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	<title>Lighthouse Archive - Geister und Legenden</title>
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	<description>In diesem Blog schreibe und veröffentliche ich jeden zweiten Montag eine neue Legende und Geschichte über Geister oder andere übernatürliche Dinge. Viel Spaß beim Gruseln!</description>
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		<title>Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2024 13:00:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.geister-und-legenden.de/mongolischer-todeswurm-allghoi-khorkhoi">Mongolischer Todeswurm – Allghoi Khorkhoi</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.geister-und-legenden.de">Geister und Legenden</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/4e4ad1cac8d745068c24720bfba7b56f" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">Der Allghoi Khorkhoi, auch Mongolischer Todeswurm genannt, ist das erste <a href="https://geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a> aus der Mongolei, über das ich geschrieben habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hat sich mein Beitrag etwas verzögert, weil ich gleich zweimal krank geworden bin, zwei Wochen Urlaub hatte und dann auch noch den Anfang insgesamt viermal neuschreiben musste, ehe ich damit zufrieden war. Trotzdem hoffe ich, dass euch die Geschichte gefällt und wie immer …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Tod<br>
&#8211; Tod mehrerer Tiere (Todeswürmer)</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen hier weg!“, brüllte Stefan uns über den Regen an. „In wenigen Minuten wimmelt es hier von diesen Dingern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Woher weißt du so viel über die Würmer?“, schrie ich, während ich den Kopf wieder einzog. „Ich dachte, sie seien nur ein Mythos!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich erforsche die Allghoi Khorkhoi seit einigen Monaten. Aber wartet mit den Fragen bitte, bis wir in Sicherheit sind. Jetzt ist nur wichtig, dass ihr die Würmer oder ihren Speichel auf gar keinen Fall berührt!“ Wer auch immer dieser Typ war, er war ganz sicher kein Elektriker!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vielleicht sollte ich euch erst einmal erzählen, wie ich überhaupt in diese Situation gekommen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles hatte mit einem Anruf von Sandra begonnen. Sie war die Leiterin eines Paläontologenteams und eine ehemalige Schulfreundin von mir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tobias? Bist du das?“, meldete sie sich am Telefon. „Hier ist Sandra. Du weißt schon, aus der Schule? Wir haben uns letztes Jahr beim Klassentreffen gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir unterhielten uns eine Weile, ehe sie schließlich zum Punkt kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du arbeitest doch im Personenschutz? Als Bodyguard und sowas?“, hatte sie gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Richtig. Du brauchst einen Bodyguard? Einen Türsteher? Vielleicht auch nur einen Nachtwächter oder jemanden, der auf dein Haus aufpasst? Ich bin dein Mann“, sagte ich stolz. „Ich bin ziemlich sicher, dass einer meiner ehemaligen Kunden sogar ein Mafioso war.“ Viele Leute fanden meinen Beruf genauso spannend, wie ich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jedoch nicht das, worauf Sandra hinauswollte. „Ich könnte deine Hilfe gebrauchen“, unterbrach sie mich. „Arbeitest du auch im Ausland? In der Wüste Gobi in der Mongolei, um genau zu sein? Die Reisekosten würde ich selbstverständlich übernehmen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst war ich verwirrt. Wozu brauchte ein Paläontologenteam, eine Gruppe gewöhnlicher Dinosaurierforscher, einen Bodyguard? Und dann auch noch in der Mongolei, einem der sichersten Länder in ganz Asien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Sandra mir jedoch von den seltsamen Anrufen und E-Mails erzählte, die sie in den letzten Wochen bekommen hatte, ergab das Ganze allmählich mehr Sinn. Eine der E-Mails leitete sie mir sogar weiter. Der Absender behauptete darin, der Boden bei ihrer geplanten Ausgrabungsstätte sei verseucht und sie solle lieber noch zwei, drei Monate warten, ehe ihr Team dort mit den Ausgrabungen beginne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es klang alles ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Und wie sich herausstellte, war es das auch. Weder wussten die örtlichen Behörden davon, noch wies der Boden bei der Ausgrabungsstelle irgendwelche Besonderheiten auf. Sandra hatte selbst Proben entnommen und ihn getestet. Irgendwer schien sie also an den Ausgrabungen hindern zu wollen und sie hatte keine Ahnung, warum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sie mir dann auch noch versprach, mir neben den Reisekosten ein Gehalt zu bezahlen, willigte ich schließlich ein. Und so flog ich, etwas über eine Woche später, in die Mongolei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier habe ich dann auch die drei anderen Forscher aus Sandras Team, Anne, Ben und Chris sowie Stefan, der die Ausgrabung als Tourist begleitete, kennengelernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letzteren beobachtete ich gerade dabei, wie er auf seinem Campingstuhl saß und Sandras Team bei der Arbeit zusah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Schaut mal! Schaut mal!“, rief Sandra uns plötzlich zu. Sie deutete auf einen annähernd ovalen Stein, den sie in einer Felswand freigelegt hatte. „Was ihr hier seht, ist nichts anderes als ein waschechtes Dinosaurierei! Wusstet ihr, dass hier in der Wüste Gobi die ersten fossilen Dinosauriereier der Welt gefunden wurden? Der Abenteurer Roy Chapman Andrews hat sie vor etwas über 100 Jahren bei seinen Ausgrabungen entdeckt. Dadurch haben Wissenschaftler überhaupt erst herausgefunden, dass Dinosaurier Eier legen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, wie man sich so sehr für ein paar langweilige Steine begeistern konnte. Für mich war die Gegenwart sehr viel spannender.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch Stefan sah ziemlich gelangweilt aus, während die Paläontologen ihn mit kindlicher Begeisterung zu sich winkten, um ihm das Ei aus der Nähe zu zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schmunzelte. Zu Anfang fand ich Stefan noch verdächtig. Auch wenn Sandra mir erklärt hatte, dass sie häufiger neugierige Touristen mit zu den Ausgrabungen nahmen, fand ich es auffällig, dass es ausgerechnet bei dieser passieren musste, wo doch die letzten Wochen irgendwer versucht hatte, sie zu sabotieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also hatte ich mich eines Nachts in Stefans Zelt geschlichen. Ich war mehr als nur angespannt gewesen, hatte auf jede seiner Bewegungen, jede noch so kleine Abweichung in seiner Atmung geachtet, während ich systematisch seine Sachen durchsuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber tatsächlich fand ich nichts von Bedeutung, abgesehen von einem recht hochwertigen Mitarbeiterausweis und einigen Visitenkarten in seinem Portemonnaie. Sie wiesen ihn als Mitarbeiter einer Elektrikerfirma namens Lighthouse aus – nicht gerade jemand, der irgendein Interesse daran haben könnte, eine Ausgrabung zu verhindern. So dachte ich jedenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf jeden Fall betrachtete ich den Elektriker danach mit deutlich weniger kritischen Augen. Und so amüsierte mich seine Langeweile mehr, als dass sie mich hellhörig machte. Wahrscheinlich hatte er sich auf einen abenteuerreichen Indiana-Jones-Urlaub gefreut und saß jetzt hier, umgeben von nichts als Felsen, Wüste und einer Gruppe Paläontologen, die sich wie kleine Kinder freuten, wenn sie irgendwelche besonderen Steine fanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So verlief mein aktueller Auftrag einige Tage fast völlig ereignislos. Ich war bereits kurz davor, meine Reise in die Mongolei als bezahlten Urlaub abzutun, als am fünften Tag der Ausgrabungen plötzlich Wolken aufzogen. Es sah nach ziemlich heftigem Regen aus. Und auch Stefan und die Paläontologen betrachteten die Wolken mit sorgenvollen Blicken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht mag euch das wundern. Starke Regenfälle passten nicht wirklich in die Vorstellung der meisten Menschen von einer Wüste. Aber tatsächlich war das in der Mongolei nichts Ungewöhnliches. Immerhin hatten wir Juli, den regenreichsten Monat des Jahres. Laut Internet sollte es hier im Juli an fünf bis sechs Tagen regnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wolken waren jedoch nicht das Einzige, was mir auffiel. In einiger Entfernung konnte ich sehen, wie sich eine Art Welle durch den Sand bewegte, gleichmäßig von links nach rechts, ehe sie wieder verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da drüben ist irgendetwas“, sagte ich laut. Immerhin war es eine meiner Aufgaben, nach ungewöhnlichen Dingen Ausschau zu halten. „Es sah aus, als bewege sich da irgendetwas unter dem Sand. Kann das ein Tier sein?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan und die Paläontologen folgten meinem Blick in die Richtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie spüren den Regen“, murmelte der Elektriker. Er sprach leise zu sich selbst, jedoch nicht so leise, dass ich ihn nicht verstanden hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie?“, hakte ich nach. „Wen meinst du damit?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Stefan hatte nicht vor, auf meine Frage einzugehen. „Tobias, du hast doch bestimmt eine Waffe dabei, oder? Wenn ja, hol sie! Und die anderen: Lasst alles stehen und liegen. Wir müssen zu den Autos!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte einen befehlenden, fast militärischen Tonfall, der Sandra jedoch alles andere als zu passen schien. „Was fällt dir ein?“, wurde Sandra laut. „Das hier ist immer noch meine Ausgrabungsstätte. Wir sitzen den Regen im Gemeinschaftszelt aus!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Paläontologen sahen zwischen ihnen hin und her, unsicher, auf wen sie hören sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen hatte zu oft Krisensituationen erlebt, um Stefans Befehl weiter zu hinterfragen. Es würde schon einen Grund geben, warum ich meine Pistole holen sollte. Und selbst wenn er sich irrte, wollte ich meine Waffe lieber einmal zu oft geholt haben als zu wenig. Also sprintete ich zu meinem Zelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich riss den Reißverschluss auf, zog meine Glock 19 unter der Luftmatratze hervor und warf mir meinen Regenponcho über, ehe ich wieder nach draußen eilte. Sandra und Stefan waren noch immer am Diskutieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte, wir haben keine Zeit für Erklärungen. Vertraut mir einfach!“, flehte Stefan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Aufmerksamkeit galt jedoch etwas anderem: Direkt hinter Sandra sah ich Bewegungen im Sand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da kommt etwas“, schrie ich über die Diskussion hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sandra wandte sich mir zu, dann sah sie auf den Sand, wohin ich zeigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und tatsächlich schob sich nur einen Augenblick später ein großes fleischrotes Etwas aus dem Boden. Es hatte eine wurstähnliche Form, ohne Gliedmaßen oder Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ein Mongolischer Todeswurm“, hauchte Sandra ungläubig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch ich starrte das Wesen mit offenem Mund an. Natürlich hatte ich mich vor meiner Reise über potentiell gefährliche Tiere informiert, die uns hier begegnen könnten. Auch war ich dabei auf die Allghoi Khorkhoi, die Mongolischen Todeswürmer gestoßen. Jedoch stand im Internet, dass es sie nicht wirklich gab. Sie seien nichts als eine Legende der einheimischen Nomaden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan ließ uns nicht in unserer Verwunderung dastehen. Er packte Sandra und Chris am Arm und zerrte sie mit sich Richtung Felsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entsicherte meine Glock und richtete den Lauf auf das fleischige Tier vor mir. Auf den ‚Todeswurm‘. Krampfhaft versuchte ich, mich an alles zu erinnern, was ich über sie gelesen hatte. Sie waren giftig, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider zögerte ich zu lange. Ich blickte immer wieder zu Sandra und Stefan, während ich weiter auf den Wurm zielte. Der Mongolische Todeswurm hingegen richtete sich im Sand auf, zog seinen Körper einige Zentimeter zusammen und spuckte eine schwefelgelbe Flüssigkeit auf die Person, die ihm jetzt am nächsten stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ben schrie für den Bruchteil einer Sekunde auf, während der Schleim ihn traf. Dann brach er lautlos auf dem Sand zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ben!“, hörte ich Sandra entsetzt schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte in dem Moment nicht weiter nach und feuerte fünf Kugeln in den Körper des Todeswurms ab. Er zuckte noch einen Moment, ehe er reglos liegenblieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend eilte ich weiter zu dem gefallenen Paläontologen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tobias! Fass seinen Körper nicht an!“, mahnte mich Stefan aus der Ferne. „Es ist eh zu spät. Ben ist schon tot.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder zögerte ich. Jedoch wusste ich zu wenig, um die Situation weiter einschätzen zu können. Daher packte ich Anne, die vor Schreck wie versteinert dastand, am Oberarm und rannte mit ihr zu den anderen hinter die Felsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war der Moment, als der Regen einsetzte. Zuerst grummelte es nur kurz, dann öffnete der Himmel alle Schleusen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl ich mit starkem Regen gerechnet hatte, unterschätzte ich ihn trotzdem. Innerhalb von Sekunden verwandelte der steinige Sand sich in Schlacke. Wenn ich eben noch kilometerweit gucken konnte, erkannte ich jetzt nur noch wenige Meter um uns herum. Und auch das Rauschen war so laut, dass ich kaum noch etwas hören konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir müssen hier weg!“, brüllte Stefan uns über den Regen an. „In wenigen Minuten wimmelt es hier von diesen Dingern!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Glock noch immer fest umklammernd, wagte ich einen Blick über den schützenden Felsen. Dort lag Bens Leiche bei unseren Zelten. Der Regen hatte den gelben Schleim von seinem Körper bereits fast vollkommen weggespült. Auch sah ich den toten Wurm einige Meter weiter liegen. Dick wie ein menschlicher Arm. Aber das war noch nicht alles. Stefan hatte recht: An diversen Stellen konnte ich Bewegungen unter dem nassen Sand erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Woher weißt du so viel über die Würmer?“, schrie ich, während ich den Kopf wieder einzog. „Ich dachte, sie seien nur ein Mythos!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich erforsche die Allghoi Khorkhoi seit einigen Monaten. Aber wartet mit den Fragen bitte, bis wir in Sicherheit sind. Jetzt ist nur wichtig, dass ihr die Würmer oder ihren Speichel auf gar keinen Fall berührt!“ Wer auch immer dieser Typ war, er war ganz sicher kein Elektriker!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem entschied ich, vorerst keine weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Wir mussten dringend zu den Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hektisch sah ich mich um, versuchte, durch den Regenschleier die bestmögliche Fluchtroute zu erkennen. Ich wusste, dass wir von Felswänden umringt waren. Dort hochzuklettern dürfte so ziemlich unmöglich sein – besonders bei dem Regen. Unser einziger Weg führte also nach Osten. Wir mussten direkt an den Würmern vorbei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir laufen dort drüben lang!“, schrie ich den anderen zu, während ich nach rechts deutete. „Zwischen den Felsen haben wir den größtmöglichen Schutz!“ Leider war das Terrain dort aber auch am schwierigsten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück gab niemand Widerworte. Selbst Stefan schien anzuerkennen, dass meine Erfahrung unsere beste Möglichkeit auf eine Flucht bot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir liefen nacheinander zur nächsten Deckung, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Stefan lief vor und hielt bei dem nächsten größeren Felsen Ausschau nach Würmern, während ich zurückblieb und die anderen nacheinander zu ihm schickte. Zum Schluss folgte ich der Gruppe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So bewegten wir uns von Felsen zu Felsen, von Deckung zu Deckung. Und obwohl wir teilweise mehr über den Kies schlitterten, als dass wir liefen und oft genug Würmer umgehen mussten, kamen wir gut voran. Immer, wenn ein Blitz durch den Himmel zuckte, konnte ich erkennen, wie wir uns dem Ende der Felswand näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte gerade um unsere Deckung spähen, um den weiteren Weg auszumachen, als Stefan mir plötzlich einen Arm an die Brust presste und mich so zurückhielt. Langsam hob er die andere Hand und zeigte auf eine Bewegung im Schlamm, nur wenige Meter von uns entfernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdammt! Trotz ihrer grellroten Farbe war der Sand inzwischen so feucht geworden, dass die Todeswürmer sich gut verstecken konnten. Die letzten Meter würden kniffelig werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also änderte ich den Kurs. Wir liefen weiter zur Felswand, wo der Boden zwar noch unebener war, dafür gab es jedoch weniger Fläche, wo die Würmer sich verstecken konnten – so dachte ich jedenfalls. Stefan hatte gerade den halben Weg zum nächsten Felsen zurückgelegt, als ich eine Bewegung im Sand neben ihm sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sprintete nach vorne, riss meine Glock hoch und feuerte drei Schüsse in den Wurm ab. Auch er blieb kurz darauf reglos liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Alles in Ordnung?“, rief ich Stefan zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich jedoch dachte, dass ich damit das größte Übel beseitigt hätte, hatte ich mich getäuscht. Irgendetwas, vielleicht der Lärm von den Schüssen, vielleicht die Leiche ihres Artgenossen, hatte die anderen Würmer auf uns aufmerksam gemacht. Dutzende von ihnen kamen jetzt auf uns zugekrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Scheiße! Lauft! Lauft!“, brüllte ich den anderen zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sie an mir vorbei Richtung Autos liefen, ließ ich mich zurückfallen. Ich blieb dicht hinter den anderen, während ich mit meiner Glock versuchte, uns die Würmer vom Leib zu halten, die jetzt schnell aufholten. Erfolglos. Es waren einfach zu viele. Wenn ich weiter wahllos jeden Mongolischen Todeswurm abballern würde, der sich uns näherte, hätte ich gleich keine Munition mehr im Magazin. Also hetzte ich den anderen nach. Zum Glück waren wir bereits ganz in der Nähe der Autos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich das Auto erreichte, sah ich, dass alle sich in einen Wagen gedrängt hatten. Scheinbar hatte niemand von ihnen Lust, die wenigen Meter zum nächsten Auto weiterzulaufen. Zurecht. Ich hatte mich gerade neben Chris auf die Rücksitzbank gequetscht und die Tür hinter mir zu gerissen, als eine Woge gelben Schleims gegen die Autoscheibe klatschte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt musste ich mitansehen, wie sich das Glas mit einem zischenden Geräusch auflöste. Ich drängte mich näher an Chris, als Stefan gerade den Schlüssel von Sandra entgegennahm. Dann endlich startete er den Motor und wir setzten uns in Bewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar kamen wir nur langsam voran – der nasse Sand und der felsige Boden waren nicht die beste Straße und die allmählich beschlagende Windschutzscheibe tat ihr Übriges –, aber zum Glück schienen uns die Würmer nicht sonderlich weit zu verfolgen. Weitere Angriffe blieben aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fuhren eine Weile schweigend weiter, ehe Stefan sich zu Sandra, Anne und Chris wandte. „Es tut mir leid um euren Kollegen“, sagte er. „Um euren Freund.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sandra saß vor mir und starrte auf ihre Knie. Obwohl ich ihr Gesicht nicht sehen konnte, wirkte sie, als kämpfe sie mit den Tränen. Trotzdem klang ihre Stimme ungewöhnlich ruhig. „Du warst das, oder?“, fragte sie. „Du hast mich angerufen und mir die Mails geschickt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan lächelte schief, während er nickte. „Das waren Leute aus meinem Team, ja. Wie gesagt untersuchen wir die Würmer seit einigen Monaten. Ich wünschte nur, uns wäre eine bessere Ausrede eingefallen, als ihr eure Ausgrabung direkt über ihrem Nest geplant habt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum habt ihr nicht einfach die Wahrheit gesagt?“, fragte Sandra. Bitterkeit schwang in ihrer Stimme mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stefan warf ihr einen traurigen Blick zu. „Hättest du uns geglaubt?“, fragte er.</p>


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<h2 class="wp-block-heading">Die Legende:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Allghoi Khorkhoi, auch Olgoi Khorkhoi oder Mongolischer Todeswurm genannt, ist ein Kryptid aus der Mongolei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wörtlich übersetzt, heißt олгой-хорхой (olgoi khorkhoi) übrigens in etwa „Dickdarm-Wurm“, wobei хорхой (Khorkhoi) auch so viel wie „Insekt“ oder „Larve“ heißen kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aussehen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Aussehen des Allghoi Khorkhoi gibt es verschiedene Aussagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell sollen die Mongolischen Todeswürmer etwa 50 bis 150 cm lang und dick wie „der Arm eines Mannes“ sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem amerikanischen Abenteurer und Paläontologen Roy Chapman Andrews beschrieben die einheimischen Nomaden den Wurm als wurstförmig, etwa 60 cm lang und ohne Kopf, Schwanz oder Beine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Einheimische beschreiben ihn als fleischigen Wurm mit roter Haut, weiß-grauen Wurm, der sich bei Gefahr rot färbt oder gar als schuppig und braun. Gerade Letzteres würde ich jedoch auf Verwechslungen mit einer Schlange zurückführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein persönlicher Favorit ist hingegen die fleischige rote Variante, da sie als einziges zu dem mongolischen Namen „Dickdarm-Wurm“ passt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eigenschaften:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Allghoi Khorkhoi hat seinen deutschen Namen „Mongolischer Todeswurm“, weil er seine Opfer innerhalb von kürzester Zeit tötet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige sagen, er nutzt hierzu ein tödliches Gift, das er über mehrere Meter versprühen kann, andere sagen, er nutzt elektrische Stöße. Außerdem soll seine Haut so giftig sein, dass man bei Berührung eines Wurms sofort stirbt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich sagen manche Leute dem Gift eine ätzende Wirkung nach, sodass es sogar Metall innerhalb kürzester Zeit zersetzen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem wird der Allghoi Khorkhoi in den Berichten nicht unbedingt als aggressiv beschrieben. Für mich liest es sich eher so, dass er sein Gift versprüht, weil er sich bedroht fühlt oder seltener, um Beute zu jagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade Letzteres ist jedoch umstritten, da man nicht genau weiß, was Mongolische Todeswürmer fressen. Während manche Leute sagen, sie würden mit ihrem Gift Tiere und selten sogar Menschen jagen, behaupten andere, sie seien Pflanzenfresser und würden z. B. die giftige Goyo-Pflanze fressen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit sollen die Allghoi Khorkhoi hingegen unterirdisch verbringen. Für gewöhnlich sollen sie fast nur bei Regen oder Feuchtigkeit an die Oberfläche kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten kann man sie manchmal entdecken, während sie sich unterirdisch bewegen, indem man kleine Wellen an der Sandoberfläche über ihnen sieht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensraum/Vorkommen:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mongolische Todeswurm soll ausschließlich in der Wüste Gobi im Süden der Mongolei und Norden von China vorkommen. Dort soll er hauptsächlich unter dem Sand in besonders abgelegenen und lebensunfreundlichen Teilen der Wüste leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am häufigsten sollen sie im Juni, Juli und August gesehen werden, der regenreichsten Zeit in der Wüste Gobi.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ursprung:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Ursprung der <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a> lässt sich leider nichts Genaueres sagen, da die einheimischen Nomaden selbst nicht genau wissen, seit wann es die Legende gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste bekannte schriftliche Erwähnung des Mongolischen Todeswurms findet sich in dem Buch „On the Trail of Ancient Man“ (1926) von Roy Chapman Andrews. Es ist jedoch gut möglich, dass die Nomaden der Wüste Gobi schon seit vielen Generationen Geschichten über Allghoi Khorkhoi erzählen, die sie jedoch nur mündlich weitergegeben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Jahre, bevor Andrews das Buch geschrieben hat, war er selbst in der Wüste. Damals soll ihn der Premierminister der Mongolei darum gebeten haben, Ausschau nach den Allghoi Khorkhoi zu halten und ein Exemplar der legendären Bestie zu fangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andrews selbst gestand zwar, dass er nicht an die Existenz des Mongolischen Todeswurms glaubte, aber er traf viele Einheimische, die ihm Geschichten des Monsters erzählt haben. Und auch heute noch sollen viele Nomaden der Wüste Gobi an Allghoi Khorkhoi glauben, obwohl nur die wenigsten von ihnen ein echtes Exemplar gesehen haben wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gab es viele, teilweise sehr ernste und professionelle Forschungen und Suchen nach dem Mongolischen Todeswurm. Wissenschaftliche Teams aus aller Welt haben mit unterschiedlichsten Methoden nach ihnen gesucht. Sie nutzten Kameras aus Flugzeugen, künstliche Überschwemmungen, Geräte wie in „Dune“, die Geräusche erzeugen, die den Mongolischen Todeswurm anlocken sollten, und sogar Bomben. Trotzdem blieben sämtliche Suchen ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage gehen viele Forscher davon aus, dass es sich bei den Sichtungen des Todeswurms lediglich um Verwechslungen mit lokalen Schlangen handelt. Der Naturforscher Yuri Gorelov hat einmal eine Östliche Sandboa gefangen, nachdem ein Einheimischer ihm das Nest eines vermeintlichen Allghoi Khorkhoi gezeigt hat. Viele Einheimische, denen Gorelov die Schlange zeigte, identifizierten sie fälschlicherweise als einen Mongolischen Todeswurm.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Mongolische Todeswurm in der Popkultur:</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich ist auch die Popkultur nicht von dem Mongolischen Todeswurm verschont geblieben. So gibt es nicht nur Spekulationen, ob Frank Herbert sie für seinen weltberühmten Roman „Dune“ bzw. „Der Wüstenplanet“ (1963) als Inspiration für die Sandwürmer genutzt hat, sondern man findet ihre Einflüsse auch in Videospielen wie „Dark Souls III“ oder „Final Fantasy XIV“ sowie in Filmen wie „Tremors – Im Land der Raketenwürmer“ (1990) oder „Monster Worms“ (Originaltitel: „Mongolian Death Worms“) von 2010 wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von den Mongolischen Todeswürmern? Kanntet ihr die Legende bereits (egal ob in originaler Form oder aus einem Film/Videospiel)? Und wie hat euch meine Geschichte gefallen? Sie war ja doch etwas anders als meine anderen Geschichten. Schreibt es in die Kommentare!</em></p>


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		<title>Das Monster im Wald – Geburtstagsspecial</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jeremie Michels]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Apr 2023 13:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Monster und Ungeheuer]]></category>
		<category><![CDATA[Das Monster im Wald]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenig später hockten wir abseits vom Gestank über einer Karte vom Wald, auf der wir die bisherigen Kadaverfunde verzeichnet hatte. Wir waren gerade dabei, unser weiteres Vorgehen zu besprechen, als plötzlich ein Schrei durch den Wald schnitt ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<img decoding="async" src="https://vg09.met.vgwort.de/na/0a52caacf4614fff9e9d6420011315ac" width="1" height="1" alt="" class="wpvgw-marker-image" loading="eager" data-no-lazy="1" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade" style="display:none;" class="skip-lazy"/> 
<p class="wp-block-paragraph">„Das Monster im Wald“ ist der Gewinner einer kleinen Abstimmung, die ich anlässlich des 4. Geburtstags von Geister und Legenden durchgeführt habe. Diesmal geht es nicht um eine <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/urbane-legenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Legende</a>, sondern um ein <a href="https://www.geister-und-legenden.de/geschichten/monster-und-ungeheuer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wesen</a>, das meinem eigenen Kopf entsprungen ist. Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Gruseln!</p>



<details><summary><strong>Triggerwarnungen</strong></summary>
<p>&#8211; Blut<br>
&#8211; tote Waldtiere</p></details>



<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kam mit meinem Schulranzen auf dem Rücken ins Wohnzimmer geeilt. Mama und Papa saßen bereits am Tisch und tranken in aller Seelenruhe ihren Morgenkaffee, während ich mir in Rekordzeit ein Müsli mit Hafermilch einfüllte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Im Wald wurde wieder ein totes Reh gefunden“, erklärte Papa ruhig. Er schielte hinter seiner Zeitung hervor zu mir rüber. „Auf der Lichtung, wo ihr als Kinder immer gespielt habt. Weißt du noch? Bei der alten Eiche.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. Zu mehr war ich mit meinem vollen Mund nicht fähig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ging nun schon mehrere Monate so. Fast wöchentlich, manchmal sogar häufiger, tauchten im Wald Kadaver auf. Erst waren es bloß Hasen und andere kleinere Tiere. Einmal war sogar ein Fuchs dabei. Inzwischen war, was auch immer die Tiere jagte, jedoch zu größerer Beute übergegangen. Trotzdem wusste niemand, was dort im Wald sein Unwesen trieb. Viele redeten inzwischen von einem Monster.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte jedoch andere Sorgen: Mir entging nicht, wie Papa kaum merklich die Nase rümpfte, als sein Blick auf den Karton mit der Hafermilch fiel. Schnell sah er wieder in seine Zeitung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war schon ewig her, dass Papa mich angesehen hatte. Dass er mich <em>richtig</em> angesehen hatte, seinen Sohn, auf den er stolz war. Versteht mich nicht falsch: Er unternahm noch allerlei Dinge mit mir. Genau wie früher nahm er mich oft mit auf die Jagd, wir sahen zusammen Filme am Fernseher und spielten gelegentlich Brettspiele mit Mama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass wir einander noch wirklich nahestanden. Nicht, seit ich entschieden hatte, vegan zu leben. Der Sohn eines Jägers – ein Veganer. Ich konnte mir gut vorstellen, welchen Spott er meinetwegen in seinem Jagdverein abbekommen musste. Aber das würde sich bald ändern. Sollte ich mit meinem Plan Erfolg haben, würden die anderen ihn bald für seinen Sohn bewundern. Dann war ich nicht länger der Sohn, der nicht einmal die Tiere essen wollte, die sein Vater jagte, sondern der Sohn, der das Monster im Wald getötet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Blick fiel auf meine Armbanduhr. Verdammt! Ich war spät dran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich muss los“, sagte ich, ehe ich mir hastig noch zwei weitere Löffel Müsli in den Mund stopfte. Dann eilte ich in den Flur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warte. Ich begleite dich zur Tür“, rief Mama mir nach. Sie holte mich ein, während ich mir die Schuhe zuband.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort reichte sie mir meine Jacke und ließ sich nicht die Gelegenheit nehmen, mir durch meine Locken zu wuscheln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich duckte mich unter ihrer Hand weg. „Wir sehen uns später.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lass dich nicht ärgern“, erwiderte sie. Sie schenkte mir ihr wärmstes Lächeln. „Hab dich lieb.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich dich auch“, sagte ich. Dann eilte ich nach draußen. Heute wollte ich wirklich nicht zu spät kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Tür erwartete mich jedoch bereits das nächste Hindernis: Frau Richter – unsere Nachbarin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ahh. Florian! Gut, dass ich dich treffe“, empfing sie mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie war eine dieser typischen Tratschtanten, wie man sie sonst nur aus Büchern oder Filmen kannte. Sie wusste über alles im Dorf Bescheid und redete oft so schnell, dass man Probleme hatte, ihren ständigen Themenwechseln zu folgen. Anscheinend war sie gerade dabei, ihre Zeitung reinzuholen, auch wenn mich das Gefühl beschlich, dass sie auf mich gewartet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es geht um deinen Vater“, legte sie ohne jegliche Art der Begrüßung los. „Er geht doch immer im Wald jagen. Wusstest du, dass sie schon wieder ein totes Reh gefunden haben? Helga meinte, dass nicht mal ihr Mann Dr. Novak sagen konnte, welches Tier das arme Ding gerissen hat. Und er ist immerhin Arzt. Aber es war wohl alles ziemlich zerfetzt. Er habe so etwas noch nie gesehen. Und da dachte ich, was, wenn die Leute recht haben und sich wirklich ein Geist in unserem Wald rumtreibt? Der arme Peer ist doch damals im Wald verschwunden. Was, wenn seine ruhelose Seele zurückgekehrt ist, um sich an den Lebenden zu rächen? Es ist bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis ihm der erste Mensch zum Opfer fällt. Deswegen sollte dein Vater es sich wirklich zweimal überlegen, ob er das Risiko weiter eingehen …“ Weiter kam sie nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Guten Morgen Frau Richter“, hörte ich Mamas Stimme hinter mir. Sie musste unsere Nachbarin bemerkt haben und mir zur Hilfe geeilt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort verlagerte sich Frau Richters Aufmerksamkeit. „Johanna! Wir haben uns in letzter Zeit immer verpasst!“, fiel sie sofort über Mama her. Sie war wie ein Geier, der sich auf ein totes Tier stürzte. Ein sehr unfreundlicher Geier ohne jeglichen Sinn für Taktgefühl oder Höflichkeit. „Ich wollte mit dir schon ewig über euren Rasen sprechen. Ist euer Rasenmäher defekt? Das sieht ja nicht schön aus … Die Nachbarn reden schon und …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hörte ihr nicht länger zu. Nachdem ich mich noch schnell Mama zugewandt hatte, um ihr ein stummes „Danke“ zuzuflüstern, machte ich mich sofort auf den Weg. Frau Richter ließ es geschehen. Sie hatte ein neues Opfer gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich außer Sichtweite war, rannte ich aber nicht wie gewöhnlich die Straße runter zur Bushaltestelle, sondern bog mit einem verstohlenen Blick über die Schulter in eine Seitenstraße ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Ferne sah ich zwei Gestalten stehen. Klara und Lars warteten bereits auf mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Da bist du ja endlich. Wir dachten schon, du kneifst“, meinte Klara mit einem neckischen Zwinkern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich grinste sie an. „Quatsch. Ich musste nur meine Nachbarin abwimmeln.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frau Richter?“, meldete sich Lars zu Wort. Er grinste ebenfalls. „Na dann können wir froh sein, dass du es so früh geschafft hast.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurden unsere Gesichter ernst. Ich warf dem Wald, dessen Bäume wir am Ende der Straße sehen konnten, einen misstrauischen Blick zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir ziehen das also wirklich durch?“, fragte Klara. Sie hatte die Stirn gerunzelt, als sei sie sich darüber nicht ganz sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nickte. „Ja. Das heißt, falls ihr noch mitmachen wollt …?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden nickten ebenfalls.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut“, sagte ich. Ich hoffte, dass man mir meine Nervosität nicht ansah. Aber was sollte schon schiefgehen? Wir hatten immerhin eine Waffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne weitere Umschweife führte ich die beiden die Straße entlang bis in den Wald hinein. Wir gingen nur ein kurzes Stück, bis wir hinter einem Schild, dass einen Wanderweg markierte, nach links abbogen und im Dickicht verschwanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand den hohlen Baumstumpf auf Anhieb. Sofort ging ich hin, fischte mit dem Arm darin herum und holte schließlich eine längliche Stofftasche aus seinem Inneren. Ich sagte kein Wort, während ich die Waffe auspackte, warf meinen Freunden aber einen vielsagenden Blick zu. Das hier war der ultimative Beweis, dass ich es wirklich ernst meinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast die Waffe hier gelassen? Unbeaufsichtigt?“, fragte Lars entsetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich zuckte mit den Schultern. „Nur über Nacht. Ich hätte sie wohl kaum heute Morgen rausschmuggeln können. <em>Hey Papa, ich nehm dein Gewehr mit zur Schule, ja? Gut. Wir sehen uns später!</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lars zog eine Grimasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wusste ja selbst, wie unverantwortlich das war, aber wenn wir unseren Plan wirklich durchziehen wollten, hätten wir keine andere Möglichkeit gehabt. Ich ging bestimmt nicht unbewaffnet auf Monsterjagd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Freunde beobachteten mich mit einer Mischung aus Unwohlsein und Neugierde, während ich den Lauf überprüfte, das Gewehr lud und es schließlich sicherte. Natürlich hielt ich den Lauf dabei Richtung Boden von meinen Freunden weg, wie Papa es mir beigebracht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir können“, sagte ich schließlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„G-gut“, erwiderte Klara. Sie hatte Schwierigkeiten, ihren Blick vom Gewehr zu lösen. „Wo fangen wir an zu suchen?“</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig später waren wir auf dem Weg zur Lichtung, auf der die alte Eiche stand. Unsere Schulranzen hatten wir bei dem Baumstumpf zurückgelassen. Ich hatte meinen Freunden erzählt, was Papa mir am Frühstückstisch gesagt hatte. Und ich hatte auch erzählt, dass meine Nachbarin meinte, das Monster im Wald sei der Geist von Peer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle wussten von Peer Jakobs. Es war jetzt ein, vielleicht anderthalb Jahre her, dass er verschwunden war. Aber auch, wenn es seitdem zahlreiche unschöne Gerüchte um ihn gab – eines davon war, dass er im Wald gestorben sei – waren Mama und Papa der Meinung, dass er still und heimlich umgezogen war. Er hatte das Landleben nie gemocht. Und wenn er gestorben wäre, hätte man inzwischen sicher seine Leiche oder zumindest irgendwelche Überreste davon gefunden. Besonders bei der riesen Suchaktion, die das Dorf damals veranstaltet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, ich war mir sicher: Was auch immer die Tiere im Wald getötet hatte, war ganz sicher nicht sein Geist gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Weg zur Lichtung fiel mir mal wieder auf, wie friedlich der Wald war. In den Bäumen stimmten verschiedenste Vögel ihre Symphonie an. Ein sanfter Wind streichelte durch die Blätter und trug ihre Stimmen durch den Wald. Irgendwo in der Ferne hämmerte ein Specht gegen einen Baum. Ab und an konnte ich sogar das Summen von Insekten hören, die allmählich den Frühling anstimmten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgerundet wurde das alles von dem sanften Duft nach feuchter Erde, Nadelbäumen und einem gelegentlichen Hauch von Blumen, auch wenn ich nur selten ihre weißen und lila Köpfe zwischen den grünen Gräsern, Ästen und trockenen Blättern sehen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich blieb Klara vor mir stehen. Sie ging fast automatisch in die Knie und hielt Lars und mir einen erhobenen Zeigefinger entgegen. Dann raschelte es in einiger Entfernung im Unterholz. Sofort drehte ich mich in die Richtung, aber abgesehen von wackelnden Ästen konnte ich nichts erkennen. Das Gewehr hatte ich nicht gehoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah wieder zu Klara. „War da was?“, flüsterte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sah irritiert aus und konnte den Blick selbst dann nicht von der Stelle lösen, als sie sich langsam wieder aufrichtete. „Ich weiß nicht“, sagte sie in normaler Lautstärke. „Ich glaube, ich habe jemanden gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jemanden?“, fragte Lars. „Oder etwas?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jemanden. Da war ein Mann, glaube ich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Kopf schrillten sofort alle Alarmglocken. Wenn der Mann mich mit dem Gewehr gesehen hatte … Ich wusste natürlich, dass die Gefahr bestand, dass Papa bemerkte, dass ich mir eines seiner Gewehre ausgeliehen hatte. Aber noch war es zu früh. Wir hatten noch nicht einmal die Gelegenheit gehabt, das Monster zu suchen. Also setzte ich alles auf eine Karte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hallo?“, rief ich laut in den Wald hinein. „Können Sie uns helfen?“ Ich wollte so tun, als hätte mein Vater mir das Gewehr freiwillig anvertraut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich griff Klara nach meinem Unterarm. Als ich sie fragend ansah, schüttelte sie den Kopf. „Ich denke nicht, dass er zurückkommt. Der Mann war nackt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bitte?“, platzte es aus Lars heraus. „Du verarschst uns!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hingegen musste grinsen. „Dann haben wir Glück gehabt. Wenn das irgendein Perverser war, verpfeift er uns bestimmt nicht bei unseren Eltern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jedoch wieder Klara ansah, erstarb mein Lächeln. Ihr Blick war todernst. „Ich … Ich weiß nicht. Seine Hände waren schmutzig. Es sah fast aus wie … wie getrocknetes Blut.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lars und ich tauschten ernste Blicke aus. Meine Gedanken rasten. Getrocknetes Blut? Wollte sie uns doch auf den Arm nehmen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bist du dir sicher?“, fragte ich vorsichtig nach. „Dass es Blut war, meine ich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Klara schüttelte wieder den Kopf. „Nein“, gestand sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir standen eine Weile schweigend da. Erst starrte ich in die Richtung, aus der das Rascheln gekommen war, dann sah ich wieder zu Klara. Ihre Augen suchten den Wald ab, als erwarte sie, den Mann irgendwo zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehe ich jedoch fragen konnte, was in ihrem Kopf vorging, bemerkte sie meinen Blick. Sie sah erschrocken auf, als hätte ich sie bei etwas Verbotenem ertappt. Dann wechselte ihre Miene zu einem Ausdruck, der „Ist irgendetwas?“ fragte. Alles in kaum mehr als einer Sekunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sollten weiter“, sagte sie schließlich, während sie sich abwandte. „Wir sind gleich da.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich runzelte die Stirn. Da mir jedoch nichts Besseres einfiel, folgte ich ihr schweigend. Lars hielt sich dicht hinter uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber obwohl sich an unserer Umgebung nicht viel geändert hatte, machte der Wald jetzt einen anderen Eindruck auf mich. Die Vogelstimmen hatten ihre Harmonie verloren. Jetzt klangen sie eher, als würden sie miteinander streiten. Und auch das Hämmern des Spechts klang brutaler, als wolle er den gesamten Baum zerhacken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenigstens blieb der Geruch wie vorher. Er hatte eine beruhigende Wirkung auf mich. Zumindest, bis sich bald der süßliche Duft der Verwesung unter ihn mischte. Wir hatten die Lichtung erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die alte Eiche stand eindrucksvoll wie immer mitten auf der Lichtung. Ihre Äste ragten in alle Richtungen. Wäre ihre Krone nicht bereits wieder von dichtem Grün umhüllt gewesen, hätte man die morschen Überreste eines Baumhauses in ihren Ästen sehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute galt unsere Aufmerksamkeit aber nicht den Baum – der sich mit seinen tiefen Ästen übrigens wunderbar zum Klettern eignete –, sondern einem stinkenden Haufen nahe seiner Wurzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich konnte das Summen der Fliegen bis hier hören. Und es wurde noch lauter, als wir uns näherten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell wurde der Geruch nach Verwesung so intensiv, dass ich mir den Ärmel meiner Jacke vor die Nase hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bah, ist das eklig!“, hörte ich Lars hinter mir jammern. Er blieb in etwas Abstand zum Kadaver stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klara und ich waren da weniger zimperlich. Neugierig gingen wir näher an das tote Tier heran. Als wir direkt davorstanden, musste auch ich schlucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte schon so einige Rehe im Leben gesehen – auch tote aus der Nähe. Aber was hier vor uns lag, konnte ich kaum noch als Reh identifizieren. Sein Körper war völlig zerfetzt. Das Fell dunkelrot. Die Gedärme waren herausgerissen und überall um den Leichnam lagen unidentifizierbare Fetzen und Blut. Kein Wunder, dass selbst Dr. Novak den Angreifer nicht identifizieren konnte, wie Frau Richter vorhin gesagt hatte. Die Aasfresser mussten bei der Spurenverwischung ganze Arbeit geleistet haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich überkam mich das Gefühl beobachtet zu werden. Schnell drehte ich mich zu Lars um, doch er stand mit dem Rücken zu uns, versuchte wohl, den Kadaver nicht ansehen zu müssen. Also wanderten meine Augen weiter. Doch da waren weit und breit nur Bäume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich fiel mein Blick auf den Stamm der großen Eiche. Ich stutze. Direkt vor mir, etwa in zwei Metern Höhe, war ein blutiger Abdruck an der Rinde. Er sah fast aus wie von einer Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irritiert blickte ich nach oben. Die Sonne glitzerte durch das Blätterdach. Ich sah die vielen verzweigten und verwinkelten Äste über mir. Da war das alte Baumhaus, das ich vorhin schon erwähnt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Suchst du was?“, riss mich Klara aus meinen Gedanken. „Da oben wirst du bestimmt nichts finden. Oder meinst du, das Reh wurde von einem Vogel totgepickt?“ Sie schmunzelte, als ich sie ansah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, das nicht, aber … Findest du, dass das wie ein Handabdruck aussieht?“ Ich deutete auf den roten Fleck an der Rinde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig trat Klara näher an den Stamm heran. Sie betrachtete den Abdruck eine Weile, bis sie schließlich antwortete: „Hmm. Ich weiß nicht. Kann schon sein, aber das menschliche Gehirn interpretiert gerne bekannte Formen in unförmige Flecken. Deswegen erkennt man auch überall Gesichter, wo die Formen nur minimal nach einem Mund und zwei Augen aussehen.“ Sie zuckte mit den Schultern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hatte sich auch Lars zu uns gesellt. „Wenn du mich fragst“, sagte er mit zugehaltener Nase, „kann das auch ein Vogel gewesen sein. Hier wäre dann der Flügel gewesen.“ Er deutete auf die Ausformung, die ich als Finger gedeutet hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich runzelte die Stirn. Ich sah es auch. Aber wieso sollte ein blutüberströmter Vogel gegen den Baum fliegen? Vielleicht ein Aasfresser? Eine Krähe, die aufgescheucht wurde? Aber für eine Krähe war der Abdruck recht klein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die anderen schenkten ihm bereits keine Beachtung mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kannst du nicht spuren lesen oder sowas? Dein Vater ist doch Jäger“, schlug Lars vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hob eine Augenbraue, während ich mich vom Blutabdruck abwandte. Dann sah ich mir den Boden näher an. „Oh! Du hast recht!“, sagte ich begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ging einen Schritt auf Lars zu, woraufhin er sofort beiseitetrat, um mir Platz zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja! Ja, genau hier …“, ich machte eine künstliche Spannungspause und sah mit einem Grinsen zu Lars auf. „Genau hier stand eben noch ein ziemlich großer Vollidiot, der zu viele Filme gesehen hat.“ Ich deutete auf seinen Schuhabdruck im Gras.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ha ha, sehr witzig“, erwiderte er, musste aber selbst grinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tut mir leid. Mag sein, dass erfahrenere Jäger das vielleicht können, aber wenn ich mit Papa unterwegs bin, hocken wir meist nur in irgendeinem Hochsitz und warten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass ich selbst noch nie ein Tier erschossen hatte, rieb ich ihm lieber nicht auch noch unter die Nase.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenig später hockten wir abseits vom Gestank über einer Karte vom Wald, auf der wir die bisherigen Kadaverfunde verzeichnet hatte. Wir waren gerade dabei, unser weiteres Vorgehen zu besprechen – geplant war ein rasterförmiges Abarbeiten der betroffenen Waldstücke –, als plötzlich ein Schrei durch den Wald schnitt. Er war laut, klang aber weder nach irgendeinem Tier, das ich kannte, noch nach einem Menschen. Wenn ich ihn zuordnen müsste, würde ich sagen, dass er erschrocken klang. Vielleicht eine Art Warnruf?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was war das?“, fragte Klara, die sich sofort nach der Geräuschquelle umsah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lars blieb lockerer. „Bestimmt irgendein Tier. Ich hab in einem Video gehört, wie Füchse schreien. Das klang so ähnlich“, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste ihm die Illusion leider zerstören. „Das war kein Fuchs. So ein Tier hab ich hier noch nie gehört, und ich bin schon verdammt oft im Wald gewesen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir warfen einander vielsagende Blicke zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt mein Gewehr fest in den Händen, bereit es zu entsichern, während wir uns als dicht geschlossene Gruppe auf den Weg Richtung Schrei machten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir schlichen eine Weile stumm nebeneinander her, darauf bedacht, möglichst wenig Lärm zu machen. Trotzdem sahen oder hörten wir um uns herum nichts Ungewöhnliches mehr. Da waren nur die Vögel, die unaufhörlich zwitscherten, der Wind, der zischend durch die Blätter fegte, und das Rauschen eines Bachs, dem wir immer näherkamen. Den Geräuschen nach gingen wir direkt darauf zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als wir das Gewässer schließlich sahen, verzog ich das Gesicht. Der Bach war ziemlich breit. Wenn wir keine nassen Füße bekommen wollten, müssten wir eine schmalere Stelle suchen. Wortlos gingen wir den Bach entlang, Augen und Ohren weiterhin weit geöffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Plötzlich packte mich Lars an der Jacke. Ich blieb sofort stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Seht mal!“, sagte er zu uns. Er deutete auf einen Abdruck im Uferschlamm, in den ich fast hineingetreten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neugierig bückte ich mich. Es war ein Fußabdruck. Ein menschlicher Fußabdruck. Und er sah ziemlich frisch aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht war der Schrei doch von einem Menschen“, überlegte ich laut. „Wenn hier bloß ein paar Typen rumgealbert haben …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn es wirklich ein Geist ist?“, warf Lars ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klara und ich sahen ihn ungläubig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So ein Quatsch. Der Abdruck ist bestimmt von jemandem, der seine Füße im Wasser baumeln lassen wollte. Außerdem hab ich noch nie gehört, dass Geister barfuß unterwegs sein sollen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Oder nackt …“, ergänzte Klara.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte einen Moment, bis ich verstand, worauf sie hinaus wollte. Sie spielte auf den nackten Mann an. Die Puzzleteile in meinem Kopf begannen, sich zusammenzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Meintest du nicht, dass der Mann blutige Hände hatte?“, fragte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klara nickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und war da an dem Baumstamm nicht ein blutiger Handabdruck?“, ergänzte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt machte es auch bei meinen Freunden Klick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du meinst, dass irgendein Verrückter nackt durch den Wald rennt und Tiere tötet?“, sprach Lars es laut aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich weiß es nicht. Vielleicht. Ich kann nur sagen, wonach es aussieht“, erklärte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vielleicht sollten wir die Polizei rufen?“, warf Klara dazwischen. „Wenn das wirklich ein Verrückter ist, ist er bestimmt gefährlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und wenn schon, wir haben ein Gewehr“, erwiderte ich. „Wenn wir zusammen bleiben …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Klara ließ mich nicht ausreden. „Und wenn er auch eine Waffe hat?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn er die Tiere mit einer Waffe getötet hätte, hätten mein Vater oder Dr. Novak das bestimmt bemerkt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits … wenn das wirklich ein Mensch war, konnte ich ihn nicht einfach erschießen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber ihr habt recht“, gab ich nach. „Wir brauchen einen neuen Plan.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffte nur, dass Papa trotzdem stolz auf mich wäre, auch wenn ich nur teilweise bei der Suche nach dem Monster im Wald geholfen hatte.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren auf dem Rückweg, waren erst ein paar Meter gegangen, als ich bei einem der Bäume etwas am Boden bemerkte. Neugierig ging ich näher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wartet mal“, sagte ich, während ich mich danach bückte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier am Boden war ein weiterer Abdruck eines nackten menschlichen Fußes. Er führte direkt auf den Baum zu, nur wenige Zentimeter vom Stamm entfernt, als habe jemand sich am Stamm gedehnt oder … als wäre er auf den Baum geklettert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell blickte ich hoch. Bevor meinen Lippen jedoch ein Schrei entfahren konnte, schrie etwas Anderes auf: Im Baum über mir hockte ein nackter Mann. Er hatte bleiche Haut, keinerlei Haare auf dem Kopf, war abgemagert und stürzte sich schreiend auf mich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wucht des Aufpralls riss mich um. Ich fiel mit dem Rücken auf einige Wurzeln, aber mein Kopf wurde von weicher Walderde abgefedert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem schaffte ich es nicht, das Gewehr hochzureißen. Nicht nur, dass der Mann mit seinem knochigen Körper auf mir hockte, er schlug auch noch so wild auf mich ein, dass ich schützend meine Arme vor mein Gesicht und meinen Hals reißen musste. Dabei war er die ganze Zeit wie wild am Schreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Florian!“, schrien Klara und Lars wie aus einem Munde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lars war sofort bei mir. Ich sah, wie er sich auf den Mann stürzte, aber im letzten Moment trat der Mann nach ihm. Mit einem Geschick, dass ich ihm in seinem Zustand nicht zugetraut hatte, traf er mit seinem nackten Fuß Lars&#8216; Gesicht. Es ertönte eine Mischung aus einem Klatschen und einem Knacken. Mein Freund hielt sich die Nase, während er einige Schritte zurücktaumelte und schließlich stürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lars!“, rief ich, hatte jedoch keine Möglichkeit, zu ihm zu eilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch immer hockte der Mann über mir. Schlug wild auf mich ein. Während der Stoff meiner Jacke die gröbsten Schläge abfing, traf mich Speichel im Gesicht. Außerdem war da dieser fürchterliche Gestank. Seine Hände waren überzogen von getrocknetem Blut, wie Klara gesagt hatte, aber ich konnte nicht sagen, ob es das Blut oder sein Atem waren, der so fürchterlich nach Verwesung stank.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>‚Tock!‘</em>, ertönte es plötzlich. Ich hatte keine Ahnung, ob Klara auf seinen Kopf gezielt hatte oder ob es bloßes Glück war. Der Mann sprang jedenfalls zur Seite, als ihn der Stein mit voller Wucht an der Schläfe traf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lange setzte ihn das aber nicht außer Gefecht. Noch ehe ich mich aufsetzen konnte, krabbelte er auf allen vieren über mich hinweg und rannte mit fast unmenschlicher Geschwindigkeit auf Klara zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Bewegungen erinnerten mich mehr an ein Tier als an einem Menschen. Trotzdem zögerte ich, nachdem ich die Waffe entsichert hatte und auf ihn zielte. Auch stand Klara genau in meinem Schussfeld. Im letzten Moment riss ich den Lauf nach oben und feuerte einen Warnschuss ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Knall hallte durch den gesamten Wald. Ich hörte, wie unzählige Vögel entsetzt aufflogen. Ein Gewirr aus Flügelschlägen kam aus allen Richtungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich von dem Knall jedoch gänzlich unbeeindruckt zeigte, war der komische Mann. Er stürmte weiter auf Klara zu, riss sie einfach zu Boden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich lud sofort nach. Die leere Patronenhülse feinsäuberlich abfangend, wie Papa es mir beigebracht hatte, zielte ich bereits wieder auf den Angreifer. Dann ging alles sehr schnell: Beim Zielen sah ich, dass der nackte Mann über Klara hockte. Er hatte einen großen Stein aufgehoben, den er schlagbereit über sich hielt. Ich hatte keine Zeit zu denken, nur zu handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer Schuss hallte durch den Wald. Diesmal hatte ich den Lauf nicht in letzter Sekunde hochgerissen. Die Kugel hatte ihr Ziel genau getroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann schrie. Seine Schreie klangen ähnlich wie der Schrei vorhin, nur um einiges qualvoller. Dafür hatte er von Klara abgelassen. Mit gequältem Gejammer hatte er sich neben ihr am Boden zusammengerollt. Die Hände presste er fest auf die frische Wunde, die ich in seinen Bauch geschossen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell rappelte ich mich auf. Ich rannte zu Klara, um zu sehen, ob es ihr gutging, aber sie war bereits wieder auf den Beinen, ehe ich sie erreicht hatte. Und auch Lars schien es, abgesehen von einer wahrscheinlich gebrochenen Nase, gutzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stellten uns in einigem Abstand um den komischen nackten Mann. Es war ein mitleiderregender Anblick, wie er weinend und winselnd am Boden lag. Trotzdem reagierte er nicht auf unsere Fragen und Rufe. Es schien, als wäre er mehr Tier als Mensch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür konnte ich den Mann jetzt, wo er nicht mehr auf mir hockte und sich nicht zu sehr bewegte, deutlich erkennen. Er war unnatürlich dünn, viel dünner als ein Mensch mit seiner Kraft sein sollte. Die Haare auf dem Kopf waren nicht das Einzige, was fehlte. Er hatte keinerlei Körperbehaarung, weder an Armen und Beinen, noch an der Brust oder im Intimbereich. Er hatte nicht einmal Augenbrauen oder Wimpern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je länger ich ihn ansah, desto unsicherer war ich, ob dieses Ding wirklich ein Mensch war. Als ich von einem Monster im Wald geredet hatte, ging ich eigentlich nicht von einem echten Monster aus. Ich ging davon aus, dass wir einen tollwütigen Hund oder etwas Ähnliches fanden. Aber das …?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was machen wir jetzt?“, fragte Klara nervös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lasst uns abhauen!“, sagte Lars. „Er ist doch jetzt erledigt, oder? Scheiße, wir haben auf einen Mann geschossen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich überlegte einen Moment, ihm zuzustimmen. Aber abgesehen davon, dass ich nicht wusste, was passieren würde, wenn jemand seine Leiche fand, brachte ich es nicht übers Herz, ihn hier einfach liegenzulassen. Es war ein Bauchschuss. Wenn ich keine wichtigen Organe getroffen hatte, hatte er eine gute Chance, zu überleben.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">&#8212;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es stellte sich heraus, dass das die richtige Entscheidung gewesen war. Nachdem ein Sanitäterteam ihn aus dem Wald geholt hatte, brachten sie ihn sofort ins Krankenhaus. Er überlebte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und nicht nur das: In der psychiatrischen Einrichtung, in die er anschließend gebracht wurde, stellte man fest, dass es sich tatsächlich um den vermissen Peer Jakobs handelte. Niemand wusste, was ihm zugestoßen war, weder psychisch noch physisch, aber er war am Leben. Auch wenn er meines Wissens nach nie wieder ein Wort gesprochen, geschweige denn die Einrichtung verlassen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleibt nur noch zu sagen, dass die polizeiliche Ermittlung aus mir unbekannten Gründen eingestellt wurde. Vielleicht sahen sie ein, dass ich aus Notwehr gehandelt hatte? Klara, Lars und ich wurden nur ein einziges Mal verhört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um genau zu sein, endete die Ermittlung ziemlich abrupt, nachdem zwei Mitarbeiter von Lighthouse – einer ominösen Elektrikerfirma, wie ich im Internet herausgefunden hatte – unserem örtlichen Polizeipräsidium einen kurzen Besuch abgestattet hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte keine Ahnung, was es damit auf sich hatte, aber eigentlich war es mir auch egal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Papa hatte mir natürlich Hausarrest gegeben und ich hatte einen Monat lang Handyverbot, weil ich ohne Erlaubnis sein Gewehr geborgt hatte. Trotzdem wusste ich, dass er insgeheim stolz auf mich war. Das merkte ich daran, wie er mich seitdem behandelte. Es war ihm egal, ob ich vegan lebte oder nicht. Und in seinem Jagdverein war ich laut ihm eine ganze Weile lang das Gesprächsthema Nummer eins. Meine Welt war wieder in Ordnung.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Hintergrund:</h2>



<p class="wp-block-paragraph">An sich hatte ich vor, an dieser Stelle den Hintergrund zu dem Bild zu erläutern, auf dem die Geschichte basiert. Ich wollte euch meinen Gedankenprozess beim Planen/Zeichnen aufzeigen, erzählen, woher meine Ideen kamen usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den anderen beiden Bildern hätte ich das auch tun können, aber das Bild zu „Das Monster im Wald“ war bloß eine kleine unüberlegte Zeichnung, eine spontane Idee, die mir zum Inktober eingefallen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte mir weder Gedanken um das Charakterdesign noch um die Hintergrundgeschichte gemacht. Und trotzdem bin ich unendlich glücklich mit der Geschichte, die jetzt daraus entstanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Einzige, was mich etwas fertig gemacht (und mir auch nach dem eingeplanten Schreibwochenende viele Stunden Freizeit geraubt hat), war die Überlänge der Geschichte. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass es sich gelohnt hat. Das Monster im Wald hätte meiner Meinung nach nicht viel kürzer sein dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Was haltet ihr von der Geschichte? Fandet ihr sie genauso gut, wie meine anderen? Fandet ihr sie zu lang oder genau richtig? Schreibt es in die Kommentare!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn ihr regelmäßig solche Geschichten oder Legenden lesen wollt, unterstützt mich auf <a href="https://www.patreon.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patreon</a>, abonniert meinen <a href="https://www.geister-und-legenden.de/newsletter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> oder folgt mir auf <a href="https://twitter.com/geisterlegenden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Twitter</a>, <a href="https://www.facebook.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook</a> oder <a href="https://www.instagram.com/geisterlegenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Instagram</a>!</em></p>
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