht! Sie ist bei ihren Schwiegereltern. Das weißt du. Außerdem ist es kein Heim, sondern lediglich betreutes Wohnen“, versuchte er, sich herauszureden.</p>



<p>Aber ich wollte davon nichts hören. Ich war bereits auf den Weg ins Schlafzimmer, wo ich nach meiner Hose griff.</p>



<p>Ilias war mir dicht auf den Fersen. „Wohin willst du?“, fragte er.</p>



<p>„Ich geh zur Kirche“, fuhr ich ihn an. „Vielleicht erwische ich ja noch einen Hausmeister oder so, der mich reinlassen kann. Wenn ich in der Wohnung Weihwasser verteile, hat es sich mit den Kallikantzaroi erledigt!“</p>



<p>Wieder dieser besorgte, mitleidgeschwängerte Blick. Ich konnte ihn nicht länger ertragen! Ich war nicht senil. Und vor allem war ich nicht verrückt. Was dachten meine Kinder von mir? Dass ich meinen eigenen Weihnachtsbaum anpissen würde!?</p>



<p>„Warte, Baba“, sagte Ilias.</p>



<p>„Nein! Ich lass mich nicht länger bevormunden!“, fuhr ich ihn an.</p>



<p>Ilias’ Blick wirkte seltsam leer. „So meinte ich das nicht“, sagte er ruhig. „Lass mich zur Kirche gehen. Ich hol dir dein Weihwasser. Aber wenn es danach nicht aufhört, setzen wir uns zusammen hin und reden über das betreute Wohnen, okay?“</p>



<p>Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Dann aber nickte ich. Ich wusste, dass das Weihwasser helfen würde. Und wenn nicht … Wenn nicht, lag es ja vielleicht wirklich an mir. „Abgemacht“, sagte ich.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Wenige Minuten später kniete ich mit Küchenpapier, Lappen und Eimer im Wohnzimmer und war dabei, die stinkende Pfütze aufzuwischen, während Ilias sich auf den Weg zur Kirche gemacht hatte.</p>



<p>Aus der Nähe war der Gestank so intensiv, dass ich durch den Mund atmen musste. Nur einmal machte ich den Fehler, kurz durch die Nase Luft zu holen. Mein Körper dankte es mir sofort mit einem Würgen.</p>



<p>Dann jedoch bemerkte ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich starrte durch die offene Tür zum Flur, der hell erleuchtet dalag. Dort sah ich nichts Ungewöhnliches. Hatte ich es mir bloß eingebildet?</p>



<p>Nein! Da war es wieder! Es war aber nicht im Flur, sondern es war die Tür selbst. Sie hatte sich minimal bewegt. Jetzt konnte ich auch die dunkle Gestalt dahinter erkennen, die dicht an die Wand gedrängt dastand. Sie war nicht größer als ein Kind.</p>



<p>„Da bist du ja“, murmelte ich, während ich aufstand. Dabei ließ ich den Blick nicht von dem Schatten weichen.</p>



<p>Das versetzte den Kallikantzaros – wie sie in der Einzahl heißen – in Alarmbereitschaft. Ich erhaschte einen Blick auf ihn, während er aus seinem Versteck flitzte. Es war eine kleine graue Gestalt. Er hatte keine Haare am Oberkörper oder auf dem Kopf mit den langen spitzen Ohren. Dafür waren seine Beine umso haariger. Sie waren von braunem Fell überzogen und endeten in zwei dunkelgraue Paarhufe wie bei einer Ziege.</p>



<p>Im nächsten Moment war er auch schon im Flur verschwunden. Ich nahm sofort die Verfolgung auf. Aber mein Körper war wirklich nicht mehr der Jüngste. Als ich den Flur erreichte, fehlte von dem Kallikantzaros jede Spur. Hektisch sah ich mich um. Wo war er hin? Jetzt fiel mir etwas anderes auf: der Gestank. Ich musste nur meiner Nase folgen!</p>



<p>Also lief ich schnuppernd weiter. Zuerst schnupperte ich an der Haustür. Aber nein, hier wurde der Gestank schwächer. Dann in der Küche und im Badezimmer. Auch nichts. Also blieb nur noch das Schlafzimmer!</p>



<p>Aber ich musste nicht einmal Luft holen, um zu merken, dass ich richtig war. Der Kallikantzaros stand mitten im Raum, sah unentschlossen nach links und rechts, als suche er nach einem passenden Versteck.</p>



<p>„Hab ich dich!“, schrie ich. Ich stürmte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu, um ihn zu packen.</p>



<p>Der Kallikantzaros versuchte jedoch nicht einmal, auszuweichen. Stattdessen drehte er sich zu mir um. Er ergriff meine Hände, als wolle er mit mir ringen. Dann aber streckte er bloß den einen Arm zur Seite aus, während er mich mit dem anderen an sich zog.</p>



<p>Für einen Moment standen wir nun völlig reglos da. Der Gestank der Kreatur ließ Tränen in mir aufsteigen, während er mich mit gelben Zähnen angrinste. Es musste in etwa so aussehen, als wolle die Kreatur mit mir einen Walzer tanzen.</p>



<p>Plötzlich weiteten sich meine Augen, während mir ein Gedanke in meinen Kopf schoss. Es war eine Erinnerung. Oma hatte mir doch mal erzählt, dass Kallikantzaroi gerne tanzen. Sie suchten Menschen, die zu Weihnachten allein waren und verwickelten sie in einen nahezu endlosen Tanz. Sie hörten erst damit auf, wenn der Mensch vor Erschöpfung zusammenbrach oder sie ihn in den Wahnsinn getrieben hatten.</p>



<p>Sofort versuchte ich, mich von dem Ding zu lösen, meine Hände zurückzuziehen. Aber es war zu spät. Der Kallikantzaros hatte bereits angefangen, nach einer stummen Melodie zu tanzen. Und mein Körper machte einfach mit. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.</p>



<p>Erst waren es noch langsame Schritte, dann wurde der Tanz hektischer. Schneller und schneller drehten wir uns im Takt umeinander durch mein Schlafzimmer. Es dauerte nicht lange, bis mein gesamter Körper schmerzte. Ich war völlig außer Atem. Mein viel zu schnell pochendes Herz donnerte mir in den Ohren. Solch schnelle Bewegungen war ich nicht mehr gewohnt.</p>



<p>Was sollte ich nur tun? Mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Ich konnte bloß mitansehen, wie sich mein Schlafzimmer, der Kleiderschrank, das ungemachte Bett, Ilias’ Luftmatratze um mich drehten.</p>



<p>Dann jedoch hörte ich einen Schlüssel in der Haustür. „Ich bin wieder da!“, sagte Ilias gerade so laut, dass ich es verstehen konnte. „Ich hab dein Weihwasser bekommen.“</p>



<p>Schritte.</p>



<p>„Baba? Baba, wo bist du?“, fragte Ilias.</p>



<p>Ich wollte nach ihm schreien, auf mich aufmerksam machen, ihn um Hilfe bitten. Aber auch meine Stimme wollte mir nicht mehr gehorchen.</p>



<p>Zum Glück hörte ich bereits weitere Schritte aus dem Flur. „Baba?“, rief Ilias wieder. Im nächsten Moment stand er in der Schlafzimmertür. „Baba, was tust du denn!?“ Entsetzen lag in seiner Stimme. Dann musste er die kleine Kreatur in meinen Armen bemerkt haben. „Was zur Hölle …?“</p>



<p>Aber der Kallikantzaros ließ sich von Ilias nicht beunruhigen. Er grinste mich bloß weiter mit an, während er mit mir tanzte.</p>



<p>Mir war inzwischen völlig schwindelig. Ob es an der ständigen Drehung oder meiner Erschöpfung lag, wusste ich nicht. Dafür wusste ich etwas anderes: Lange würde ich das nicht mehr durchhalten!</p>



<p>In den flüchtigen Momenten, in denen ich Ilias sah, merkte ich jetzt, wie er auf uns zukam. Erst versuchte er, die Kreatur zu packen, doch ihr flinker Körper rutschte ihm immer wieder aus den Händen.</p>



<p>Also versuchte Ilias sein Glück bei mir. „Baba. Hör auf!“, flehte er. Ich spürte, wie er mich packte. Kräftige Hände griffen nach meinen Armen. Er rutschte ab und kratzte mir mit einem Fingernagel eine Schramme in die Haut. Dann griff er nach meinem T-Shirt. Ich fühlte, wie er von unserem Tanz mitgerissen wurde. Aber bevor er stürzen konnte, gab der Stoff mit einem ratschenden Geräusch nach.</p>



<p>„Scheiße!“, fluchte Ilias.</p>



<p>Der Kallikantzaros antwortete mit einem dreckigen Lachen.</p>



<p>Aber Ilias gab nicht auf. Ich hörte das Knacken von Plastik. Es klang so, als drehe er hektisch den Deckel von einer Plastikflasche. Im nächsten Moment spürte ich einen Schwall kaltes Wasser, dass mich an der Seite traf und … ich war frei.</p>



<p>Der Boden kam mir entgegen, sodass ich mich auf meinen Knien und Armen auffangen musste. Noch immer drehte sich alles.</p>



<p>Trotzdem zwang ich mich, nach Ilias und dem Kallikantzaros zu sehen. Ilias stand über mir. Er hielt eine halbvolle Flasche in der Hand – das Weihwasser, wie ich vermutete. Der Kallikantzaros hingegen wand und krümmte sich am Boden. Er schrie. Das Weihwasser schien ihm Schmerzen zuzufügen.</p>



<p>Ilias machte einen Schritt auf ihn zu, die Flasche zum Schwung ausgeholt. Da rappelte die Kreatur sich plötzlich auf. Sie schrie ein letztes Mal, stolperte, fing sich dann wieder und rannte Richtung Flur. Ich konnte gerade noch sehen, wie sie sich unter dem viel zu engen Türspalt der Wohnungstür hindurchquetschte und im Flur verschwand. Normalerweise hätte er nicht ansatzweise darunter hindurchpassen dürfen. Aber wer weiß, welchen Gesetzen der Physik diese Wesen mit ihrer Magie folgten.</p>



<p>„Baba?“, wandte sich Ilias an mich. Er streckte mir eine Hand entgegen. „Tut mir leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“</p>



<p>Ich ließ mir von ihm auf die Beine helfen. Der Raum hatte inzwischen aufgehört, sich zu drehen.</p>



<p>„Komm“, sagte er. „Lass uns diese Wohnung ein für alle Mal vor diesen Dingern schützen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Die Kallikantzaroi (griechisch Καλικάντζαρος), oder Kallikantzaros (Καλικάντζαρος) in der Einzahl, sind koboldartige Wesen des griechischen Volksglaubens. Sie kommen in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in die Städte und Dörfer, um dort Unruhe zu stiften und Chaos zu verbreiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Kallikantzaroi sind kleine, haarige und hässliche humanoide <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer">Wesen</a>. Außerdem sollen sie allesamt stinken und es soll bei ihnen nicht selten zu körperlichen Verformungen kommen.</p>



<p>Auch werden ihnen oft tierische Eigenschaften wie spitze Ohren oder Ziegenbeine zugeschrieben.</p>



<p>Darüber hinaus sollen sie ausschließlich männlich sein.</p>



<p>Ob jeder Mensch die Kallikantzaroi sehen kann, ist jedoch umstritten. So habe ich in verschiedenen Quellen gelesen, dass entweder jeder sie sehen kann, oder dass nur Menschen, die an einem Samstag oder aber in der Zeit vom 25. Dezember bis 06. Januar geboren wurden, sie sehen und sogar mit ihnen sprechen können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Die Kallikantzaroi kommen nur in den Dodekaimero (δωδεκαήμερο, griechisch für „zwölf Tage“) zum Vorschein. Das sind die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 06. Januar, die in anderen Teilen Europas auch als Rauhnächte bekannt sind.</p>



<p>Außerdem heißt es, dass die Kallikantzaroi nachtaktiv sind, da sie das Sonnenlicht scheuen.</p>



<p>Wenn die Wesen herauskommen, muss man sich jedoch auf einiges gefasst machen. Es heißt, dass sie dann versuchen, in die Häuser und Wohnungen der Menschen einzudringen, um Chaos zu stiften. Einige von ihnen gehen dabei vergleichsweise harmlos vor, während andere die Menschen angreifen und sogar töten können. Besonders in der modernen Zeit sollen die Kallikantzaroi aber sehr viel ungefährlicher geworden sein und den Menschen hauptsächlich Streiche spielen.</p>



<p>Typische Streiche sind z. B., dass sie Möbel zerstören, Eigentum stehlen oder verstecken, Obst verschimmeln oder Milch schlecht werden lassen, auf Zimmerpflanzen oder ins Essen urinieren und Speisen und Getränke im Haus verzehren.</p>



<p>Wenn sie hingegen einen Menschen finden, der allein unterwegs ist, zwingen sie ihn manchmal, pausenlos mit ihnen zu tanzen – und zwar so lange, bis er ohnmächtig wird oder den Verstand verliert.</p>



<p>Die restliche Zeit des Jahres, wenn die Kallikantzaroi nicht die Menschenwelt unsicher machen, sollen sie in der Unterwelt leben. Daher sagen einige Leute auch, dass sie <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/daemonen">Diener des Teufels</a> seien.</p>



<p>Wenn sie in der Unterwelt sind, so heißt es, sollen sie dort versuchen, den Baum des Lebens zu zerstören, der unsere Welt im Gleichgewicht hält, indem sie an seinem Stamm sägen. Wenn sie jedoch am 06. Januar dorthin zurückkehren, müssen sie feststellen, dass sich der Baum vollständig regeneriert hat, und sie müssen ihre Arbeit von vorne beginnen.</p>



<p>Dieses Ereignis wiederholt sich der Legende nach jedes Jahr.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie kann man sich vor den Kallikantzaroi schützen?</h4>



<p>Zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie man sich vor den Kallikantzaroi schützen kann. So fürchten sie religiöse Symbole, Weihwasser und Feuer. Man kann also Weihwasser im Haus verteilen, Kreuze an Fenster und/oder Türen hängen, Gebete aufsagen oder ein Feuer anzünden, um die Wesen vom Haus fernzuhalten.</p>



<p>Auch gibt es eine alte Tradition namens Chistoxylo (Χριστόξυλο, griechisch für „Christholz“), bei der ein großes Stück Holz im Kamin angezündet wird, das die ganzen zwölf Tage des Dodekaimero am Brennen gehalten wird.</p>



<p>Außerdem gibt es diverse andere Methoden, wie man die Kallikantzaroi davon abhalten kann, in das Haus einzudringen. So kann man Essen (meist wird Fleisch oder Brot verwendet) oder Süßigkeiten vor die Tür legen, um sie zu besänftigen. Besonders beliebt sollen dabei Loukoumades sein, ein griechisches Gebäck aus frittiertem Teig mit Honig.</p>



<p>Oder man lenkt sie ab, indem man ein Sieb vor die Tür legt. Angeblich versuchen sie dann, die Löcher darin zu zählen. Da sie jedoch nicht bis drei zählen können – entweder, weil sie nicht intelligent genug sind oder weil drei eine heilige Zahl ist, die sie nicht aussprechen können – sitzen sie die ganze Nacht daran.</p>



<p>Andere Leute spannen Fäden im Garten, da die Wesen dann versuchen sollen, daraus etwas zu stricken, wodurch sie abgelenkt sind.</p>



<p>Wie ihr seht, gibt es also vielzählige Methoden, sich gegen die Monster zu schützen. Weitere, die ich im Netz gelesen habe, sind: ein altes Paar Schuhe zu verbrennen, den Unterkieferknochen eines Schweins über die Tür zu hängen, Knoblauch im Haus zu verteilen oder einige Oberflächen mit Salz zu bedecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Wie bereits erwähnt Leben die Kallikantzaroi die meiste Zeit des Jahres in der Unterwelt. Wenn sie zwischen Weihnachten und dem 06. Januar in unsere Welt kommen, sollen sie sich hingegen hauptsächlich in Städten und Dörfern aufhalten und sich nachts in dunklen Höhlen und Löchern verstecken.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Es gibt verschiedene Theorien, wie der Glaube an die Kallikantzaroi entstanden sein könnte. Die verbreitetsten sind wohl, dass es sich bei ihnen um eine Verchristlichung von heidnischen Kreaturen handelt, oder aber, dass es Zusammenhänge mit der altgriechischen Mythologie, besonders den Satyrn, geben soll.</p>



<p>Besonders verbreitet (und gefürchtet) soll der Glauben an die Kallikantzaroi übrigens im Mittelalter gewesen sein. Seitdem hat er sich in den Bräuchen vieler griechischer Gemeinden gefestigt. Heutzutage lässt er sich besonders in den ländlichen Regionen finden.</p>



<p>Offiziell ist der Glaube von der Kirche natürlich nicht anerkannt, aber es gibt auch im kirchlichen Kontext viele Zeremonien, die damit verbunden sind. So wird an vielen Orten Griechenlands am 6. Januar das Meer, ein See oder ein Fluss von einem Geistlichen gesegnet, um die Wesen zu vertreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kallikantzaroi in der Popkultur:</h3>



<p>Da die Kallikantzaroi in Griechenland auch heute noch sehr bekannt sind, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch in der modernen Popkultur finden lassen.</p>



<p>So spielen sie z. B. eine zentrale Rolle in der amerikanischen Paranormal-Krimiserie Grimm Staffel 4 Folge 7 „Die Geister der Weihnacht“.</p>



<p>Und auch in der Horror-Kurzgeschichte „Der Flüsterer im Dunkeln“ (1931) von H. P. Lovecraft werden die Kreaturen zumindest kurz beim Namen genannt.</p>



<p>Ansonsten findet man sie hauptsächlich in griechischen Weihnachtsliedern und Schulaufführungen zur Weihnachtszeit.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Kallikantzaroi? Wie hat euch meine Geschichte gefallen? Ab welcher Situation hättet ihr die Wesen verdächtigt, statt weiter nach einer logischen Erklärung zu suchen? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Myling – Folge nicht seinen Schreien!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Mar 2024 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/myling">Myling – Folge nicht seinen Schreien!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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<p>Meine Geschichte über den Myling spielt an einem Ort, der euch bereits von einer anderen Geschichte bekannt sein dürfte. Es war zwar nicht geplant, hatte aber zu gut gepasst, damit ich es nicht dort spielen lasse. Und wer weiß, vielleicht erwarten euch ja noch weitere Geschichten aus diesem kleinen schwedischen Dörfchen.</p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod eines Kindes<br>
&#8211; Trauer</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Schnee knirschte unter meinen Füßen, während ich von Kalle, meinem treuen braunen Labrador, an seiner Leine durch den Wald gezogen wurde. Es war bereits März. Trotzdem lagen die Temperaturen hier in Schweden häufig noch unter 0 °C.</p>



<p>Ich spürte die Kälte jedoch kaum. Wie so oft, wenn ich mit Kalle allein Gassi ging, wanderten meine Gedanken zu meiner Tochter Maja. Ich hatte sie letzten Monat bei einem Autounfall verloren. Den Fahrer traf keine Schuld. Er war ins Schlittern gekommen und hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Aber natürlich änderte das nichts an der Leere, die ich seit jenem Tag spürte.</p>



<p>Wäre Thorbjörn, ein alter Schulfreund, den ich letztes Silvester zufällig wiedergetroffen hatte, nicht gewesen, weiß ich nicht, wie ich nach dem Unfall hätte weiterleben sollen. Es war Glück im Unglück, dass er an dem Tag, als Maja starb, bei mir gewesen war, sodass er mich wenigstens etwas hatte auffangen können. Aber auch er konnte das Loch in meinem Herzen nicht füllen, dass der Tod meiner Tochter hineingerissen hatte.</p>



<p>Ein plötzliches Knurren vor mir riss mich aus meinen Gedanken. Kalle stand am Wegesrand und bellte ins Unterholz.</p>



<p>Schnell wischte ich die Tränen aus meinen Augen und ging zu ihm. „Was ist? Was hast du gesehen, mein Junge?“, fragte ich, während ich selbst in den dunklen Wald spähte. Ich konnte nichts Auffälliges entdecken.</p>



<p>Wahrscheinlich war es bloß ein Reh oder ein Hase. Andererseits verirrten sich manchmal Wölfe und Bären in diese Gegend. Ich selbst war zwar noch nie einem von ihnen begegnet, entschied aber, es nicht darauf ankommen zu lassen.</p>



<p>Als ich Kalle jedoch zaghaft an seiner Leine weiterziehen wollte, stemmte er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Auch das war noch nie vorher vorgekommen. War es also wirklich ein potenziell gefährliches Tier?</p>



<p>Panisch ging ich im Kopf alles durch, was ich über Begegnungen mit Wölfen und Bären erinnerte: Das Wichtigste war, dass ich mich groß machte, Lärm machen sollte und auf keinen Fall weglaufen oder mich umdrehen durfte.</p>



<p>Also stand ich da, neben meinem bellenden Hund, hob die Arme über den Kopf und rief in den Wald hinein. „Hej Bär, hej Wölfe. Falls ihr da draußen seid, haut ab. Wir wollen euch nichts Böses!“ Vorsichtshalber zog ich sogar die Handschuhe aus und klatschte einige Male in die Hände, ehe ich sie wieder über den Kopf hob.</p>



<p>Es rauschte ein sanfter Wind durch die Bäume. Ansonsten hörte ich nichts. Kein Knirschen im Schnee, kein Geraschel oder Knacken im Unterholz. Nichts, das auf ein wildes Tier hindeutete.</p>



<p>Plötzlich ertönte eine leise Stimme. „Hallo?“ Es klang wie ein Kind, das den Tränen nahe war. „Mama?“</p>



<p>‚<em>Maja!</em>‘, schoss es mir sofort in den Kopf. Aber natürlich war sie es nicht. Meine Tochter war tot. Außerdem war das eindeutig eine Jungenstimme.</p>



<p>„Wer ist da?“, rief ich in den Wald hinein. Ich ließ die Hände sinken und zog meine Handschuhe wieder an. „Hast du dich verirrt?“</p>



<p>Das Kind antwortete nicht. Stattdessen ertönte ein leises Schluchzen.</p>



<p>„Hee, alles wird gut“, erwiderte ich, während ich einige vorsichtige Schritte ins Unterholz tat.</p>



<p>Kalle hielt sich eng an mich, während er mir mit eingeklemmtem Schwanz folgte. Wenigstens bellte er nicht mehr.</p>



<p>„Mein Name ist Jonna“, fuhr ich fort. Mit Glück kannte ich den Jungen aus Majas Schule. Oder von früher aus ihrem Kindergarten. „Kommst du aus dem Dorf?“</p>



<p>Aber das Kind antwortete mir nicht mehr. Durch sein lautes Geschluchze hatte ich es trotzdem schnell ausfindig gemacht.</p>



<p>„Um Himmels willen!“, stieß ich aus.</p>



<p>Ein kleiner blonder Junge hockte vor mir im Schnee. Er trug dünne, abgenutzte Kleidung, hatte bleiche, dreckverschmierte Haut und sah abgemagert aus. Wenn es dafür nicht viel zu kalt gewesen wäre, hätte ich fast gedacht, dass er bereits einige Tage durch den Wald geirrt sein muss.</p>



<p>„Was ist passiert? Wo sind deine Eltern?“, fragte ich besorgt.</p>



<p>Sein kleiner Körper zitterte zwar nicht, aber ich war mir trotzdem sicher, dass er völlig durchgefroren sein musste. Also machte ich mich daran, meine Daunenjacke auszuziehen, während ich auf ihn zuging.</p>



<p>Kalle blieb hingegen in einigem Abstand stehen. Er kauerte sich zusammen und knurrte das Kind an.</p>



<p>Erschrocken drehte ich mich zu ihm um. „Kalle! Aus! Du machst dem Jungen noch Angst!“, schimpfte ich, nichtahnend, dass er mich bloß beschützen wollte.</p>



<p>Dann ging alles sehr schnell: In dem kurzen Moment, in dem ich ihm den Rücken zugedreht hatte, schrie der Junge plötzlich auf und stürzte sich auf mich. Er sprang auf meinen Rücken und klammerte sich an mich, indem er fest die Arme um mich legte.</p>



<p>„Was? He … Du tust mir weh!“, schrie ich, während ich panisch versuchte, seine Arme von meinem Hals zu entfernen.</p>



<p>Das Kind war ungewöhnlich stark. Besonders für seinen Zustand. Trotzdem tat ich mein Möglichstes, ihn so sanft ich konnte von meinem Rücken zu entfernen – ohne Erfolg.</p>



<p>Kalle war dabei die ganze Zeit am Bellen. Trotzdem versuchte er nicht, das Kind anzugreifen, fast als hätte er Angst vor ihm. Und so langsam verstand ich, warum: Was auch immer dieses Ding auf meinem Rücken war, es war kein normaler Junge. Wie sonst konnte man erklären, dass ich, eine erwachsene Frau, seine Arme nicht einen Zentimeter bewegen konnte, egal wie sehr ich daran zerrte.</p>



<p>„Bring mich zu einem Friedhof!“, zischte der Junge mir zu.</p>



<p>Das brachte mich zum Innehalten. „W-was?“, fragte ich irritiert. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.</p>



<p>„Begrab mich in geweihtem Boden, damit ich endlich Frieden finden kann!“</p>



<p>Für einen Moment hatte ich das Gefühl, als würde mein Gehirn aufhören zu funktionieren. Es ergab für mich keinen Sinn.</p>



<p>War das alles vielleicht nur ein kranker Scherz? Aber wie könnte ein Scherz meinen Hund dazu bringen, den Jungen zu fürchten? Außerdem konnte kein Scherz der Welt einem Kind solche Muskelkraft verleihen, dass ich seine Arme nicht ansatzweise bewegen konnte. Nicht einmal mit all dem Adrenalin, das gerade durch meinen Körper schoss.</p>



<p>Aber wenn das hier kein Scherz war, meinte der Junge die Aufforderung ernst. Er wollte lebendig begraben werden. Oder war er vielleicht gar nicht lebendig?</p>



<p>Das seltsame Kind begann, an mir zu rütteln, wie ein ganz normaler Junge bei einem Wutanfall. „Bring mich zum Friedhof!“, schrie er, als wolle er zum nächsten McDonalds gefahren werden. „Bring mich zum Friedhof! Bring mich zum Friedhof!“</p>



<p>Das befreite mich endlich aus meiner Starre. „Okay! Okay“, erwiderte ich, während ich mich in Bewegung setzte. Kalle folgte mir in einigem Abstand.</p>



<p>Ich hatte zwar keine Ahnung, was hier vor sich ging, aber wenn sich ein anscheinend übermenschlich starkes Wesen an meinen Rücken klammerte, das mir wahrscheinlich mit Leichtigkeit den Kopf abreißen konnte, wollte ich es bestimmt nicht wütend machen.</p>



<p>Auf dem Weg versuchte ich weiter, meine Gedanken zu sortieren. Es gelang mir nicht wirklich.</p>



<p>Stattdessen fiel mir bald auf, dass meine Beine schwächer wurden. Zuerst dachte ich, es wäre bloß der Adrenalinschub, der allmählich nachließ, aber je näher ich meinem Auto kam, desto schwerer lastete der Junge auf meinen Schultern.</p>



<p>Auch merkte ich, wie mein Atem vor Anstrengung immer schwerfälliger wurde. Eine Art Müdigkeit machte sich in mir breit.</p>



<p>Zu Anfang versuchte ich noch, mich mit der Natur um mich herum abzulenken. Aber obwohl es mir sonst nie sonderlich schwerfiel, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, wirkte sie jetzt fast schon erdrückend. Die Bäume ragten hoch über mich hinaus, als würden sie auf mich herabblicken. Die Dunkelheit zwischen den Bäumen kam mir vor, als würde sie mich beobachten. Ein Gefühl der Enge machte sich in meinem Brustkorb breit. So ähnlich hatte ich mich auch gefühlt, als ich Maja verloren hatte. Als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden.</p>



<p>Ich strauchelte. Erst jetzt fiel mir auf, dass es nicht die Natur war, die mich fast erdrückte, sondern das Gewicht auf meinem Rücken. Der Junge war inzwischen so schwer geworden, dass ich Probleme hatte, geradeaus zu gehen. Mühsam setzte ich einen Fuß vor den anderen, bis ich endlich den Parkplatz erreichte. Selbst das Herauskramen meines Autoschlüssels aus der Jackentasche kam mir wie eine nahezu unschaffbare Aufgabe vor.</p>



<p>Nach einigen Anläufen hatte ich es endlich geschafft. Ich öffnete die Autotür und ließ Kalle auf den Rücksitz springen, ehe ich mich selbst auf den Fahrersitz fallenließ.</p>



<p>Das wiederum schien dem Jungen zu missfallen. „Keine Pause machen! Steh auf und bring mich zum Friedhof!“, schrie er mich an.</p>



<p>„Ich …“, presste ich hervor. Erschrocken stellte ich fest, dass mir selbst das Sprechen inzwischen schwerfiel. „Ich mach keine Pause. Wir fahren das letzte Stück. Geht … schneller …“</p>



<p>Der Junge antwortete nicht, aber ich merkte genau, wie er hibbelig wurde, spürte seinen misstrauischen Blick in meinem Nacken. Wusste er nicht, was ein Auto war?</p>



<p>Sobald ich den Motor gestartet hatte und wir uns in Bewegung setzten, entspannte er sich schnell wieder.</p>



<p>Trotzdem merkte ich, wie ich weiter schwächer wurde. Ich hatte gehofft, dass das Sitzen helfen würde, ich hier wieder zu Kräften kommen könnte. Stattdessen verschwamm meine Sicht allmählich. Kalles Gebell auf dem Rücksitz klang ungewöhnlich weit weg. Ich hatte Probleme, die Spur zu halten, musste mich mehr und mehr auf die Straße konzentrieren, geriet immer wieder auf die Gegenfahrbahn. Zum Glück war ich um diese Uhrzeit allein auf der Straße.</p>



<p>Dann endlich kamen die Lichter meines Heimatdorfes in Sicht. Die Fahrt war nicht sonderlich lang, immerhin ging ich mit Kalle immer nur knapp außerhalb der Gemeinde spazieren, wenn wir eine größere Runde planten. Und so hatte ich die Straße, in der die Kirche und der Friedhof lagen, bald erreicht.</p>



<p>Dort angekommen betätigte ich wieder und wieder die Hupe. Das schien den Jungen, der sich noch immer fest an mich klammerte, zu verwirren. Ich merkte, wie er sich ruckartig umsah. Aber entweder wusste er nicht, dass ich den Lärm machte, oder er hinterfragte es nicht weiter.</p>



<p>Endlich hielt ich an. Ich fuhr jedoch nicht bis zur Kirche oder dem Friedhof ein Grundstück weiter. Ich wusste genau, dass ich es in meinem Zustand niemals schaffen würde, den Jungen zu begraben. Stattdessen hielt ich meinen Wagen bei dem Haus davor. Es gehörte Einar, unserem Pfarrer.</p>



<p>Dort angekommen betätigte ich noch einige Male die Hupe, ehe ich schließlich die Fahrertür aufstieß. Ich versuchte, auszusteigen, aber meinen Beinen fehlte die Kraft. Stattdessen landete ich mit meinen Handflächen auf dem kalten Bürgersteig, schaffte es nur mühsam, meine Beine aus dem Auto zu ziehen, während die Welt um mich mehr und mehr verschwamm.</p>



<p>Das Letzte, was ich sah, war, wie sich die Haustür des Pfarrers öffnete.</p>



<p>„Wer ist da? Um Gottes willen, Jonna!“, hörte ich Einar meinen Namen rufen. Seine Stimme klang weit entfernt. Trotzdem konnte ich noch hören, wie er zu uns rannte. „Lass sie los, Myling!“, schrie Einar. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufe ich dich auf den Namen Jon!“</p>



<p>Mehr bekam ich nicht mehr mit. Im nächsten Moment verlor ich das Bewusstsein.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;</p>



<p>Als ich wieder zu mir kam, lag ich, zugedeckt mit einer Wolldecke, auf einem Sofa. Von dem Jungen fehlte jede Spur. Dafür lag Kalle dicht an mich gekuschelt bei mir. Sobald er merkte, dass ich wach war, bellte er freudig, wedelte mit dem Schwanz und schlabberte mir durchs Gesicht.</p>



<p>„He! Ist ja gut. Ist ja gut mein Junge, ich bin wach“, sagte ich, während ich mich halbherzig gegen seinen Angriff wehrte.</p>



<p>Im nächsten Moment ging eine Tür auf. Einar kam mit besorgter Miene auf mich zu. „Jonna. Gott sei Dank, du bist wach. Wie geht’s dir?“</p>



<p>„Um ehrlich zu sein, ziemlich beschissen“, gestand ich. „Was ist passiert?“</p>



<p>Der Pfarrer zögerte. „Ich … Ich weiß nicht, wie sehr du dich mit den alten schwedischen Sagen auskennst“, begann er. „Aber dieses Wesen, das du auf dem Rücken hattest, nennt man einen Myling.“ Er musterte mich einen Moment, als wolle er abschätzen, ob ich ihm glaubte.</p>



<p>„Ein Myling?“, wiederholte ich. Vor wenigen Stunden noch hätte ich unseren Pfarrer für solch eine Aussage wahrscheinlich als verrückt bezeichnet, aber nach dem, was mir widerfahren war, war mir jede Erklärung recht, die mir eine Antwort lieferte.</p>



<p>„Ein Myling ist ein Wiedergänger. Ein Untoter. Den Legenden nach entstehen sie, wenn ein ungetauftes Kind getötet oder im Wald ausgesetzt wird. Sie können nur ihren Frieden finden, wenn sie in heiligem Boden begraben werden oder wenn sie …“</p>



<p>„… wenn sie getauft werden“, beendete ich seinen Satz.</p>



<p>Einar nickte.</p>



<p>Deswegen hatte er den Jungen also Jon getauft. Er hatte mir damit das Leben gerettet.</p>



<p>Der Pfarrer legte mir eine Hand auf den Arm. „Es tut mir leid, dass das ausgerechnet dir widerfahren ist, Jonna. Nach allem, was du durchgemacht hast.“</p>



<p>Ich lächelte schief.</p>



<p>„Du kannst jedenfalls hierbleiben, solange du willst“, bot er mir an. „Nur die Nacht oder bis du dich besser fühlst.“ Dann lächelte er noch einmal, ehe er seine Hand von meinem Arm löste. Nach einem kurzen Zögern drehte er sich schließlich um und wollte gehen.</p>



<p>„Warte“, hielt ich ihn auf. „Du siehst aus, als wenn du noch etwas sagen wolltest.“</p>



<p>Einar seufzte schwer. „Es ist nur … Ich hatte schon damit gerechnet, dass so etwas passiert. Zu Weihnachten hatte irgendein Verrückter den Årsgång durchgeführt. Das ist ein unchristliches Ritual, mit dem man angeblich die Zukunft voraussehen kann. Ich hatte bereits befürchtet, dass dadurch übernatürliche Wesen auf unser Dorf aufmerksam geworden sind. Wir können nur hoffen, dass dem Myling keine Weiteren folgen.“</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>Ein Myling, auch Myrding (Schwedisch für „Ermordetes“), ist ein Wiedergänger des skandinavischen Volksglaubens. In Norwegen wird das <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> Utburd genannt, in Island Útburður und bei den Samen u. a. Ihtiriekko.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Entstehung:</h3>



<p>Der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> nach entsteht ein Myling, wenn ein Kind, oft ein Neugeborenes, ungetauft stirbt – meist, weil es von den Eltern ermordet oder im Wald ausgesetzt wurde     – und anschließend nicht ordnungsgemäß bestattet wird.</p>



<p>Das ist besonders früher oft vorgekommen, als Abtreibung noch verboten und uneheliche Kinder als Schande angesehen oder sogar kirchlich bestraft wurden.</p>



<p>Ein anderer häufig genannter Grund ist, dass die Eltern keine finanziellen Mittel besaßen, um das Kind zu ernähren, und keinen anderen Ausweg sahen.</p>



<p>Seltener sind Mylingar die Wiedergänger von Totgeburten, die nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.</p>



<p>Im Svenska Akademiens Ordbok (Schwedisch für „Wörterbuch der Schwedischen Akademie“) ist außerdem aufgeführt, dass ein Myling auch der Wiedergänger eines ermordeten Erwachsenen sein kann, der nicht ordnungsgemäß bestattet und dessen Mörder nicht bestraft wurde. Hierzu habe ich jedoch keine historischen Belege gefunden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p>Obwohl Mylingar im Normalfall Wiedergänger von Neugeborenen sind, nehmen sie das Aussehen von sechs- bis 12-jährigen Kindern an. Sie haben blasse Haut und sind oft abgemagert und verdreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p>Als Wiedergänger, also Untote, halten sich Mylingar für gewöhnlich in der Nähe des Ortes auf, an dem sie begraben oder ihre Leiche versteckt wurde. Dort soll man nachts außerdem oft das Geschrei eines Kindes oder Babys hören.</p>



<p>Sollte sich jemand auf die Suche nach dem Ursprung des Geschreis machen oder zufällig dem Myling begegnen, so springt der Myling den meisten Geschichten nach auf den Rücken der Person und klammert sich dort fest. Anschließend verlangt er, zu einem Friedhof oder geweihtem Boden gebracht und dort begraben zu werden.</p>



<p>Da man sie nicht abschütteln kann, folgen die meisten Betroffenen der Bitte. Auf dem Weg zum Friedhof bzw. geweihtem Boden wird der Myling jedoch immer schwerer und schwerer. Sollte man es nicht rechtzeitig schaffen, den Ort zu erreichen, können sie angeblich so schwer werden, dass die Füße des Menschen im Boden versinken oder er unter der Last zusammenbricht, woraufhin der Myling wütend wird und den Menschen ermordet und sich auf die Suche nach seinem nächsten Opfer macht.</p>



<p>In anderen Versionen entzieht ein Myling einem die Lebensenergie, während man ihn trägt. Irgendwann ist man schließlich so schwach, dass man zusammenbricht und stirbt. Diese Version würde auch zu anderen Wiedergängerlegenden passen, da die Berührung eines Wiedergängers den Menschen im Normalfall das Leben entzieht. So kann man daraufhin beispielsweise todkrank werden, die berührte Stelle kann abfallen, verbrennen oder verfaulen oder der Mensch kann sterben.</p>



<p>Sollte man es hingegen schaffen, den geweihten Boden zu erreichen, lässt der Myling von einem ab, woraufhin man ihn begraben und somit seine Seele befreien kann.</p>



<p>In anderen Legenden verlangt der Myling einen Namen und es reicht aus, ihm einen zu geben, oder der Myling muss sich an seiner Mutter rächen, um Frieden zu finden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p>Mylingar wurden hauptsächlich in Skandinavien gesichtet. Dort können sie überall auftauchen, wo ein ungetauftes Kind gestorben ist bzw. sein Leichnam versteckt oder begraben wurde.</p>



<p>In den meisten Geschichten kommen sie in Wäldern oder auf dem Grundstück der Eltern vor.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Der Glaube an Mylingar geht wahrscheinlich auf den früher oft begangenen Kindsmord zurück. Die häufigsten Gründe hierfür waren, wie bereits erwähnt, dass die Eltern keine finanziellen Möglichkeiten hatten, das Kind zu ernähren, oder das Kind unehelich war und die Eltern somit von der Kirche bestraft und gesellschaftlich missachtet worden wären.</p>



<p>Außerdem war die Aufklärung früher nicht so weit wie heute, Verhütungsmittel waren deutlich weniger verbreitet und Abtreibungen waren verboten. Ungewünschte Kinder kamen also sehr viel häufiger vor.</p>



<p>Wie alt der Glaube an die Mylingar ist, habe ich hingegen nicht herausfinden können. Im Svenska Akademiens Ordboka ist eine Quelle aus dem frühen 17. Jahrhundert aufgelistet, die Legende kann aber natürlich noch deutlich älter sein.</p>



<p><em>Was haltet ihr von den Myling? Hat euch meine Geschichte gefallen? Wie würdet ihr reagieren, wenn ihr nachts Kinderschreie aus dem Wald hört? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>La Légende de Saint Nicolas – Die Legende vom heiligen Nikolaus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2022 14:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Metzger sah sich im Halbdunkel des Raumes um. Er spähte in jede Ecke, sah sogar unter seiner Bettdecke nach. Das war Augustus' Chance. Während der Metzger an der Seite des Bettes stand, krabbelte der Junge am Fußende in die Freiheit. Große Hände griffen nach ihm, doch der Metzger erwischte nur den Ärmel seines Oberteils. Der Stoff riss und der Junge war in Freiheit ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/d1bb9abed70e4ecd906d2b24ba704241" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p>La Légende de Saint Nicolas ist ein französisches Kinderlied, das vom heiligen Nikolaus (besser bekannt als „der Nikolaus“) handelt. Auch wenn es zahlreiche Legenden über den Nikolaus gibt, eignen sich nur wenige für meinen Blog. Eine von ihnen ist la Légende de Saint Nicolas.</p>



<p>Wenn alles klappt, kommt mein letzter Beitrag des Jahres übrigens am 26. Dezember. Also keine Sorge: Sollte nichts dazwischenkommen, gibt es noch eine weihnachtliche Legende vor meiner Winterpause! </p>



<p>Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; explizite Darstellung körperlicher Gewalt<br>
&#8211; Tod mehrerer Kinder</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p>Heute erzähle ich euch eine Weihnachtsgeschichte. Oder eher eine Nikolausgeschichte. Sie wird in Frankreich seit Jahrhunderten erzählt und sogar besungen. So gesehen ist die Legende ein beliebtes Kinderlied, obwohl sie eigentlich sehr düster und grausam ist. Ich rede von la Légende de Saint Nicolas – die Legende vom heiligen Nikolaus. Aber lasst mich am Anfang beginnen.</p>



<p>Vor langer Zeit, es muss irgendwann im vierten Jahrhundert nach Christus gewesen sein, lebten drei Jungen. Wie sie hießen, wo genau sie lebten und ob sie Brüder oder bloß Freunde gewesen waren, weiß man nicht so genau. In meiner Geschichte sind sie jedenfalls Freunde. Da sind Augustus, der älteste von ihnen und selbsternannter Anführer, Cassius, der zweitälteste, der alles macht, was Augustus ihm aufträgt, und zu guter Letzt Nero, der schlauste von ihnen. Er hatte immer gute Ideen, doch leider nahmen seine Freunde ihn oft nicht ernst, weil er der Jüngste war.</p>



<p>Trotzdem waren die drei unzertrennlich. Denn obwohl sie bloß Freunde waren, kannten sie einander schon ihr ganzes Leben lang. Für sie war es kaum vorstellbar, auch nur einen Tag getrennt voneinander zu spielen.</p>



<p>Und so war es auch an jenem Spätsommertag, an dem diese Geschichte beginnt. Die drei Jungen rannten den ganzen Tag über die kürzlich abgeernteten Weizenfelder. Sie sammelten am Boden liegende Getreideähren, die bei der Ernte übersehen wurden, lachten und taten so, als seien sie Römer, die gerade eine Schlacht gewannen. Sie hatten dabei so viel Spaß, dass sie gar nicht merkten, wie weit sie sich von ihrer Heimat entfernten.</p>



<p>Als die Sonne sich allmählich dem Horizont näherte und die Schatten länger wurden, mahnte Nero seine Freunde: „Die Sonne geht bald unter. Lasst uns nach Hause gehen.“</p>



<p>Aber Augustus schüttelte bloß den Kopf. „Es ist gerade so lustig. Wir gehen nach Hause, wenn es dunkel wird.“</p>



<p>Und so spielten sie weiter, bis der Horizont sich rot färbte. Wieder mahnte Nero: „Es wird spät. Wir sollten zurückgehen.“</p>



<p>Aber wieder hatte Augustus das letzte Wort: „Nur noch einen kurzen Moment.“</p>



<p>Es kam, wie es kommen musste: Als die Sonne schließlich untergegangen war, wurde es rasch dunkler. Zwar kehrten die Jungen sofort um, machten sich auf den Weg nach Hause, aber sie verirrten sich bald.</p>



<p>Im Hellen hätten sie den Rückweg wahrscheinlich gefunden, doch sie hatten nicht bedacht, wie anders alles im Dunkeln aussah. Außerdem war es zur damaligen Zeit noch nicht wie heute: Es gab keine Straßenlaternen und nur sehr wenige Häuser, an deren Lichtern die Kinder sich orientieren konnten.</p>



<p>Als das letzte Sonnenlicht schließlich verschwunden war, hatten sie keine Hoffnung mehr, vor Tagesanbruch nach Hause zu finden.</p>



<p>„Unsere Eltern machen sich sicher Sorgen“, jammerte Nero.</p>



<p>„Meine Mutter bringt mich um“, ergänzte Augustus.</p>



<p>„Ich habe Hunger“, sagte Cassius.</p>



<p>Wie als Antwort knurrte nun auch der Magen von Augustus. Und das war noch nicht alles: In der Dunkelheit fühlten die Jungs sich bald beobachtet. Sie hörten ein leises Rascheln in der Ferne. Der Wind säuselte um ihre Köpfe und flüsterte ihnen in seiner unbekannten Sprache in die Ohren. Sie entschieden, beim nächstbesten Haus zu klopfen, dessen Lichter sie schon aus der Ferne sehen konnten.</p>



<p>Es entpuppte sich als eine Metzgerei, wie sie an dem großen Schinken auf dem Holzschild über der Tür erkannten.</p>



<p>Mutig klopfte Augustus an. <em>Poch, poch, poch</em>.</p>



<p>Stille.</p>



<p>Wieder klopfte Augustus, diesmal lauter. <em>Poch, poch, poch</em>.</p>



<p>Endlich hörten sie Geräusche von drinnen. „Ich habe geschlossen!“, rief eine raue Männerstimme.</p>



<p>Trotzdem öffnete sich die Tür. Erst nur einen Spalt, durch den ein Mann mit grobkantigem Gesicht, dunklen Haaren und kleinen Augen nach draußen spähte. Als sein Blick nach unten zu den Jungen wanderte, öffnete er die Tür ein Stück weiter. Überrascht sah er sie an.</p>



<p>„Was macht ihr denn so spät noch hier?“, fragte er halb misstrauisch, halb verwirrt.</p>



<p>Als Nero das viele Blut an seiner Schürze sah, drückte er sich ängstlich hinter Augustus. Der wiederum griff nach Cassius&#8216; Schultern und schob seinen Freund ein Stück nach vorne. Ein klares Zeichen, dass er reden sollte.</p>



<p>Cassius räusperte sich. „Bitte Herr Metzger, dürfen wir hier schlafen? Wir haben uns verlaufen und können den Heimweg nicht finden“, sagte er. Seine Stimme klang ruhig, aber innerlich war auch er am Zittern.</p>



<p>Der Metzger musterte sie eine Weile stumm. Dann lächelte er plötzlich breit, fast schon väterlich, und öffnete die Tür ganz. „Natürlich. Ich finde schon einen Platz für drei kleine Kerlchen wie euch.“</p>



<p>Die Jungs zögerten, hatten ihre Eltern sie doch gewarnt, keinen Fremden in ein Haus zu folgen, aber schließlich traten sie ein.</p>



<p>Der Metzger sah flüchtig die Straße rauf und runter, ehe er die Tür gewissenhaft hinter ihnen schloss. Dann schob er mit seinen kräftigen Armen einen großen Holzbalken vor die Tür. Als er sich zu den drei Freunden umdrehte, war von der Freundlichkeit oder dem Lächeln in seinem Gesicht nichts mehr zu sehen.</p>



<p>Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging er zu einem Tisch, auf dem die zerkleinerten Überreste eines Schweins lagen. Doch während die Kinder noch dachten, dass er ihnen wahrscheinlich bloß etwas zu essen geben wolle, griff der Mann nach seinem blutverschmierten Fleischermesser, das in der Tischplatte steckte.</p>



<p>„Keine Angst. Ich sorge dafür, dass es schnell geht“, sagte der Mann, ehe er das Messer mit einem Ruck aus dem Holz zog. Ein metallenes <em>Tsching</em> füllte die Luft.</p>



<p>Jetzt war das Unwohlsein der Kinder in Angst umgeschlagen. Während der Metzger mit erhobenem Messer auf sie zukam, drückten sie sich eng aneinander. Nero rüttelte an der Tür. Aber es war zwecklos. Seine Arme waren zu schwach, um den schweren Türbalken anzuheben.</p>



<p>„Helft mir mal!“, rief er seinen Freunden zu.</p>



<p>Doch die dachten gar nicht daran, noch länger an der Tür zu stehen. Cassius krabbelte unter einen Tisch, während Augustus in den hinteren Teil des Hauses rannte.</p>



<p>Dann war der Metzger auch schon bei Nero. Ehe der Junge wusste, was mit ihm geschah, hatte der Mann mit einem gezielten Schnitt seine Kehle durchtrennt.</p>



<p>Normalerweise hätte er nicht so schlampig gearbeitet, darauf geachtet, dass das Blut des Jungen nicht überall hinspritzte, aber er musste sich beeilen, damit die anderen beiden Jungs nicht entkommen konnten.</p>



<p>Während Nero also röchelnd am Boden zusammenbrach, wandte der Metzger sich Cassius zu. Dieser versuchte, panisch von ihm wegzukrabbeln, während der Mann die Stühle vom Tisch riss. Cassius unterschätzte jedoch die Schnelligkeit und das Geschick des Metzgers. Es dauerte nicht lange, dann lag auch er in einer Blutlache am Boden.</p>



<p>Fehlte nur noch Augustus. Der Metzger wandte sich der Tür zu seinem Schlafzimmer zu, durch die der älteste Junge verschwunden war. Mit schnellen Schritten ging er ihm nach.</p>



<p>Augustus drückte sich unter dem Bett eng an den Boden. Er bemühte sich, langsam zu atmen, um keine Geräusche zu machen.</p>



<p>Der Metzger sah sich im Halbdunkel des Raumes um. Er spähte in jede Ecke, sah sogar unter seiner Bettdecke nach. Das war Augustus&#8216; Chance. Während der Metzger an der Seite des Bettes stand, krabbelte der Junge am Fußende in die Freiheit. Große Hände griffen nach ihm, doch der Metzger erwischte nur den Ärmel seines Oberteils. Der Stoff riss und der Junge war in Freiheit.</p>



<p>Viel Zeit hatte er jedoch nicht. So schnell er konnte, stürmte er zur Tür. Mit aller Kraft drückte der den Holzbalken nach oben. Er bewegte sich. Doch ehe Augustus die Tür ganz öffnen konnte, hatte der Metzger ihn erreicht. Wie auch bei seinen Freunden, machte der Mann mit ihm kurzen Prozess.</p>



<p>&#8212;</p>



<p>Die Nacht verbrachte der Metzger damit, die Kinder fachgerecht zu zerteilen. Er legte ihr Fleisch in ein Salzfass, wie er es sonst mit dem Fleisch von Schweinen, Kühen oder anderen Tieren machte. Anschließend stellte er es zu den anderen Fässern in seinem Vorratsraum.</p>



<p>Verkauft oder selbst gegessen hat er das Fleisch jedoch nie. Vielleicht hatte er Schuldgefühle, oder aber er hatte sich nicht getraut, voller Angst, dass jemand herausfinden könnte, was wirklich in dem Fass war.</p>



<p>Jedenfalls lag das Fleisch der Kinder selbst nach sieben langen Jahren noch in dem Fass. Den Eltern der Kinder kam es aber sicher noch viel länger vor, während sie täglich hofften, dass ihre Jungs endlich heimkehren würden. Sie konnten ja nicht ahnen, was ihren Kindern zugestoßen war.</p>



<p>Das hier könnte das tragische Ende der Legende sein, aber es wäre keine Nikolausgeschichte, wenn der heilige Nikolaus nicht vorkommen würde. Und genau das tut er jetzt: In der Nacht von einem fünften auf den sechsten Dezember, etwas über sieben Jahre nach dem Mord an den Jungen, kam Sankt Nikolaus in das Dorf des Metzgers. Er ging mit im Schnee knirschenden Schritten auf die Tür der Metzgerei zu, über der noch immer das Holzschild mit dem großen Schinken darauf prangte. Ohne zu zögern, klopfte er an.</p>



<p><em>Poch, poch, poch.</em></p>



<p>Diesmal ertönten bereits nach dem ersten Mal Schritte von drinnen. Wieder öffnete der Metzger die Tür nur einen Spalt breit. „Ich habe geschlossen!“ Sein Gesicht war über die Jahre faltig geworden und seine dunklen Haare hatten graue Stellen.</p>



<p>„Bitte, dürfte ich mich hier ausruhen?“, fragte Sankt Nikolaus, der mit seinem Alter den Metzger bei Weitem übertraf. Er trug sein rotes Bischofsgewand, unter dessen hohem Hut seine langen weißen Haare hervorquollen. Durch seinen ebenso langen weißen Bart lächelte er den Metzger gütig an.</p>



<p>Der Metzger stand einen Moment nur mit offenem Mund da, als er Sankt Nikolaus erkannte. Dann öffnete er schnell die Tür und bat ihn ins Warme. „Bitte, bitte. Kommt herein! Einen heiligen Mann würde ich nie im Schnee stehen lassen!“</p>



<p>Das ließ der Nikolaus sich nicht zweimal sagen. Als würde er dort wohnen, betrat er das Haus, ging zu einem Tisch und setzte sich. „Oh, bitte. Ich bin so hungrig von der langen Reise. Könnte ich vielleicht etwas zu essen haben?“</p>



<p>Der Metzger kam sofort angerannt, nachdem er den schweren Holzbalken wieder vor die Tür geschoben hatte. „Natürlich. Darf ich Euch etwas von meinem besten Schinken anbieten?“</p>



<p>Aber der Nikolaus lehnte ab. „Nein, ich habe keinen Appetit auf Schinken.“</p>



<p>„Vielleicht einen Braten?“, bot der Metzger an.</p>



<p>„Der müsste erst gekocht werden. Aber ich würde etwas von dem Pökelfleisch nehmen. Es dürfte bereits über sieben Jahre in dem Salzfass liegen.“</p>



<p>Als der heilige Nikolaus das sagte, entwich dem Gesicht des Metzgers sämtliche Farbe. Er erkannte natürlich sofort, dass der Nikolaus von seiner schändlichen Tat wusste. Sofort nahm er die Beine in die Hand und rannte zur Tür. Ehe er jedoch den schweren Holzbalken aus der Halterung gehoben hatte, war der Nikolaus bereits bei ihm. Er legte seine Hand auf das Holz und drückte es sanft nach unten.</p>



<p>„Flieh nicht, mein Sohn“, sagte er zu dem Metzger. „Bete lieber und bereue, was du getan hast. Dann wird Gott dir vergeben.“</p>



<p>Bei diesen Worten aus dem Mund eines heiligen Mannes begann der Metzger plötzlich zu weinen. Er weinte wie ein Schlosshund, während er sich auf die Knie fallen ließ und die Hände vor der Brust zum Gebet faltete.</p>



<p>Sankt Nikolaus hingegen ging nach hinten in den Vorratsraum. Zielgerichtet ging er zu dem Holzfass, in dem seit sieben Jahren das Fleisch der drei armen Jungen pökelte. Er streckte seine Hand aus und legte drei Finger – den Zeigefinger, den Mittelfinger und den Ringfinger – auf den Rand des Fasses.</p>



<p>Da regte es sich plötzlich in dem Pökelfass. Der Deckel wurde von innen aufgestoßen und Augustus reckte sich daraus hervor. „Ahhh, ich habe gut geschlafen.“</p>



<p>Dann folgte Cassius: „Oh ja, das habe ich auch.“</p>



<p>Und Nero: „Als wäre ich im Himmel gewesen.“</p>



<p>Wie durch ein Wunder – denn genau das war es auch –, wurden die drei Jungen wieder zum Leben erweckt. Sankt Nikolaus begleitete sie noch bis nach Hause, wo ihre Eltern ihren Augen nicht trauen konnten. Sie ließen alles stehen und liegen, bevor sie ihre Kinder fest in die Arme schlossen.</p>



<p>Seit jener Nacht ist der heilige Nikolaus der Schutzpatron der Kinder. Jedes Jahr, in der Nacht von dem fünften auf den sechsten Dezember, streift er um die Häuser, um artige Kinder mit Süßigkeiten und Spielzeug zu belohnen.</p>



<p>Der Metzger hingegen, der ihn seit jenem wunderhaften Tag begleitet, kümmert sich um die unartigen Kinder. Zwar bringt er sie nicht um oder steckt sie gar in ein Pökelfass, aber er sorgt dafür, dass sie eine gerechte Strafe für ihr Fehlverhalten bekommen.</p>



<p>Das ist die Geschichte, wie der Nikolaus zu dem Mann wurde, den heute fast jedes Kind kennt: die Legende vom heiligen Nikolaus.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p>La Légende de Saint Nicolas (Französisch für „Die Legende vom heiligen Nikolaus“) ist eine französische <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> und ein Kinderlied, das besonders zur <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/weihnachten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nikolauszeit</a> gesungen wird. Sie handelt von drei Kindern, einem bösartigen Metzger und dem heiligen Nikolaus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ablauf:</h3>



<p>Der Legende nach waren drei Kinder draußen unterwegs – z. B., weil sie auf geernteten Feldern nach Weizenresten suchen –, als sie sich verirren. Sie können den Rückweg nicht finden und als es schließlich dunkel wird, sehen sie in der Ferne Lichter in einer Metzgerei brennen.</p>



<p>Zu dritt klopfen sie an die Tür. Sie bitten den Metzger um etwas zu essen und einen Platz für die Nacht. Der Metzger ist einverstanden.</p>



<p>Sobald die Kinder jedoch das Haus betreten, stürzt der Metzger sich auf sie. Er bringt sie um und zerstückelt sie, um sie – wie man es sonst bei Schweinen tut – in ein Salzfass zu legen. Alternativ gibt der Metzger ihnen Essen und wartet, bis sie eingeschlafen sind, ehe er sie ermordet und in das Pökelfass legt.</p>



<p>Der Grund, warum er die Kinder tötet, ist nicht bekannt. In einigen Versionen überredet ihn seine Frau dazu, da die Kinder Wertsachen oder Geld dabei haben – er entsorgt die Leichen also nur. In anderen Versionen ist von einer Hungersnot die Rede. Aber in den meisten Fällen wird kein Grund genannt.</p>



<p>Eines Wintertages – oft sind seit dem Mord sieben Jahre vergangen – kommt schließlich der heilige Nikolaus in die Gegend. Wie auch die Kinder klopft er an die Tür des Metzgers und bittet um Einlass. Der Metzger, der den heiligen Mann erkennt, lässt ihn sofort herein.</p>



<p>Anschließend bittet Sankt Nikolaus um etwas zu essen. Der Metzger bietet ihm diverse Speisen an, die der heilige Nikolaus jedoch alle ablehnt. Stattdessen bittet er den Metzger um Fleisch, das sieben Jahre in Salz gelegen hat. (In anderen Versionen ist er noch direkter und verlangt sogar genau das betreffende Fass.) Der Metzger erkennt natürlich sofort, dass Sankt Nikolaus von den drei toten Kindern weiß. Er versucht, zu fliehen, doch Sankt Nikolaus hält ihn auf. Der heilige Mann verspricht dem Metzger, dass Gott ihm vergeben wird, wenn er seine Tat bereut.</p>



<p>Anschließend wendet er sich dem Fass zu. Er legt drei Finger darauf und segnet es. Kurz darauf kommen die drei Kinder quietschlebendig aus dem Fass hervor. Sie recken sich und berichten, wie gut sie geschlafen hätten.</p>



<p>In einigen der Legenden wird der Metzger anschließend zu Hans Trapp oder Père Fouettard – beides eine französische Version von Knecht Ruprecht. Er begleitet den Nikolaus also seitdem jedes Jahr in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember und bestraft die unartigen Kinder, während Sankt Nikolaus die artigen Kinder belohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ort des Geschehens:</h3>



<p>Der Ort des Geschehens ist nicht bekannt. Zumindest habe ich bei meiner Recherche nicht eine einzige Ortsangabe finden können.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p>Die frühsten Versionen von la Légende de Saint Nicolas existieren seit dem Mittelalter. Damals waren die drei Jungen jedoch noch Jugendliche oder junge Erwachsene, die Metzgerei war ein Gasthaus und der Metzger ein Gastwirt. Ansonsten ist die Geschichte identisch.</p>



<p>Erst in neueren Versionen ist von drei Kindern und einem Metzger die Rede. Der älteste Liedtext über drei Kinder, den ich gefunden habe, stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.</p>



<p>Wo genau die Legende herkommt, ist nicht bekannt. Sie wird heutzutage jedoch fast ausschließlich in Frankreich erzählt und besungen.</p>



<p><em>Was haltet ihr von la Légende de Saint Nicolas? Ich weiß, dass sie anders als meine meisten Geschichten ist, aber ich hoffe, sie hat euch trotzdem gefallen!</em></p>



<p><em>Wenn ihr mehr solcher Geschichten oder Legenden lesen wollt, abonniert auch gerne meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a>, oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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